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  • Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Fritsch

    Käthe Kollwitz  : Hunger , 1925
    Käthe Kollwitz : 927 Hunger

    Käthe Kollwitz

    Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg

    927   

    Hunger
    9-teilige Zustandsfolge von Blatt 2 der Folge "Proletariat"

    Schätzpreis CHF 380'000 *

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    Ausrufzeit 10.09.2026,
    circa 18.55 Uhr (CET)
    (+/- 30 Min.)

    Versandkosten

    1925

    Provenienz

    Nachlass Käthe Kollwitz, dort 1991 erworben von

    Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin

    Literatur

    Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 126-133

    Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. von Martin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 116-123

    Ausstellungen

    Wolfsburg 1992, Kunstverein, Käthe Kollwitz - Zeichnungen, Grafik, Bronzen, Abb. S 72-77

    Berlin 2014, Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Mahnung und Verlockung, S. 113

    Bis 2014 als Dauerleihgabe im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin

    Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 84/85

    Erläuterungen

    Das soziale Denken und die politische Haltung von Käthe Kollwitz sind eng mit ihrer Herkunft und ihrem familiären Umfeld verbunden. Einen nachhaltigen Einfluss übte insbesondere ihr Grossvater Julius Rupp aus, der in Königsberg die erste freie evangelische Gemeinde Deutschlands gründete. Innerhalb dieser freireligiösen Bewegung verband sich religiöse Überzeugung mit einem starken ethischen und sozialen Verantwortungsgefühl. Die Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft, in der Armut und menschliches Elend überwunden werden könnten, prägte das Denken dieser Gemeinschaft ebenso wie ihr Engagement in der Armenpflege, der Krankenfürsorge und in sozialen Hilfsvereinen.

    Auch Käthe Kollwitz’ Vater Carl Schmidt sowie ihr älterer Bruder Konrad fühlten sich sozialdemokratischen Ideen verbunden und traten der 1863 gegründeten SPD bei. Später engagierte sich auch ihr Ehemann Karl Kollwitz politisch als Berliner Stadtverordneter der Sozialdemokraten. Obwohl Käthe Kollwitz selbst nie Mitglied einer Partei wurde, blieb sie den humanistischen und sozialen Idealen der Arbeiterbewegung zeitlebens eng verbunden. Noch kurz vor ihrem Tod sprach sie von ihrer Hoffnung auf einen Sozialismus im Sinne einer menschlichen Solidarität und einer "Bruderschaft der Menschen". Sie notierte 1941 in ihr Tagebuch: "[…] als ich, besonders durch meinen Mann, die Schwere und Tragik der proletarischen Lebenstiefe kennenlernte […], erfasste mich mit ganzer Stärke das Schicksal des Proletariats […]. Ungelöste Probleme wie Prostitution, Arbeitslosigkeit, quälten und beunruhigten mich und wirkten mit als Ursache dieser meiner Gebundenheit an die Darstellung des niederen Volkes und ihre immer wiederholte Darstellung öffnete mir ein Ventil oder eine Möglichkeit, das Leben zu ertragen."

    Diese gesellschaftliche Haltung findet ihren unmittelbaren Ausdruck in vielen ihrer Werke. Besonders eindringlich zeigt sich dies in der Holzschnittfolge "Proletariat", die zwischen 1924 und 1925 entstand. Die aus drei Blättern bestehende Serie, zu der die Holzschnitte "Erwerbslos", Blatt 1 (Knesebeck 215), "Hunger", Blatt 2 (Knesebeck 222), und "Kindersterben", Blatt 3 (Knesebeck 216), gehören, zählt heute zu den unbekannteren Werkgruppen der Künstlerin. Herausgegeben wurde sie im Verlag Emil Richter in Dresden in 25 Exemplaren auf Japanpapier sowie weiteren 75 Drucken auf dickem, weichem, rauem Japan. Die Künstlerin hat die drei Blätter als Triptychon konzipiert.

    Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Kollwitz verstärkt dem Holzschnitt zu. Die sozialen Verwerfungen der Nachkriegszeit - Hunger, Arbeitslosigkeit, Not und hohe Kindersterblichkeit - erschütterten die Künstlerin zutiefst. In der Folge "Proletariat" verdichtet sie diese Erfahrungen zu Bildern von aussergewöhnlicher emotionaler Wucht. Mit radikaler Reduktion und grosser formaler Klarheit entstanden eindringliche Darstellungen menschlicher Not und gesellschaftlicher Ungerechtigkeit, die bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren haben.

    Das zweite Blatt der Folge, "Hunger", gehört zu den eindringlichsten sozialen Anklagen im grafischen Werk von Kollwitz. Entstanden in den wirtschaftlich und gesellschaftlich schwierigen Jahren der Weimarer Republik, thematisiert es die existenzielle Not breiter Bevölkerungsschichten nach dem Ersten Weltkrieg. Arbeitslosigkeit, Inflation und Versorgungskrisen prägten das Leben vieler Menschen und wurden für Kollwitz zu einem zentralen Gegenstand ihrer Kunst.

    Gerade die Technik des Holzschnitts entsprach ihrem Anliegen einer unmittelbaren und verdichteten Ausdrucksform. Mit den scharf gegeneinandergesetzten Schwarz-Weiss-Flächen erreichte Kollwitz eine monumentale Bildwirkung von aussergewöhnlicher Intensität. Die Reduktion auf wenige Formen verstärkt die emotionale Aussage des Blattes erheblich.

    Wie in vielen ihrer Werke verbindet Kollwitz persönliches Mitgefühl mit gesellschaftlicher Anklage. Ihre Darstellungen sind niemals distanzierte Beobachtungen sozialer Missstände, sondern Ausdruck tiefer Anteilnahme. Gerade darin liegt die besondere Wirkung ihrer Kunst: Sie zeigt Leid nicht als abstraktes Thema, sondern als unmittelbar menschliche Erfahrung.

    In der oberen Bildecke links ist die peitschende Gestalt des Hungers zu sehen. Darunter zeigt die Künstlerin zusammengedrängte, sich duckende Menschen - Mütter, die ihre hungernden Kinder trösten. Nach einer verworfenen, stark mit Tusche und Deckweiss überarbeiteten Fassung (vgl. Los 926) wendet sich Kollwitz einer reduzierteren Variante zu. Sie entwickelt diese in insgesamt vierzehn Zuständen bis zum Auflagedruck bei Richter. Wie immer setzt sie auch Tusche und Deckweiss ein, um auf den gedruckten Blättern weitere Eingriffe in den Druckstock auszuloten.

    Das hier angebotene Konvolut umfasst neun der vierzehn Zustände. Die Zustände I-VIII sind jeweils starke Überarbeitungen, die Zustände IX-XIV weisen kleinere Eingriffe auf. Spannend ist auch, dass Kollwitz, um die Wirkung besser prüfen zu können, den Holzstock zum Teil über den Papierrand hinaus druckt.

    Von den Zuständen I-IV und von Zustand VIII sind nur die hier angebotenen Blätter bekannt, von den Zuständen V-VII sind je zwei Blätter bekannt, wobei sich die anderen mehrheitlich in Museumssammlungen befinden. Angeboten wird zu diesen acht raren Zustandsdrucken mit zum Teil grossen Überarbeitungen auch ein Abzug des letzten Zustandes, wie er für die Edition bei Emil Richter verwendet wurde. Der vorliegende Hungerzyklus nimmt im Œuvre von Kollwitz einen äusserst wichtigen Platz ein, haben sich doch selten so komplette Zustandsfolgen erhalten.

    Konvolut

    Zus. 9 Blatt


     
     
     
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    Käthe Kollwitz  : Hunger , 1925


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