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  • 150 Selected Artworks

    Marcel Duchamp  : Monte Carlo Bond , 1924
    Marcel Duchamp  : Monte Carlo Bond , 1924
    Marcel Duchamp : 89 Monte Carlo Bond
    Marcel Duchamp : 89 Monte Carlo Bond
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    Marcel Duchamp : 89 Monte Carlo Bond
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    Marcel Duchamp : 89 Monte Carlo Bond
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    Marcel Duchamp : 89 Monte Carlo Bond
    Marcel Duchamp : 89 Monte Carlo Bond
    Marcel Duchamp : 89 Monte Carlo Bond

    Marcel Duchamp

    Blainville 1887 - 1968 Paris

    89   

    Monte Carlo Bond
    Dabei: Zwei Originalfotografien von Man Ray

    Estimate CHF 1'250'000 *

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    Sale time 11-09-2026,
    about 15:35 h (CET)
    (+/- 30 min)

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    1924

    Fotocollage und Steuermarke auf Lithografie/Buchdruck. Imitiertes rektifiziertes Readymade.

    31,2x19,4 cm

    Unten in Tusche vom Künstler signiert "M. Duchamp" und "Rrose Sélavy", auf der Steuermarke mit dem Nennwert 50 centimes und mit der gestempelten Nummer "22"

    Werkverzeichnis

    Arturo Schwarz, The Complete Works of Marcel Duchamp, Revised and Expanded Edition, London 1997, Bd. II, Nr. 406

    Registriert in den Archiven der Association Marcel Duchamp unter der Nummer 24.406E5

    Ein Zertifikat der Association Marcel Duchamp, datiert vom 25. Oktober 2016, liegt, wie immer bei Duchamp, in Kopie vor

    Provenienz

    Slg. Madeleine Turban, Rouen, direkt vom Künstler erworben, dort in den 1980er-Jahren erworben von

    Internationale Privatsammlung

    Auktion Sotheby's, London, 4. Februar 2020, Los 14, dort erworben von

    Privatsammlung Deutschland

    Literatur

    Robert Lebel, Marcel Duchamp, London 1959, Nr. 156, Abb. eines anderen Exemplars, Tf. 105

    Jean Clair, Marcel Duchamp, Catalogue raisonné, Paris 1977, Nr. 136, Abb. eines anderen Exemplars, S. 114

    Calvin Tomkins, The World of Marcel Duchamp, New York 1966, Abb. eines anderen Exemplars, S. 106

    Calvin Tomkins, Duchamp, A Biography, New York 1996, Abb. eines anderen Exemplars, S. 260

    Francis M. Naumann, Marcel Duchamp, The Art of Making Art in the Age of Mechanical Reproduction, New York 1999, Abb. eines anderen Exemplars, S. 102

    Janis Mink, Marcel Duchamp, Art as Anti-Art, Köln 2004, Abb. eines anderen Exemplars, S. 72

    Gloria Moure, Marcel Duchamp, Works, Writings and Interviews, Barcelona 2009, Abb. eines anderen Exemplars, S. 85

    Jacques Caumont und Françoise Le Penven, System D, Paris 2010, S. 224-225

    Francis M. Naumann, The Recurrent, Haunting Ghost, Essays on the Art, Life and Legacy of Marcel Duchamp, New York 2012, Abb. eines anderen Exemplars, S. 104

    Sylvain Amic/Joanne Snrech, Abécédaire de Marcel Duchamp, Paris 2018, Abb. eines anderen Exemplars, S. 61

    Ausstellungen

    Venedig 1993, Palazzo Grassi, Marcel Duchamp, Work and Life

    Basel 2002, Museum Jean Tinguely, Marcel Duchamp, Kat. Nr. 71

    Krefeld 2021/2022, Kaiser Wilhelm Museum, Beuys & Duchamp, Künstler der Zukunft, S. 62

    Frankfurt am Main 2022, MMK - Museum für Moderne Kunst, Marcel Duchamp, Katalog erscheint im Herbst 2026

    Bonn/Graz 2022/2023/2024, Bundeskunsthalle Bonn/Neue Galerie/HALLE FÜR KUNST Steiermark, ERNSTHAFT? Albernheit und Enthusiasmus in der Kunst, S. 94

