1924
Feder in Tusche auf festem Velin
29,7x25,2 cm
Unten rechts vom Künstler in Tusche signiert "Picasso"
Echtheitsbestätigung von den Enkeln des Künstlers, P. Ruiz-Picasso und Maya Widmaier-Picasso und weiteren zweien, datiert vom 25. März 1985, liegt vor
Auktion Sotheby’s, New York, 23. Februar 1984, Los 39/A, dort angekauft von
Slg. Heinz Berggruen, von dort an
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Bern 1989, Kunstmuseum Bern, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Davos 1998/1999, Kirchner Museum, Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Bern 2001/2002, Kunstmuseum, Picasso und die Schweiz,
Frankfurt am Main 2006/2007, Schirn Kunsthalle, Picasso und das Theater,
Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Das Papier leicht gebräunt, unten rechts mit einem Fleck. Rückseitig mit Spuren einer alten Montierung
Pablo Picassos künstlerische Tätigkeit war zwischen 1916 und 1924 von einem stilistischen Nebeneinander geprägt. Noch experimentierte er mit dem Kubismus, befasste sich aber auch wieder mehr mit gegenständlichen Themen oder streckte seine Fühler in Richtung Surrealismus aus. Das Tanztheater beschäftigte ihn schon länger, erwähnt sei seine Zusammenarbeit mit Serge Diaghilevs "Ballets Russes", etwa 1917 für das Ballett "Parade" nach einem Thema von Jean Cocteau mit Musik von Erik Satie. Bei den "Ballets Russes" lernte er auch die Tänzerin und seine spätere Ehefrau Olga Chochlowa kennen. Als Modelle stehen sie und der gemeinsame Sohn Paulo idealtypisch für Picassos neue, körperbetonte Formensprache zu Beginn der 1920er Jahre.
1924 wurde er angefragt, das Bühnenbild und die Kostüme für Saties Ballett "Les Aventures de Mercure" zu schaffen. Die Uraufführung in der Choreographie von Léonide Massine am 15. Juni 1924 im Théâtre de la Cigale in Paris führte zu einem Protest mehrerer Surrealisten, verbunden mit dem Vorwurf, Picasso wirke bei einer "Wohltätigkeitsveranstaltung für die internationale Aristokratie" mit. Nachdem sie die Aufführung aber gesehen hatten und von Picassos Arbeit beeindruckt waren, veröffentlichten André Breton, Louis Aragon und andere Surrealisten eine als Hommage an Picasso deklarierte Entschuldigung. Picasso hatte sich für die Bühne und die Kostüme an geschwungene antike Vasenbilder angelehnt. Es war die letzte grosse Mitwirkung in einer Theaterproduktion des Künstlers.
Die hier angebotene Zeichnung könnte die Tänzerin Vera Petrova darstellen, trug sie doch in der Produktion häufig auffällig geflochtenes Haar. Andererseits erinnert die Umsetzung auch an Darstellungen seiner Ehefrau Olga aus derselben Zeit, die er auch immer wieder als Tänzerin darstellte. Die Zeichnung lebt vom freien Duktus der Linien; es scheint, als ob Picasso die Figur aus einem Liniengewirr herausarbeitete und wachsen liess.
| Schweiz | CHF | 130 |
| Europa | CHF | 200 |
| USA | CHF | 250 |
| Übersee | CHF | 255 |
