1916
Charcoal drawing on grey primed cardboard with 5 photographs of the artist pasted on, the cardboard is tripartite and folded
28.5x98.7 cm
Outside on the cover titled by the artist in pencil "Fresken Sanatorium Kohnstamm". On page 1 inscribed in pencil "Fresken für Sanatorium Kohnstamm / Farben Blau, Schwarz oder Grün. / Photos leider etwas ungleich im Ton. / Originale ruhig flächig. E. L. Kirchner", on two of the photographs handwritten in ink "geändert"
The Eberhard W. Kornfeld Collection, Bern, with the collector's stamp on the reverse, Lugt 913b
Hans-Peter Keller, Ernst Ludwig Kirchner, Gestaltete Wände und Räume, Munich 2020, p. 101-102, P. 113 Ff
Brigitte Schad (ed.), Kirchners Badende, Einheit von Mensch und Natur, Cologne 2021, p. 36 Ff
Basel 1979/1980, Kunstmuseum, Ernst Ludwig Kirchner, Nachzeichnung seines Lebens, Katalog der Sammlung von Werken von Ernst Ludwig Kirchner im Kirchner-Haus Davos, cat. no. 239
Frankfurt am Main 1999/2000, Galerie Jahrhunderthalle Höchst, Kirchner in Königstein, cat. no. 83
With signs of wear. Overall in very good condition
In 1916, Ernst Ludwig Kirchner created a significant work of German Expressionist mural painting with the decoration of the stairwell in the so-called Brunnenturm at the Sanatorium Dr. Kohnstamm in Königstein im Taunus. At that time, the artist was in a difficult financial and health situation and was treated by the neurologist and psychiatrist Dr. Oscar Kohnstamm between December 1915 and July 1916. During this stay, several outstanding works were created, including the expressive portrait of the founder and medical director of the internationally renowned sanatorium at the time, as well as an extensive cycle of murals for the stairwell, which served as a connection between the main building and the lower-lying promenade hall. The central motif of the cycle depicted bathers in the waves of the Baltic Sea. In these, Kirchner portrayed himself as well as artist friends and female models. His artistic intention was to show people in harmonious unity with nature. At the same time, the depictions reflected memories of the formative and happy time the artist spent on the Baltic Sea island of Fehmarn. In 1938, the sanatorium was forcibly closed by the National Socialists as a "jüdisches Sanatorium" The five murals executed in secco painting were denounced as degenerate art and irretrievably destroyed. The present architectural elevation of the interior architecture of the stairwell in the Brunnenturm therefore possesses exceptional documentary value. As a rare testimony, it preserves the memory of one of the most impressive and significant works of Expressionist mural painting in Germany.
1916
Kohlezeichnung auf grau grundiertem Karton mit 5 eingeklebten Fotografien des Künstlers, der Karton ist dreigeteilt und gefaltet
28,5x98,7 cm
Aussen auf dem Umschlag vom Künstler in Bleistift betitelt "Fresken Sanatorium Kohnstamm". Auf Seite 1 in Bleistift bezeichnet "Fresken für Sanatorium Kohnstamm / Farben Blau, Schwarz oder Grün. / Photos leider etwas ungleich im Ton. / Originale ruhig flächig. E. L. Kirchner", bei zwei der Fotografien in Tinte handschriftlich bezeichnet "geändert"
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Hans-Peter Keller, Ernst Ludwig Kirchner, Gestaltete Wände und Räume, München 2020, S. 101-102,
Brigitte Schad (Hrsg.), Kirchners Badende, Einheit von Mensch und Natur, Köln 2021,
Basel 1979/1980, Kunstmuseum, Ernst Ludwig Kirchner, Nachzeichnung seines Lebens, Katalog der Sammlung von Werken von Ernst Ludwig Kirchner im Kirchner-Haus Davos,
Frankfurt am Main 1999/2000, Galerie Jahrhunderthalle Höchst, Kirchner in Königstein,
Mit Gebrauchsspuren. Insgesamt in sehr guter Erhaltung
Ernst Ludwig Kirchner schuf im Jahr 1916 mit der Ausmalung im Treppenhaus des sogenannten Brunnenturms im Sanatorium Dr. Kohnstamm in Königstein im Taunus ein bedeutendes Werk der deutschen expressionistischen Wandmalerei. Der Künstler, der sich damals in einer schwierigen finanziellen und gesundheitlichen Situation befand, wurde zwischen Dezember 1915 und Juli 1916 vom Neurologen und Psychiater Dr. Oscar Kohnstamm behandelt. Während dieses Aufenthalts entstanden mehrere herausragende Werke, darunter das ausdrucksstarke Porträt des Gründers und ärztlichen Leiters der seinerzeit international renommierten Heilanstalt sowie ein umfangreicher Wandgemäldezyklus für das Treppenhaus, das als Verbindung zwischen dem Hauptgebäude und der tiefergelegenen Wandelhalle dient. Das zentrale Bildmotiv des Zyklus bildeten Badende in den Wellen der Ostsee. Kirchner stellte dabei sowohl sich selbst als auch Künstlerfreunde und weibliche Modelle dar. Sein künstlerisches Anliegen bestand darin, den Menschen in einer harmonischen Einheit mit der Natur zu zeigen. Zugleich spiegelten die Darstellungen die Erinnerung an die für den Künstler prägende und glückliche Zeit auf der Ostseeinsel Fehmarn wider. Das Sanatorium wurde 1938 unter Druck der Nationalsozialisten als "jüdisches Sanatorium" zwangsweise geschlossen. Die fünf in Seccomalerei ausgeführten Wandgemälde wurden als entartete Kunst diffamiert und unwiederbringlich zerstört. Der vorliegende architektonische Aufriss der Innenarchitektur des Treppenhauses im Brunnenturm besitzt daher einen aussergewöhnlichen dokumentarischen Wert. Als seltenes Zeugnis bewahrt er die Erinnerung an eines der eindrucksvollsten und bedeutendsten Werke expressionistischer Wandmalerei in Deutschland.
| Switzerland | CHF | 130 |
| Europe | CHF | 200 |
| USA | CHF | 250 |
| Overseas | CHF | 255 |