    Venedig 2024, Fondazione Prada, Christoph Büchel, Monte di Pietà

    Zustand

    Farbfrisch und in sehr guter Erhaltung

    Erläuterungen

    Als Marcel Duchamp im Frühjahr 1924 anlässlich eines Schachturniers in Südfrankreich weilte, berichtete er dem Pariser Sammler Jacques Doucet von einer neuen Leidenschaft, die ihn in den Spielsälen der Côte d'Azur beschäftigte. "Die Nachmittage verbringe ich in den Spielsälen, und ich verspüre nicht die geringste Versuchung. Alles, was ich dort verloren habe, geschah in vollem Bewusstsein, und bislang hat mich die Übererregung des Spielsaals nicht erfasst. Alles an diesem Leben amüsiert mich sehr, und bei meiner Rückkehr werde ich Ihnen eines meiner Systeme erklären", schrieb Duchamp am 21. März 1924 in einem Brief an Doucet (Bibliothèque littéraire Jacques Doucet, Universités de Paris).

    In Nizza entwickelte Duchamp ein mathematisch durchdachtes Roulettesystem, das er anschliessend in Monte Carlo erproben wollte. Die ersten Resultate verliefen zwar vielversprechend, blieben jedoch hinter seinen finanziellen Erwartungen zurück. Um mit höheren Einsätzen spielen zu können, suchte er nach einer Möglichkeit, zusätzliches Kapital zu beschaffen. Daraus entstand die ungewöhnliche Idee, dafür ein Unternehmen zu gründen, dessen Finanzierung über eine eigens ausgegebene Anleihe erfolgen sollte. Vorgesehen war die Emission von dreissig Anteilen zu je 500 Francs. Den Zeichnern versprach Duchamp eine Rückzahlung innerhalb von drei Jahren zuzüglich einer Verzinsung von zwanzig Prozent.

    Der sogenannte "Monte Carlo Bond" verbindet auf einzigartige Weise wirtschaftliche Realität, künstlerische Erfindung und ironischen Witz. Das Wertpapier ist angelehnt an die Gestaltung anderer Wertpapiere. Duchamp kreierte die Anleihe eigenhändig und verband sie mit einer Bildsprache, die Anspielungen auf Mythologie und zeitgenössische Populärkultur vereint. Im Zentrum steht eine von Man Ray aufgenommene Fotografie Duchamps, dessen mit Rasierschaum modelliertes Haar die geflügelte Kopfbedeckung des Merkur, des Gottes des Handels und des Geldes, evoziert. Hinter der humorvollen Inszenierung verbarg sich jedoch ein durchaus ernst gemeintes Projekt. Diesem Exemplar sind zwei Originalfotografien von Man Ray beigegeben (s.u.), auf denen Duchamp als Merkur posiert.

    Auf der Rückseite des Wertpapiers ist ein Auszug aus den Statuten abgedruckt. Der Zweck der Firma war unter Artikel 1, Ziff. 1 dargelegt: "L'exploitation de la Roulette de Monte-Carlo" (also faktisch die "Ausbeutung" der Spielbank in Monte Carlo). Weiter versprach Duchamp unter den Artikeln 2 und 4 einen Ertrag von 20 %, der per 1. März fällig wurde. Sämtliche Exemplare tragen die Signaturen "M. Duchamp" (Un administrateur) und "Rrose Sélavy" (Le Président du Conseil d'Administration). Duchamp nutzte immer wieder das Pseudonym "Rrose Sélavy ("Éros, c'est la vie"), er hat das Werk also gleich zweimal selber signiert. Rechtsgültigkeit besassen allerdings nur jene Bonds, die zusätzlich mit einer Fünfzig-Centimes-Steuermarke versehen waren. Da Duchamps Vater als Notar tätig gewesen war, kannte der Künstler die juristischen Voraussetzungen für die Beglaubigung offizieller Dokumente mittels Steuermarken. Dieses Verfahren überführte er in seine künstlerische Praxis. Mehrere seiner Pochoirs versah er ebenfalls mit entsprechenden Marken und verlieh ihnen damit den Status eines Originals, obwohl sie technisch auf reproduktiven Verfahren beruhten. Arturo Schwarz spricht von einem "Imitated Rectified Readymade" (imitiertes rektifiziertes Readymade).

    Duchamps Plan ging nicht auf, sein System konnte die Spielbank nicht knacken. Gegenüber James Johnson Sweeney gab er zu, dass er nie gewonnen habe. Anscheinend zahlte er im ersten Jahr jedoch einen Teil der Dividende aus.

