1927. Werknummer 1927.236 (X 6)
Aquarell auf Kreidegrundierung auf Velin, auf einen Büttenbogen aufgezogen, auf Karton montiert
26,3x32,9 cm, Darstellung; 41,6x56,5 cm, Unterlagekarton
Oben rechts vom Künstler in Tinte signiert "Klee", unten links auf dem Unterlagekarton in Tusche bezeichnet mit der Werknummer "1927 X.6", unten rechts betitelt "Landschaft mit Agaven", unten links auf dem Unterlagekarton in Bleistift nummeriert "V"
Stiftung Paul Klee, Catalogue raisonné, Bd. 5, Werke 1927-1930, Bern 2001,
Slg. Rudolf Ibach, Barmen (bis 1940)
Slg. Lilli Ibach-Wolters, Barmen/Essen (ab 1940)
Slg. Otto und Etta Stangl-Ibach, München (ab 1971/1972)
Dauerleihgabe Von der Heydt-Museum, Wuppertal (1992-2010)
Dauerleihgabe Franz Marc Museum, Kochel am See (2010-2013)
Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 20. Juni 2014, Los 79, dort erworben von
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig auf der Unterlage mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
John Anthony Thwaites, The Bauhaus Painters and the New Style-Epoch, in: The Art Quarterly, 14. Jg., Heft 1, Detroit 1951,
Katharina Bütikofer, Stefan Frey, Katharina Nyffenegger, Zum Beispiel: Paul Klee, Wir entdecken Kunst, Solothurn 1992,
Antje Birthälmer, Paul Klee, Ausstellung im Rudolf Ibach-Raum, in: Von der Heydt-Museum, Kunst und Museumsverein Wuppertal 91/92, Wuppertal 1994,
Kunst- und Museumsverein Wuppertal (Hrsg.), 31 x Klee, 31 Bilder von Paul Klee, Wuppertal 1994,
Werner J. Schweiger, Rudolf Ibach, Mäzen, Förderer und Sammler der Moderne, 1837-1940, Wien/Wuppertal 1994,
Margot Scharpenberg, Paul Klee: Landschaft mit Agaven, in: 31 Bilder von Paul Klee, Wuppertal 1994,
Cathrin Klingsöhr-Leroy (Hrsg.), Franz Marc Museum, Werke, Köln 2008,
Düsseldorf 1930, Galerie Alfred Flechtheim, Paul Klee,
Saarbrücken 1930, Staatliches Museum, Paul Klee,
Düsseldorf 1931, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Verbindung mit der Galerie Alfred Flechtheim, Paul Klee,
Krefeld 1946-1947, Kaiser Wilhelm Museum, Expressionismus,
Köln 1947, Kölnischer Kunstverein, Von Nolde bis Klee,
Braunschweig 1947, Galerie Otto Ralfs, Paul Klee,
München 1948, Galerie Otto Stangl, Paul Klee,
München/Düsseldorf 1950, Haus der Kunst/Kunstmuseum, Die Maler am Bauhaus,
Wuppertal 1956, Kunst- und Museumsverein Wuppertal, Paul Klee 1879-1940,
Wuppertal 2008, Von der Heydt-Museum, Der expressionistische Impuls, Meisterwerke aus Wuppertals grossen Privatsammlungen,
Kochel am See 2008/2009, Franz Marc Museum, Eröffnungsausstellung des Franz Marc Museums,
Kochel am See 2011, Franz Marc Museum, Die Konstruktion des Geheimnisses, ohne Kat.
Im oberen Rand mittig ausserhalb der Darstellung mit Leimresten. Bütten und Unterlage gebräunt, mit Lichtrand und Atelierspuren. Der Unterlagekarton rückseitig mit Spuren einer alten Montierung. Frisch in den Farben und in sehr schöner Erhaltung
"Landschaft mit Agaven" ist ein charakteristisches Werk von Paul Klee aus seiner späten Bauhaus-Zeit. In diesem Bild verbindet er Naturbeobachtung, formale Abstraktion und farbliche Sensibilität auf besondere Weise miteinander. In den Sommermonaten 1927 reiste Klee auf die Insel Porquerolles im Süden Frankreichs und nach Korsika. Er zeichnete nur wenig und genoss vor allem das warme Klima und das gute Essen. Zurück im Atelier machte er die südländischen Erlebnisse aber sofort zum Thema. Das hier angebotene Blatt zeigt eine stilisierte Landschaft - es könnte sich um Porquerolles oder Korsika handeln, in der Agaven in einem subtilen Blauton gemalt wie Ankerpunkte fungieren. Sie gliedern die sonst in Gelb- und Rottönen gehaltene Komposition treppenartig in ein rhythmisches Gefüge aus Linie, Farbe und Fläche.
Die Landschaft ist nicht naturalistisch, sondern geometrisch stilisiert dargestellt. Es ist ein imaginärer Ort, geprägt von mediterranen Farben und einer sanften Lichtstimmung. Die Farbauswahl ist typisch für Klees mittlere Werkphase und erzeugt eine subtile Spannung zwischen Wärme und Distanz sowie zwischen sinnlicher Erfahrung und intellektueller Konstruktion. Die Komposition weist eine klare Gliederung auf, hat aber faktisch keine zentrale Perspektive und wirkt eher wie eine textile Fläche, gerade so als hätte Klee die Landschaft gewebt. Dieses Prinzip des "picturalen Teppichs" war für ihn ein wichtiges Mittel, um Malerei mit Struktur und Ordnung zu durchdringen. "Landschaft mit Agaven" lädt dazu ein, die Natur nicht nur zu sehen, sondern aktiv als rhythmisches Gefüge zu "lesen". Es zeigt Klee als Dichter der Linie und Architekt der Farbe sowie als Künstler, der die Natur nicht imitiert, sondern stets neu erfindet.
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