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    Käthe Kollwitz : Das Opfer, 1922
    Käthe Kollwitz : Das Opfer, 1922
    Käthe Kollwitz : 919 Das Opfer
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    Käthe Kollwitz : 919 Das Opfer
    Käthe Kollwitz : 919 Das Opfer

    Käthe Kollwitz

    Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg

    919   

    Das Opfer

    Schätzpreis CHF 250'000 *

    Ausrufzeit 10.09.2026,
    circa 18:45 Uhr (CET)
    (+/- 30 Min.)

    Versandkosten

    1922

    Tusche und Deckweiss, Kreide auf gräulichem Bütten

    48,9x46,7 cm

    Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert "Käthe Kollwitz"

    Werkverzeichnis

    Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 956

    Provenienz

    Slg. Martin Baer, Connecticut, 1969 in Kommission an

    Galerie St. Etienne, New York, dort 1969 verkauft an

    Minneapolis Institut of Art

    Privatsammlung New York, verkauft an

    Auktion Karl & Faber, München, 29. Mai 1980, Los 1536

    Galerie Westenhoff, Lübeck, dort 1983 erworben von

    Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin

    Literatur

    Raymond G. Dobard, Subject-Matter in the Work of Käthe Kollwitz, An Investigation of Death Motifs in Relation to Traditional Iconographic Patterns, Dissertation, The Johns Hopkins University, Baltimore 1975, Abb. 43

    Tom Fecht, Käthe Kollwitz, Das farbige Werk, Berlin 1987, Abb. 125

    Ulrich Pfeiffer, Opfer und Tod im Werk von Käthe Kollwitz, Zur Bedeutung der Radierung "Aus vielen Wunden blutest Du, o Volk", Dissertation Carl-von-Ossietzky-Universität, Oldenburg 1996, Abb. 165

    Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 101

    Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. von Martin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 86/87

    Ausstellungen

    New York 1967, Galerie St. Etienne, Kaethe Kollwitz - In the Cause of Humanity, Exhibition Arranged to Commemorate the Hundredth Birthday of the Artist, Kat. Nr. 39

    Höchst 1985, Jahrhunderthalle, Käthe Kollwitz, Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderer Sammlungen, Kat. Nr. 30

    Wolfsburg 1992, Kunstverein, Käthe Kollwitz, Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Zeichnungen, Grafik, Bronzen, Abb. 62

    Berlin 1995, Käthe Kollwitz Museum, Käthe Kollwitz, Schmerz und Schuld, Kat. Nr. 102

    Wiesloch 1995, Kunstkreis Südliche Bergstrasse-Kraichgau e. V., Kulturhaus, Käthe Kollwitz, Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, S. 141

    Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 96

    Berlin/Passau 2011, Käthe-Kollwitz-Museum/Museum Moderner Kunst Wörlen, Käthe Kollwitz, Bildhauerin aus Leidenschaft, S. 75

    Vic-sur-Seille 2012, Musée départemental Georges de La Tour, Käthe Kollwitz, La vérité des sens, Kat. Nr. 59

    Berlin 2014, Käthe-Kollwitz-Museum, Mahnung und Verlockung, S. 78

    Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 66

    Zürich/Bielefeld 2023/2024, Kunsthaus/Kunsthalle, Käthe Kollwitz, Stellung beziehen, Kat. Nr. 96

    Zustand

    Vereinzelte Reissnagellöcher. Minimer Lichtrand. Das Blatt alt restauriert. Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung

    Erläuterungen

    Der Erste Weltkrieg bedeutete für Käthe Kollwitz einen tiefen persönlichen Einschnitt. Besonders der Tod ihres jüngeren Sohnes Peter, der sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte und bereits wenige Wochen später auf den Schlachtfeldern in Flandern getötet wurde, erschütterte die Künstlerin nachhaltig. In ihr Tagebuch notierte sie am 5. Oktober 1914: "Abschiedsbrief an Peter. Als ob das Kind einem noch einmal vom Nabel abgeschnitten wird. Das erste Mal zum Leben, jetzt zum Tode." In den folgenden Jahren setzte sie sich intensiv mit den Erfahrungen von Verlust, Trauer und den verheerenden Folgen des Krieges auseinander. Aus diesem langen inneren und künstlerischen Prozess entstand schliesslich die siebenteilige Holzschnittfolge "Krieg", die zu den bedeutendsten Antikriegswerken des 20. Jahrhunderts zählt.

    Die Arbeit an dem Zyklus erstreckte sich über viele Jahre. Kollwitz rang lange um eine angemessene bildnerische Form für das Erlebte und entwickelte ihre Motive in zahlreichen Vorstudien und Überarbeitungen. Über die Entstehung der Folge schrieb sie später: "Ich bin mit der Holzschnittfolge zum Krieg fast fertig. […] Kein Mensch wird mutmassen, dass diese 7 Holzstöcke mittlerer Grösse eine langjährige Arbeit in sich schliessen und doch ist es so. Es steckt darin die Auseinandersetzung mit dem Stück Leben, das die Jahre 1914–1918 umfassen, und diese vier Jahre waren schwer zu fassen."

    1923 erschien die Folge schliesslich als Mappenwerk im Verlag Emil Richter in Dresden in mehreren Auflagen (vgl. Los 825, Auktion "Illustrierte Bücher und Portfolios aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld"). Mit ihrer radikal reduzierten Formensprache und der eindringlichen Konzentration auf menschliches Leid schuf Kollwitz einen Zyklus von aussergewöhnlicher emotionaler und historischer Bedeutung.

    Das erste Blatt der Folge trägt den Titel "Das Opfer" (Knesebeck 179). Die hier angebotene Vorarbeit nimmt die Komposition vorweg - einzig spiegelverkehrt. Schon 1915 beschäftigte sie das Thema der Mutter, die faktisch ihr Kind dem Tod darbietet. "Ich arbeite an der Darbietung. Ich musste - es war direkt ein Zwang - alles ändern. Die Figur bog sich von selbst unter meinen Händen - wie nach eigenem Willen - nach vorn über. Nun ist sie nicht mehr die Aufrechte. Ganz tief bückt sie sich und reicht ihr Kind dar. In niedrigster Demut", schrieb Kollwitz am 27. April in ihr Tagebuch. Im ersten Blatt der Holzschnittfolge "Krieg" thematisiert sie das Motiv des Opfers mit eindringlicher Radikalität. Die Schutzlosigkeit ihres entblössten Körpers verstärkt die Wirkung der Szene. Mit geschlossenen Augen hält sie das Kind empor, als vollziehe sie die Handlung in einem Zustand innerer Hingabe oder blind akzeptierter Notwendigkeit. Gerade dieses fehlende Sehen verweist auf die anfängliche Bereitschaft vieler Menschen zu Beginn des Ersten Weltkriegs, persönliche Opfer im Glauben an eine höhere nationale Aufgabe hinzunehmen. Eine wunderbar ausgearbeitete Zeichnung, die die Essenz der Kriegserfahrung eindrücklich wiedergibt.


     
     
     
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