1917-1918
Pencil, red coloured pencil, heightened with white, on imitation Japan paper
56.5x37.3 cm
Lower left signed by the artist in pencil 'GUSTAV / KLIMT'
Alice Strobl, Gustav Klimt, Die Zeichnungen 1912-1918, vol. III, Salzburg 1984, no. 2629
Estate of Gustav Klimt
Klipstein & Kornfeld, Bern, acquired in July 1957, later acquired by
The Eberhard W. Kornfeld Collection, Bern, with the collector's stamp on the back, Lugt 913b
Otto Breicha, Gustav Klimt, Die goldene Pforte, Werk, Wesen, Wirkung, Bilder und Schriften zu Werk, 1978, fig. 177
Tobias G. Natter (ed.), Gustav Klimt, Sämtliche Gemälde, Cologne 2012, fig. p. 442
Vienna 1962, Albertina, Gustav Klimt, cat. no. 204
Darmstadt 1970, Mathildenhöhe, Internationale der Zeichnung, Sonderausstellungen Gustav Klimt und Henri Matisse, cat. no. 156
Lucerne 1974, Kunstmuseum, Kunst in Österreich 1900-1930, cat. no. 96
Brussels 1981, Palais des Beaux-Arts, Klimt - Schiele - Kokoschka, Werke auf Papier, cat. no. 38
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [The Eberhard W. Kornfeld Collection], cat. no. 128
Madrid 2003, Fundación Juan March, Espíritu de modernidad: de Goya a Giacometti, Obra sobre papel de la colección Kornfeld, cat. no. 48
Vienna 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld, cat. no. 71
Krems 2009, Kunsthalle, Das Porträt im Wandel der Zeit, p. 121
Lower right two slight vertical creases. Lower right of centre with slight stains and a minimally rubbed spot. Very fine overall condition
Ria Munk, aged 24, took her own life in 1911 due to a broken engagement. She was the daughter of Aranka Munk, née Pulitzer, and the sister of Serena Lederer, who was one of Gustav Klimt's most important supporters at that time. The grieving parents commissioned the painter to create a portrait of their deceased daughter. In 1912, Klimt created the 'Bildnis Maria (Ria) Munk auf dem Totenbett' (Natter no. 195). Allegedly, Klimt depicted the deceased also in the painting, 'Die Tänzerin' (Natter no. 226). It is not known whether the Munks commissioned Gustav Klimt to paint another portrait of their daughter.
In 1917, the artist began work on another painting. He produced studies with various poses and facial expressions, including full-figure studies. From postcards to Emilie Flöge, we know that Klimt found it difficult to settle on the 'correct' composition.
The present drawing served Klimt as another study for what was presumably the third portrait of Ria Munk. The young woman is shown in a half-turn, looking over her shoulder directly at the viewer with a gentle yet coquettish smile. Her eyes are lively and finely accentuated, making her face the focal point of the composition. Despite the minimal linework, Klimt succeeds in capturing her essence with great intensity. Klimt draws the flowing hair with lightness and playfulness. The clothing is merely suggested with swirling lines, which convey more of an impression of texture and movement than concrete form. The sideways glance over the shoulder, the expressive eyes, the delicately reddish hue of the cheeks and the gentle smile were realised by the artist in 'Bildnis Ria Munk III' (Natter no. 236). However, posterity was denied the final result, as Gustav Klimt was unable to complete the painting due to his own death.
This special and expressive drawing is a beautiful example of Klimt's refinement and masterful ability to capture emotion and personality with just a few lines. The fate of the sitter and Klimt's years-long engagement with the motif intensify the emotional impact of the portrait.
