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(+/- 30 min)
1917
Coloured pencil and pencil drawing on wove paper
51.5x71.2 cm
On the front dated and titled by the artist in pencil "1,917 / Santta Maria von Fuentterterre". Within the context of the reverse text signed "Getz. Skt. Adolf II. Besitzer des Obengenantten"
The Eberhard W. Kornfeld Collection, Bern
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [The Eberhard W. Kornfeld Collection], cat. no. 190
Sheet minimally creased and slightly rubbed, lower right corner with small paper loss, traces of old mounting on the reverse. In very good condition
Adolf Wölfli's childhood was marked by severe hardships. He spent his youth as a contract child laborer with various farming families under loveless and difficult conditions. In 1895, he was admitted to the Waldau psychiatric hospital near Bern after attempting to assault underage girls.
Upon his admission to Waldau, the medical diagnosis of "Dementia paranoides" (schizophrenia) was made. Shortly after entering the psychiatric institution, Wölfli, on the advice of the doctors, wrote his first autobiography and began drawing in 1899 at the age of 35. During his long stay at Waldau, he saw himself as a writer, composer, and artist. His mission was to explain the organization of life and the world anew. By the end of his life, he had created an impressive body of work comprising over 25,000 pages. Our drawing, designed with musical notes, features two rectangular text bands running clockwise, on which imaginative and not easily comprehensible content is written, which is typical for Wölfli.
On the outer text band, on a yellow background, it reads: "Marsch!! Anfang. Aussen, Soll=Schlüssel: In=nen, Gee=Schlü=ssel. Getz. Die Riesen=Stadt, Fuentterterre, im Mutter=Wald=Be=zirk, Südmeridian. 1,917." On the inner text band it says: "Die heilige Santta=Maria von Fuentterterre aund, D'Krohn=Prinzessin, Mariili." On the reverse side of the sheet there is a detailed text, transcribed as follows:
"Erklährung. Mein Bruder, der heilige Skt. Gottlieb: Grossgross=Keiser und Gross=Gott: Und, / meine Wenigkeit, Skt. Adolf der II., Grossgross=Keiser und Grossgross=Gott, wiegen / Die heilige Santta Maria von Fuentterterre, auf unser'm Schööss. Letztere ist meine / liebe Gemahlinn: Ditto, Grossgross=Keierinn und, Grossgross=Göttin. Walzerlied. / Chrütz=Biiiga, i ma nit, wiiga Dah: Schnütz D'Ziiga, i bi de, z'Sit=ta! G'rütz= / Wiiga, i bi de, z'bit=ta! Chrütz=Biiga, i bi de, z'Wit=ta!! Chehr! Liga da, / nit i na as, Wiigali! Rittra=Gritt, i triiga, D's Annali nitt!! Chehr: u.s.w. / 1. Rerr = Reehre X resol X soll X fahmi Reh X utt Uuht ut X ut mi soll X utt soll Reerr / reehre X re fa soll X ress-ssoll X !! Chehr! Lasol fa X mire utt X Soohlsolsoll Reffafa / = Fa !! X soll miihre X uhttutziss utt. 24. Chehr: 1. X u.s.w. Das heisst, gesunggen. / Der fronttseitige Kupfer=Stich, ist die geographische Karten=Ansicht des mehrfachen, Gross= / Gross=Keiser=Reichs, Fuentterterre, im Mutter=Wald=Bezirk, auf dem Konttinentt, / Südmeridian. Das Zentrum, die Riesen=Stadt, Fuentterterr, ist umgrentz, von dem, / von Nord nach Süd, 550, Milliarden Stund langen, 165 Milliarden Stundt breiten und, / 275,000,000,000 Stund, Ausrechnungs=Ansatz haltenden, gleichnahmigen, Skt. Adolf, =Rie=sen=Esskurial. Rings um den Letztern, getz., als Gee=Gschlüssel, zih't sich der gewallti= / ge Skt. Adolf=Ring, Riesen=Stadt, getz. als Soll=Schlüssel. Das gantze Bild ist umgrentzt, / von dem riesenhaften, Ditto, Skt. Adolf =Hoof: He jah! D'Jäger=Vögel und d'Gold=Vögel. / Meine Wenigkeit, jedoch, ist seit dem Jahr, 1,865, rechtmässiger Herr und Besitzer, des gantzen, / 156 Quadraht=Stund Flächen=Inhalt haltenden, Waldau, =Skt. Adolf=Hoofes, wie auch, / Der sämtlichen, obigen, Anmerkungen, etzettera etzettera: Sonst, wenn Sie Diess nicht / glauben wollen, so sehen Sie jefelligst nach, in Ihrem Haus=Buch. Die Sonne bringt / es, an den Tag: Und dah, bin ich jetzt, hintter'm Haag. Uuh: Phuuh: Wä. I giba Da Vögali Chli meh Fuett'r, als mi Brued'r Gottlieb: Guetes: Erbsen mit Spek: / Jah jah, ab'r de fliiga Sie halt D'rmitt: Frrrrt. Getz., Skt. Adolf II. Besitzer des, Obgenannten."
