1914. Werknummer 1914.102
Aquarell über Bleistift auf französischem Ingres-Papier, auf Karton aufgezogen
14,4x23,6 cm, Darstellung inkl. Schrift; 17,7x26,9 cm, Unterlagekarton
Links in der Mitte der Darstellung vom Künstler in Tusche signiert "Klee". Auf der Unterlage unten links in Tusche mit der Werknummer "1914 102"
Paul Klee Stiftung, Catalogue raisonné, Bd. 2, Werke 1913-1918, Bern 2000,
Slg. Werner Vowinckel, Köln/München (bis 1943)
Slg. Edith Vowinckel-Diel, Köln/München (1943-1956)
Klipstein & Co., Bern (ab 1956)
James Wise, Genf/New York/Nizza
Berggruen & Cie., Paris (1973-1980)
Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 19. Juni 1980, Los 679, dort erworben von
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig auf der Unterlage mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Brigitte Uhde-Stahl, 1914/1915: Die Tunisreise und ihre Folgen, unveröffentlichtes Manuskript, Tübingen 1995/1996,
Regula Suter-Raeber, Paul Klee, Der Durchbruch zur Farbe und zum abstrakten Bild, in: Ausstellungskatalog München 1979/1980,
Otto Karl Werckmeister, Versuche über Paul Klee, Frankfurt am Main 1981,
Otto Karl Werckmeister, The Making of Paul Klee's Career 1914-1920, Chicago/London 1989,
Jenny Anger, Modernism and the Gendering of Paul Klee, Dissertation, Brown University, Providence 1997,
Andreas Vowinckel, Paul Klee, Rheinische Sammlungen, Sammlung Vowinckel, in: Paul Klee im Rheinland, Bonn/Köln 2003,
Jenny Anger, Paul Klee and the Decorative in Modern Art, Cambridge 2004,
Christoph Wagner, Kosmos Farbe, Johannes Itten und Paul Klee, Etappen einer künstlerischen Recherche, in: Itten - Klee, Kosmos Farbe, Bern/Berlin 2013,
Stefan Frey, Paul Klee in grossen Privatsammlungen Deutschlands 1915-2015, Ein Überblick, in: Phantasiewelten Paul Klee, Murnau 2015,
Osamu Okuda, Le cubisme et l'acte créateur du découpage chez Paul Klee, in: Paul Klee, L'ironie à l'œuvre, Paris 2016,
Hajo Düchting, Paul Klee, Köln 2016,
Berlin 1916, Galerie Der Sturm, Neununddreissigste Ausstellung,
Basel 1917, Galerie Corray, Sturm-Ausstellung,
Zürich 1917, Galerie Dada, Sturm-Ausstellung I und/oder Sturm-Ausstellung II, ohne Kat.
Dresden 1919, Galerie Ernst Arnold, II. Expressionistische Ausstellung, Der Sturm,
Berlin 1920, Galerie Der Sturm, Neunundachtzigste Ausstellung,
Düsseldorf 1931, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Ausstellung veranstaltet in Verbindung mit der Galerie Alfred Flechtheim,
Bern 1956, Klipstein & Co., Künstlergruppe Brücke, Der Blaue Reiter, Bauhaus,
Tokyo/Osaka 1978/1979, Fuji Television Gallery/Gallery Kasahara, Paul Klee,
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Andros 1993, Museum of Modern Art, Basil & Elise Goulandris Foundation, Paul Klee,
Düsseldorf/Stuttgart 1995, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen/Staatsgalerie, Paul Klee, Im Zeichen der Teilung,
Davos 1998/1999, Kirchner Museum, Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Bremen 2000, Kunsthalle, Der Blaue Reiter,
Turin 2000/2001, Galleria Civica d'Arte Moderna e Contemporanea, Paul Klee,
Madrid 2003, Fundación Juan March, Espíritu de modernidad: de Goya a Giacometti, Obra sobre papel de la colección Kornfeld,
Ludwigshafen 2003/2004, Wilhelm-Hack-Museum, Der Blaue Reiter, Die Befreiung der Farbe,
Rom 2004, Complesso del Vittoriano, Paul Klee, Uomo, pittore, disegnatore,
Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Kochel/Halle/Bern 2010/2011, Franz Marc Museum/Stiftung Moritzburg/ Zentrum Paul Klee, Franz Marc, Paul Klee, Dialog in Bildern,
Bern 2012/2013, Kunstmuseum, Itten, Klee, Kosmos Farbe,
Bern 2015/2016, Zentrum Paul Klee, Klee in Bern 3, ohne Kat.
Paris 2016, Centre Georges Pompidou, Paul Klee, L'ironie à l'œuvre,
Bern 2017, Zentrum Paul Klee, Sollte alles denn gewusst sein? Paul Klee, Dichter und Denker 2, ohne Kat.
Riehen 2017/2018, Fondation Beyeler, Paul Klee, Die abstrakte Dimension,
Frisch in den Farben, mit kleiner Fehlstelle oben links im Rosa. Einzelne kleine Stockflecken unten links im Blau und Grau. Die Unterlage gebräunt und mit Lichtrand. Rückseitig mit Spuren einer alten Montierung. In schöner Gesamterhaltung
Das Jahr 1914 zählt zu den fruchtbarsten in Klees Schaffen. Höhepunkt war sicherlich die Reise nach Nordafrika mit den Künstlerfreunden August Macke und Louis Moilliet, die als "Tunisreise" in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Moilliet kannte Tunesien bereits von zwei früheren Reisen und lebte in Gunten am Thunersee. Mit Klee war er seit Gymnasialzeiten befreundet. Macke lebte mit seiner Familie ab Herbst 1913 in Hilterfingen, nicht weit von Gunten entfernt. Klee war oft bei seiner Familie in Bern zu Gast, und so kamen die drei Künstlerfreunde regelmässig im Raum Bern zusammen. Im Januar 1914 trafen sie sich bei Macke und Klee schlug vor, eine gemeinsame Reise nach Tunesien zu unternehmen. Nach einigen organisatorischen Ungereimtheiten sollte das Unterfangen im Frühjahr umgesetzt werden. Klee führte auf der Reise minutiös Tagebuch, sodass alle Stationen bekannt sind. Nur wenige Arbeiten entstanden direkt auf der Reise. Die Eindrücke wirkten jedoch in der Folge - bei Klee sicher bis 1923 - entscheidend nach.
"Mit den braunen Spitzen" gehört zu diesen atmosphärisch dichten Werken aus dieser Zeit. Es steht für den damals einsetzenden gestalterischen Wandel vom Linearen hin zum Malerischen, von der Beobachtung zur inneren Bildwelt. Das Aquarell zeigt eine abstrahierte Landschaft mit klar gegliederten Flächen in leuchtenden, transparenten Farben, die von spitzenförmigen Gebilden in Dunkelbraun überragt werden. Diese "braunen Spitzen" können als stilisierte Baumkronen, architektonische Formen oder Bergsilhouetten gelesen werden. Farblich dominiert eine warme, mediterrane Palette mit den Farben Ocker, Siena, Orange und zartem Grün, die mit kühlen Akzenten in Blau und Grau kombiniert werden. Diese Farbenwelt zeugt klar vom tiefen Eindruck, den die Reise nach Nordafrika hinterlassen hat: Das Licht, die Klarheit und die Reduktion der Formen sind spürbar. Klee schrieb dazu 1914 in sein Tagebuch: "Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiss das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: Ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler."
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