Mörigen 1930 - 2022 Riggisberg
1981
Acryl auf ungrundierter Baumwolle
257x391 cm
Im Werkverzeichnis des Archivs Franz Gertsch unter der Nummer WV00049 eingereiht
M. Knoedler Gallery, Zürich
Louis K. Meisel Gallery, New York, dort erworben von
Slg. Neil Weisman, New York
Privatsammlung, New York
Jean-Luc Daval, La Photographie. Histoire d’un Art, Paris 1982,
Dieter Ronte, Franz Gertsch, Bern 1986, mit Werkkatalog der Gemälde ab 1969,
Louis K. Meisel, Photorealism since 1980, New York 1993,
Angelika Affentranger-Kirchrath, Franz Gertsch, Die Magie des Realen, Bern 2004,
Reinhard Spieler unter Mitarbeit von Samuel Vitali, Franz Gertsch Retrospektive, Ostfildern-Ruit 2005,
Rainer Michael Mason, Franz Gertsch. Werkbuch 1934-2022, Rüschegg 2023,
Kathleen Bühler, Arcane Beauty, in: Pol Erik Tøjner, Kirsten Degel, Drik Luckow u.a., Franz Gertsch. Blow-Up, Ausstellungskatalog zur Ausstellung im Louisiana Humlebæk und in den Deichtorhallen Hamburg, Humlebæk 2024, S. 66ff.
New York 1981, Louis K. Meisel Gallery, Franz Gertsch - Major Works
Wien/Basel 1986, Museum Moderner Kunst/Kunsthalle Basel, Franz Gertsch
Die untere rechte und linke Ecke mit minimen Farbabreibungen. Farbfrisch und in tadellosem Gesamtzustand
Franz Gertsch zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Fotorealismus. Seine grossformatigen Porträts aus den 1970er- und 1980er-Jahren zeichnen sich durch eine radikale Hinwendung zur Wirklichkeit aus, die zugleich über das blosse Abbild hinausweist. Mit Akribie übertrug er fotografische Vorlagen in monumentale Acrylgemälde, wobei er die ursprünglichen Bilder in einem zeitintensiven Prozess durch Rasterungen, Farbschichtungen und detailgenaue Malerei in ein neues Medium transformierte.
Das Hauptwerk dieser Schaffensphase ist wohl das 1981 entstandene Gemälde "Tabea". Nach Irène Staub (vgl. Los 129) war Tabea Blumenschein (1952-2020) das zweite Modell für ein grosses Frauenporträt. Die Schauspielerin und Künstlerin wurde ab Mitte der 1970er-Jahre zu einer zentralen Figur der Berliner Underground- und queeren Filmkultur. Besonders prägend war ihre Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Ulrike Ottinger. Es war anscheinend der Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann, der Franz Gertsch auf Blumenschein aufmerksam machte, nachdem er Ottingers Film "Bildnis einer Trinkerin" (1979) mit der Schauspielerin gesehen hatte. Der Künstler Luciano Castelli führte Gertsch dann in Berlin zu jenem Restaurant, in dem Blumenschein den Abend verbrachte. Dort konnte Gertsch eine Fotografie der Schauspielerin vor einer Backsteinwand machen. Das Foto zeigt eine leicht irritierte, distanzierte, fast ein wenig genervte Blumenschein, die bewusst nicht in die Kamera schaut. Im Gegensatz zu den anderen Frauenporträts, die vor einem neutralen Hintergrund und in zurückhaltender Kleidung geschaffen wurden, ist der Hintergrund bei "Tabea" voll ausgestaltet und die Backsteinwand liegt in einem spannenden Licht-Schatten-Spiel. Die auffällige Schminke und der opulente Goldschmuck sind einmalig für alle anderen grossen Porträts von Gertsch. Gertsch schuf 1981 noch eine farbige Lithographie (Mason 1991, Nr. 2) und eine Gouache auf Papier ("Tabea III") mit demselben Modell.
Die Darstellung wirkt auf den ersten Blick verblüffend fotografisch exakt. Doch Gertschs Malweise enthüllt sich in subtilen Oberflächenspannungen, feinsten Farbmodulationen und einer eigentümlichen Verdichtung des Moments. Die Zeit scheint im Bild förmlich stillzustehen. Die fotorealistische Technik erzeugt eine frappierende Präsenz, doch das Werk bleibt offen und fordert den Blick heraus, ohne sich preiszugeben.
Gertsch gelingt es eindrücklich, die scheinbare Objektivität der Fotografie mit der Subjektivität malerischer Wahrnehmung zu verbinden. In "Tabea" verschmelzen Abbild und Kunstform, Realität und Imagination. Es ist diese einzigartige Spannung, die seinen Porträts eine nachhaltige, fast meditative Wirkung verleiht. Das Gemälde befand sich viele Jahre lang in einer Privatsammlung in den USA und wurde nicht mehr ausgestellt. Dass es nun nach langer Zeit wieder auf den Markt kommt, ist eine Sensation. Das Gemälde gilt als eines der Hauptwerke des wichtigen Schweizer Künstlers.
Wir danken der Familie Gertsch für die wertvollen Hinweise zu diesem Werk.
| Schweiz | CHF | Individuelle Offerte |
| Europa | CHF | Individuelle Offerte |
| USA | CHF | Individuelle Offerte |
| Übersee | CHF | Individuelle Offerte |