    Von der geplanten Auflage von dreissig Anleihen wurden nach heutigem Forschungsstand lediglich acht Exemplare komplett realisiert; praktisch alle befinden sich heute in Museumssammlungen. Im Dezember 1938 gab Duchamp, der die Wichtigkeit der Arbeit für sein Œuvre erkannte, in der Nr. 4 der Zeitschrift XXe Siècle eine Offsetlithografie in einer Auflage von 2000 Exemplaren heraus, die aber nichts mit den ursprünglichen Originalbonds zu tun hatte.

    Die originalen Wertpapiere von 1924 gelangten ausschliesslich in den Besitz enger Freunde und Förderer, darunter etwa Jacques Doucet, Ettie Stettheimer, George Hoyningen-Huene, Marie Laurencin oder Madeleine Turban. Die Anleihe mit der Nummer "12" schenkte Duchamp später dem Museum of Modern Art in New York. Diese Nummer war auch Vorlage für die Edition von 1938.

    Das hier vorliegende Exemplar erwarb die aus Rouen stammende Madeleine Turban, mit der Duchamp seit ihrer ersten Begegnung im Jahr 1917 in New York befreundet war. Damals organisierte sie eine Benefizauktion zugunsten des Roten Kreuzes. Als sich beide im Dezember 1924 erneut in New York trafen, verbrachten sie zahlreiche Abende zusammen, Duchamp machte sie auch mit seinem Bekanntenkreis vertraut. Turban hat den Bond mit der Nummer "22" direkt von Duchamp erworben und ihn offenbar bis in die 1980er-Jahre behalten.

    Der äusserst seltene, originale "Monte Carlo Bond" von 1924 zählt zu Marcel Duchamps radikalsten konzeptuellen Werken, in dem er Kunst, Wirtschaft und Ironie miteinander verbindet und den Wert von Geld, Kunst und Originalität spielerisch infrage stellt. Als zugleich rechtsgültiges Finanzdokument und eigenständiges Kunstwerk gilt der "Monte Carlo Bond" als frühes Schlüsselwerk der Konzeptkunst.

    Konvolut

    Dabei:
    Man Ray (Philadelphia 1890 - 1976 Paris)
    Studien für Marcel Duchamp - Monte Carlo Bond (mit Porträts von Marcel Duchamp). 1924
    2 Silbergelatine-Kontaktabzüge. 8x5,7 cm bzw. 8,2x5,8 cm
    Mit Bleistift mit "A16" bzw. "A7" bezeichnet; einer der Abzüge trägt auf der Rückseite den Stempel des Fotografen "Man Ray, 31 bis, rue Campagne Première, Paris XIVe"
    In sehr guter Erhaltung

    Provenienz
    Slg. Lucien Treillard, Paris, versteigert bei
    Auktion Christie's, Paris, 2. März 2021, Los 26, dort erworben von
    Privatsammlung Deutschland

    Ausstellungen
    Paris 1998, Galeries nationales du Grand Palais, Man Ray, La photographie à l’envers, S. 212
    Sydney 2004, Art Gallery of New South Wales, Man Ray, S. 34.
    São Paulo/Belo Horizonte/Curitiba 2019/2020, Centro Cultural Banco do Brasil/Centro Cultural Banco do Brasil/Museo Oscar Niemeyer, Man Ray em Paris, S. 30
    Krefeld 2021/2022, Kaiser-Wilhelm-Museum, Beuys & Duchamp. Künstler der Zukunft, S. 63/64
    Frankfurt am Main 2022, MMK-Museum für Moderne Kunst, Marcel Duchamp, Katalog erscheint im Herbst 2026

    Man Ray fotografierte Marcel Duchamp im "Hôtel Istria" in Paris als "Merkur", den antiken Götterboten, Gott des Handels und der Diebe. Das Bild sollte auf dessen "Monte Carlo Bond" collagiert werden. Duchamp hat sich den Kopf und die Haare mit Rasierschaum eingeseift. Die beiden vorliegenden Fotos wurden schliesslich nicht für den Bond verwendet, sind aber wunderbare Zeugnisse in Zusammenhang mit der Entstehung der Arbeit und der Zusammenarbeit der beiden wichtigen Künstler. Lucien Treillard (1936-2004) war Man Rays Assistent und sein letzter künstlerischer Weggefährte und Mitarbeiter.


     
     
     
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