1917
Farbstift- und Bleistiftzeichnung auf Velin
51,5x71,2 cm
Auf der Vorderseite vom Künstler in Bleistift datiert und betitelt "1,917 / Santta Maria von Fuentterterre". Im Rahmen des rückseitigen Textes signiert "Getz. Skt. Adolf II. Besitzer des Obengenantten"
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Blatt minim knittrig und leicht berieben, untere rechte Ecke mit kleinem Papierverlust, rückseitig mit Montierungsresten. In sehr guter Erhaltung
Adolf Wölflis Kindheit war geprägt von schweren Belastungen. Seine Jugend verbrachte er als Verdingkind bei verschiedenen Bauernfamilien unter lieblosen und schwierigen Bedingungen. Im Jahr 1895 wurde er in die psychiatrische Heilanstalt Waldau bei Bern eingewiesen, nachdem er versucht hatte, sich an minderjährigen Mädchen zu vergreifen.
Bei seiner Einlieferung in die Waldau wurde die medizinische Diagnose "Dementia paranoides" (Schizophrenie) gestellt. Kurz nach seinem Eintritt in die Nervenheilanstalt verfasste Wölfli auf Anraten der Ärzte seine erste Lebensgeschichte und begann 1899, im Alter von 35 Jahren, zu zeichnen. Während seines langen Aufenthalts in der Waldau verstand er sich als Schriftsteller, Komponist und Künstler. Seine Mission war es, die Organisation des Lebens und der Welt neu zu erklären. Bis zu seinem Lebensende schuf er ein beeindruckendes Werk von über 25'000 Seiten. Unsere mit Musiknoten gestaltete Zeichnung besitzt zwei rechteckige, im Uhrzeigersinn verlaufende Textbänder, auf denen fantasievolle und nicht einfach verständliche Inhalte geschrieben stehen, was für Wölfli typisch ist.
Auf dem äusseren Textband ist auf gelbem Grund zu lesen: "Marsch!! Anfang. Aussen, Soll=Schlüssel: In=nen, Gee=Schlü=ssel. Getz. Die Riesen=Stadt, Fuentterterre, im Mutter=Wald=Be=zirk, Südmeridian. 1,917." Auf dem inneren Textband steht geschrieben: "Die heilige Santta=Maria von Fuentterterre aund, D'Krohn=Prinzessin, Mariili." Auf der Rückseite des Blattes befindet sich ein ausführlicher Text, der in der Transkription wie folgt lautet:
"Erklährung. Mein Bruder, der heilige Skt. Gottlieb: Grossgross=Keiser und Gross=Gott: Und, / meine Wenigkeit, Skt. Adolf der II., Grossgross=Keiser und Grossgross=Gott, wiegen / Die heilige Santta Maria von Fuentterterre, auf unser'm Schööss. Letztere ist meine / liebe Gemahlinn: Ditto, Grossgross=Keierinn und, Grossgross=Göttin. Walzerlied. / Chrütz=Biiiga, i ma nit, wiiga Dah: Schnütz D'Ziiga, i bi de, z'Sit=ta! G'rütz= / Wiiga, i bi de, z'bit=ta! Chrütz=Biiga, i bi de, z'Wit=ta!! Chehr! Liga da, / nit i na as, Wiigali! Rittra=Gritt, i triiga, D's Annali nitt!! Chehr: u.s.w. / 1. Rerr = Reehre X resol X soll X fahmi Reh X utt Uuht ut X ut mi soll X utt soll Reerr / reehre X re fa soll X ress-ssoll X !! Chehr! Lasol fa X mire utt X Soohlsolsoll Reffafa / = Fa !! X soll miihre X uhttutziss utt. 24. Chehr: 1. X u.s.w. Das heisst, gesunggen. / Der fronttseitige Kupfer=Stich, ist die geographische Karten=Ansicht des mehrfachen, Gross= / Gross=Keiser=Reichs, Fuentterterre, im Mutter=Wald=Bezirk, auf dem Konttinentt, / Südmeridian. Das Zentrum, die Riesen=Stadt, Fuentterterr, ist umgrentz, von dem, / von Nord nach Süd, 550, Milliarden Stund langen, 165 Milliarden Stundt breiten und, / 275,000,000,000 Stund, Ausrechnungs=Ansatz haltenden, gleichnahmigen, Skt. Adolf, =Rie=sen=Esskurial. Rings um den Letztern, getz., als Gee=Gschlüssel, zih't sich der gewallti= / ge Skt. Adolf=Ring, Riesen=Stadt, getz. als Soll=Schlüssel. Das gantze Bild ist umgrentzt, / von dem riesenhaften, Ditto, Skt. Adolf =Hoof: He jah! D'Jäger=Vögel und d'Gold=Vögel. / Meine Wenigkeit, jedoch, ist seit dem Jahr, 1,865, rechtmässiger Herr und Besitzer, des gantzen, / 156 Quadraht=Stund Flächen=Inhalt haltenden, Waldau, =Skt. Adolf=Hoofes, wie auch, / Der sämtlichen, obigen, Anmerkungen, etzettera etzettera: Sonst, wenn Sie Diess nicht / glauben wollen, so sehen Sie jefelligst nach, in Ihrem Haus=Buch. Die Sonne bringt / es, an den Tag: Und dah, bin ich jetzt, hintter'm Haag. Uuh: Phuuh: Wä. I giba Da Vögali Chli meh Fuett'r, als mi Brued'r Gottlieb: Guetes: Erbsen mit Spek: / Jah jah, ab'r de fliiga Sie halt D'rmitt: Frrrrt. Getz., Skt. Adolf II. Besitzer des, Obgenannten."
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