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    Franz Gertsch  : Tabea , 1981
    Franz Gertsch  : Tabea , 1981
    Franz Gertsch : 130 Tabea

    Franz Gertsch

    Mörigen 1930 - 2022 Riggisberg

    130   

    Tabea

    Zuschlag CHF 4'600'000
    Angaben ohne Gewähr
    Versandkosten

    1981

    Acryl auf ungrundierter Baumwolle

    257x391 cm

    Werkverzeichnis

    Im Werkverzeichnis des Archivs Franz Gertsch unter der Nummer WV00049 eingereiht

    Provenienz

    M. Knoedler Gallery, Zürich

    Louis K. Meisel Gallery, New York, dort erworben von

    Slg. Neil Weisman, New York

    Privatsammlung, New York

    Literatur

    Jean-Luc Daval, La Photographie. Histoire d’un Art, Paris 1982, S. 227

    Dieter Ronte, Franz Gertsch, Bern 1986, mit Werkkatalog der Gemälde ab 1969, S. 133

    Louis K. Meisel, Photorealism since 1980, New York 1993, S. 222

    Angelika Affentranger-Kirchrath, Franz Gertsch, Die Magie des Realen, Bern 2004, S. 113/115

    Reinhard Spieler unter Mitarbeit von Samuel Vitali, Franz Gertsch Retrospektive, Ostfildern-Ruit 2005, Kat. Nr. 49, S. 254

    Rainer Michael Mason, Franz Gertsch. Werkbuch 1934-2022, Rüschegg 2023, Kat. Nr. 89

    Kathleen Bühler, Arcane Beauty, in: Pol Erik Tøjner, Kirsten Degel, Drik Luckow u.a., Franz Gertsch. Blow-Up, Ausstellungskatalog zur Ausstellung im Louisiana Humlebæk und in den Deichtorhallen Hamburg, Humlebæk 2024, S. 66ff.

    Ausstellungen

    New York 1981, Louis K. Meisel Gallery, Franz Gertsch - Major Works

    Wien/Basel 1986, Museum Moderner Kunst/Kunsthalle Basel, Franz Gertsch

    Zustand

    Die untere rechte und linke Ecke mit minimen Farbabreibungen. Farbfrisch und in tadellosem Gesamtzustand

    Erläuterungen

    Franz Gertsch zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Fotorealismus. Seine grossformatigen Porträts aus den 1970er- und 1980er-Jahren zeichnen sich durch eine radikale Hinwendung zur Wirklichkeit aus, die zugleich über das blosse Abbild hinausweist. Mit Akribie übertrug er fotografische Vorlagen in monumentale Acrylgemälde, wobei er die ursprünglichen Bilder in einem zeitintensiven Prozess durch Rasterungen, Farbschichtungen und detailgenaue Malerei in ein neues Medium transformierte.

    Das Hauptwerk dieser Schaffensphase ist wohl das 1981 entstandene Gemälde "Tabea". Nach Irène Staub (vgl. Los 129) war Tabea Blumenschein (1952-2020) das zweite Modell für ein grosses Frauenporträt. Die Schauspielerin und Künstlerin wurde ab Mitte der 1970er-Jahre zu einer zentralen Figur der Berliner Underground- und queeren Filmkultur. Besonders prägend war ihre Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Ulrike Ottinger. Es war anscheinend der Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann, der Franz Gertsch auf Blumenschein aufmerksam machte, nachdem er Ottingers Film "Bildnis einer Trinkerin" (1979) mit der Schauspielerin gesehen hatte. Der Künstler Luciano Castelli führte Gertsch dann in Berlin zu jenem Restaurant, in dem Blumenschein den Abend verbrachte. Dort konnte Gertsch eine Fotografie der Schauspielerin vor einer Backsteinwand machen. Das Foto zeigt eine leicht irritierte, distanzierte, fast ein wenig genervte Blumenschein, die bewusst nicht in die Kamera schaut. Im Gegensatz zu den anderen Frauenporträts, die vor einem neutralen Hintergrund und in zurückhaltender Kleidung geschaffen wurden, ist der Hintergrund bei "Tabea" voll ausgestaltet und die Backsteinwand liegt in einem spannenden Licht-Schatten-Spiel. Die auffällige Schminke und der opulente Goldschmuck sind einmalig für alle anderen grossen Porträts von Gertsch. Gertsch schuf 1981 noch eine farbige Lithographie (Mason 1991, Nr. 2) und eine Gouache auf Papier ("Tabea III") mit demselben Modell.

    Die Darstellung wirkt auf den ersten Blick verblüffend fotografisch exakt. Doch Gertschs Malweise enthüllt sich in subtilen Oberflächenspannungen, feinsten Farbmodulationen und einer eigentümlichen Verdichtung des Moments. Die Zeit scheint im Bild förmlich stillzustehen. Die fotorealistische Technik erzeugt eine frappierende Präsenz, doch das Werk bleibt offen und fordert den Blick heraus, ohne sich preiszugeben.

    Gertsch gelingt es eindrücklich, die scheinbare Objektivität der Fotografie mit der Subjektivität malerischer Wahrnehmung zu verbinden. In "Tabea" verschmelzen Abbild und Kunstform, Realität und Imagination. Es ist diese einzigartige Spannung, die seinen Porträts eine nachhaltige, fast meditative Wirkung verleiht. Das Gemälde befand sich viele Jahre lang in einer Privatsammlung in den USA und wurde nicht mehr ausgestellt. Dass es nun nach langer Zeit wieder auf den Markt kommt, ist eine Sensation. Das Gemälde gilt als eines der Hauptwerke des wichtigen Schweizer Künstlers.

    Wir danken der Familie Gertsch für die wertvollen Hinweise zu diesem Werk.


     
     
     
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    Franz Gertsch  : Tabea , 1981
    Franz Gertsch  : Tabea , 1981



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