Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg
Sale time 10-09-2026,
about 18:45 h (CET)
(+/- 30 min)
1922/1923
Chalk on beige wove paper
71.7x53.4 cm
Lower right signed by the artist in pencil "Kollwitz"
Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, no. 966
H. Schickman, Delphic Art, New York
Auction Hauswedell & Nolte, Hamburg, 2 June 1978, lot 747, there acquired by
Galerie Pels-Leusden, Berlin, there acquired in 1983 by
Collection Gudrun and Martin Fritsch, Berlin
Catalogue Galerie Pels-Leusden, Berlin 1978, cat. no. 25
Uwe Schneede, Käthe Kollwitz, Das zeichnerische Werk, Munich 1981, cat. no. 133
Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, ed. by Martin Fritsch, edited by Annette Seeler, with contributions by Annette Seeler and Werner Timm, Leipzig 1999, cat. no. 117
Hommage an Käthe Kollwitz, ed. by Martin Fritsch, with contributions by Annette Seeler and Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, p. 104/105
Hamburg/Zurich 1980/81, Kunstverein/Kunsthaus, Käthe Kollwitz, Die Zeichnerin, cat. no. 92
Höchst 1985, Jahrhunderthalle, Käthe Kollwitz, Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderer Sammlungen, cat. no. 31
Wolfsburg 1992, Kunstverein, Käthe Kollwitz, Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Zeichnungen, Grafik, Bronzen, fig. 59
Berlin 1995, Käthe Kollwitz Museum, Käthe Kollwitz, Schmerz und Schuld, cat. no. 136
Cologne 1999, Käthe Kollwitz Museum, Käthe Kollwitz – Die trauernden Eltern. Ein Mahnmal für den Frieden, p. 16
Cologne 2002, Käthe Kollwitz Museum, Die Pietà im Werk von Käthe Kollwitz. Von der privaten Trauerarbeit zum nationalen Denkmal, fig. 25
Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, cat. no. 94
Vic-sur-Seille 2012, Musée départemental Georges de La Tour, Käthe Kollwitz, La vérité des sens, cat. no. 70
Until 2014 as a permanent loan at the Käthe Kollwitz Museum Berlin
Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, cat. no. 75
Several artist's pinholes. At the upper and lower paper edge old, supported tears. Traces of old mounting on the reverse. In very good condition
The drawing belongs to a group of powerful works by Käthe Kollwitz in which death and a human figure are joined together in a diagonally upward movement. These compositions were created in 1923 during a phase of intense personal remembrance and inner struggle. During these years, Kollwitz repeatedly grappled with the loss of her son Peter, who was killed in the First World War, and whose death would leave a lasting mark on her work.
Particularly striking is the floating movement of the figures, which gives the depictions an otherworldly quality. Death here does not appear as a violent or frightening force, but rather as a mysterious companion who carries the human figure with him or gently lifts it out of the earthly world. The diagonal composition reinforces the impression of being removed from reality and at the same time creates a quiet, almost visionary dynamism. It is precisely this combination of movement and emotional concentration that gives these works their extraordinary expressive power.
The creation of the drawings coincides with Peter's birthday in February 1923. In her diaries, Kollwitz noted at the time: ". Peter war wieder bei mir." This entry makes clear how closely the works are connected to the personal memory of her lost son. It is therefore likely that the figures carried or accompanied by death in these sketches refer to Peter.
Formally, the drawings show the increasing condensation that characterizes Kollwitz's late work. The figures partially dissolve from the space, appear ghostly, and the entire focus is on the relationship between death and human. This results in images of great emotional intensity, in which personal pain, memory, and the confrontation with transience find a universal visual language.
1922/1923
Kreide auf beigem Velin
71,7x53,4 cm
Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert "Kollwitz"
Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980,
H. Schickman, Delphic Art, New York
Auktion Hauswedell & Nolte, Hamburg, 2. Juni 1978, Los 747, dort erworben von
Galerie Pels-Leusden, Berlin, dort 1983 erworben von
Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin
Katalog Galerie Pels-Leusden, Berlin 1978,
Uwe Schneede, Käthe Kollwitz, Das zeichnerische Werk, München 1981,
Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999,
Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. von Martin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005,
Hamburg/Zürich 1980/81, Kunstverein/Kunsthaus, Käthe Kollwitz, Die Zeichnerin,
Höchst 1985, Jahrhunderthalle, Käthe Kollwitz, Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderer Sammlungen,
Wolfsburg 1992, Kunstverein, Käthe Kollwitz, Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Zeichnungen, Grafik, Bronzen,
Berlin 1995, Käthe Kollwitz Museum, Käthe Kollwitz, Schmerz und Schuld,
Köln 1999, Käthe Kollwitz Museum, Käthe Kollwitz – Die trauernden Eltern. Ein Mahnmal für den Frieden,
Köln 2002, Käthe Kollwitz Museum, Die Pietà im Werk von Käthe Kollwitz. Von der privaten Trauerarbeit zum nationalen Denkmal,
Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz,
Vic-sur-Seille 2012, Musée départemental Georges de La Tour, Käthe Kollwitz, La vérité des sens,
Bis 2014 als Dauerleihgabe im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin
Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen,
Vereinzelte Reissnagellöcher. Im Papierrand oben und unten alte, hinterlegte Einrisse. Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung
Die Zeichnung gehört zu einer Gruppe eindringlicher Arbeiten von Käthe Kollwitz, in denen sich der Tod und eine menschliche Figur in einer schräg aufwärts gerichteten Bewegung miteinander verbinden. Diese Kompositionen entstanden im Jahr 1923 in einer Phase intensiver persönlicher Erinnerung und innerer Auseinandersetzung. Immer wieder kreiste Kollwitz in diesen Jahren um die Erfahrung des Verlustes ihres Sohnes Peter, der im Ersten Weltkrieg getötet wurde, und dessen Tod ihr Werk dauerhaft prägen sollte.
Besonders auffällig ist die schwebende Bewegung der Figuren, die den Darstellungen etwas Zwischenweltliches verleiht. Der Tod erscheint dabei nicht als gewaltsame oder erschreckende Macht, sondern eher als geheimnisvoller Begleiter, der die menschliche Gestalt mit sich trägt oder sanft aus der irdischen Welt herauslöst. Die diagonale Komposition verstärkt den Eindruck des Entrücktseins und erzeugt zugleich eine stille, beinahe visionäre Dynamik. Gerade diese Verbindung von Bewegung und emotionaler Konzentration verleiht den Arbeiten eine aussergewöhnliche Ausdruckskraft.
Die Entstehung der Zeichnungen fällt in die Zeit um Peters Geburtstag im Februar 1923. In ihren Tagebüchern notierte Kollwitz damals: "Peters Geburtstag liegt in dieser Zeit. Ich arbeite an dem Tage an Entwürfen für das Einleitungsblatt zum Propyläenwerk "Tod und Abschied". Peter war wieder bei mir." Der Eintrag macht deutlich, wie eng die Arbeiten mit der persönlichen Erinnerung an den verlorenen Sohn verbunden sind. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die vom Tod getragenen oder begleiteten Figuren in diesen Entwürfen auf Peter verweisen.
Formal zeigen die Zeichnungen jene zunehmende Verdichtung, die das Spätwerk von Kollwitz prägt. Die Figuren lösen sich teilweise aus dem Raum, wirken schemenhaft und die gesamte Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Tod und Mensch. Dadurch entstehen Bilder von grosser emotionaler Intensität, in denen persönlicher Schmerz, Erinnerung und die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit eine universelle Bildsprache finden.
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