1917-1918
Bleistift, roter Farbstift, weiss gehöht, auf Simili-Japan
56,5x37,3 cm
Unten links vom Künstler in Bleistift signiert "GUSTAV / KLIMT"
Alice Strobl, Gustav Klimt, Die Zeichnungen 1912-1918, Bd. III, Salzburg 1984,
Nachlass Gustav Klimt
Klipstein & Kornfeld, Bern, im Juli 1957 angekauft, später erworben von
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Otto Breicha, Gustav Klimt, Die goldene Pforte, Werk, Wesen, Wirkung, Bilder und Schriften zu Werk, 1978,
Tobias G. Natter (Hrsg.), Gustav Klimt, Sämtliche Gemälde, Köln 2012,
Wien 1962, Albertina, Gustav Klimt,
Darmstadt 1970, Mathildenhöhe, Internationale der Zeichnung, Sonderausstellungen Gustav Klimt und Henri Matisse,
Luzern 1974, Kunstmuseum, Kunst in Österreich 1900-1930,
Brüssel 1981, Palais des Beaux-Arts, Klimt - Schiele - Kokoschka, Werke auf Papier,
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Madrid 2003, Fundación Juan March, Espíritu de modernidad: de Goya a Giacometti, Obra sobre papel de la colección Kornfeld,
Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Krems 2009, Kunsthalle, Das Porträt im Wandel der Zeit,
Unten rechts zwei leichte Längsfalten. Unten rechts der Mitte mit leichten Flecken und einer minim beriebenen Stelle. Sehr schöne Gesamterhaltung
Aufgrund einer geplatzten Verlobung nahm sich die 24 Jahre alte Ria Munk 1911 das Leben. Sie war die Tochter von Aranka Munk, einer geborenen Pulitzer und Schwester von Serena Lederer, die zu dieser Zeit eine der wichtigsten Unterstützerinnen Gustav Klimts war. Die trauernden Eltern beauftragten den Maler mit einem Porträt ihrer verstorbenen Tochter. 1912 schuf Klimt das "Bildnis Maria (Ria) Munk auf dem Totenbett" (Natter Nr. 195). Angeblich stellt Klimt die Verstorbene in einem weiteren Bild "Die Tänzerin" (Natter Nr. 226) dar. Es ist nicht bekannt, ob die Munks Gustav Klimt erneut mit einem Porträt ihrer Tochter beauftragt hatten.
1917 beginnt der Künstler mit den Arbeiten an einem weiteren Gemälde. Er fertigte Studien mit verschiedenen Positionen und Gesichtsausdrücken an, auch in ganzer Figur. Von Postkarten an Emilie Flöge wissen wir, dass Klimt Schwierigkeiten hatte, die für ihn "richtige" Bildkomposition zu finden.
Die vorliegende Zeichnung diente Klimt als weitere Studie für das vermutlich dritte Porträt von Ria Munk. Die junge Frau wird in einer halbseitigen Drehung gezeigt - ihr Blick geht über die Schulter direkt zum Betrachter, begleitet von einem sanften, aber dennoch koketten Lächeln. Ihre Augen sind lebendig und fein akzentuiert, was ihr Gesicht zum Mittelpunkt der Komposition macht. Trotz der reduzierten Linie gelingt es Klimt, ihr Wesen mit grosser Eindringlichkeit zu erfassen. Mit einer Leichtigkeit und Verspieltheit in der Linienführung zeichnet Klimt das bewegte Haar. Die Kleidung ist mit wirbelnden Linien nur angedeutet, die eher den Eindruck von Textur und Bewegung als konkrete Form vermitteln. Den seitlichen Blick über die Schulter, die ausdrucksstarken Augen, die zart rötliche Färbung der Wangen und das sanfte Lächeln setzte der Künstler im "Bildnis Ria Munk III (Natter Nr. 236) um. Das finale Ergebnis sollte der Nachwelt jedoch verwehrt bleiben, denn Gustav Klimt konnte das Gemälde aufgrund seines eigenen Todes nicht mehr vollenden.
Diese besondere und ausdrucksstarke Zeichnung ist ein schönes Beispiel für Klimts Raffinesse und meisterhafte Fähigkeit, Emotion und Persönlichkeit mit minimalem Strich einzufangen. Das Schicksal der Dargestellten und Klimts jahrelange Beschäftigung mit dem Motiv verstärken die emotionale Wirkung des Porträts.
| Switzerland | CHF | 170 |
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