Leiden 1606 - 1669 Amsterdam
1647
Radierung, Stichel und kalte Nadel
24,4x19,3 cm, Plattenkante und Blattgrösse
The New Hollstein (Hinterding/Rutgers) 238/V
White/Boon 285/IV
Rückseitig monogrammiert "W. R." mit Inv. Nr. "781" (nicht bei Lugt)
Schöner Druck, auf festem Bütten, ohne Wasserzeichen. In tadelloser Erhaltung, links, oben und rechts mit schmalem Papierrändchen um die Bildkante. Unten mit dem weissen Rändchen und 1 mm Papierrand um die voll sichtbare Plattenkante. Links die Inschrift in Kaltnadel "JAN SIX Ae 29", rechts voll signiert und datiert in kalter Nadel "Rembrandt f. 1647"
Die Kupferplatte entstand 1647 als Auftragsarbeit. Nach wenigen Drucken ging sie in den Besitz des Auftraggebers über. Sie ist noch heute im Besitz der Familie Six in Amsterdam
Jan Six, ein 1647 noch nicht 30-jähriger Amsterdamer Patrizier, Humanist und Schriftsteller, gehörte wohl zum engeren Freundeskreis von Rembrandt. Er verfasste 1647 das in diesem Jahre in Amsterdam erstmals aufgeführte Drama "Medea", das 1648 gedruckt erschien, als Frontispiz mit einer ganzseitigen Illustration von Rembrandt (The New Hollstein 241). 1655 heiratete er die Tochter des Amsterdamer Chirurgen Nicolaes Tulp, der ebenfalls von Rembrandt in einem Ölbild festgehalten wurde (Gerson 100). Ab 1656 hatte er verschiedene Ämter in der Amsterdamer Stadtregierung inne, im Jahre 1691, im Alter von 72 Jahren wurde er Bürgermeister, er starb im Jahre 1700
Drucke aus der Lebzeit Rembrandts sind selten, die Familie Six hat im 18. Jahrhundert eine kleine Auflage von ca. 25 Drucken herstellen lassen
Werner Weisbach hält in seiner Publikation über Rembrandt zurecht fest, dass dieses Blatt wohl die berühmteste und repräsentativste Portrait Radierung der 40er Jahre in ganzer Figur ist. Seidlitz weist darauf hin, dass die zart gestochene Platte nur eine kleine Anzahl wirklich guter Drucke hergegeben haben kann
