Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg
Ausrufzeit 10.09.2026,
circa 18:40 Uhr (CET)
(+/- 30 Min.)
1907
Schwarze und weisse Kreide auf grau-braunem Velin
20,3x29 cm, Darstellung; 47x65,5 cm, ausgefaltetes Blatt
Unten links von der Künstlerin in Bleistift signiert "Käthe Kollwitz", darüber bezeichnet "Peter zu totem Jungen Bauernkrieg"
Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980,
Nachlass Käthe Kollwitz, dort erworben von
Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin
Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999,
Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. von Martin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005,
Berlin 1967, Akademie der Künste in Verbindung mit den Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett und Nationalgalerie, Käthe Kollwitz und ihre Zeitgenossen, Ausstellung zum 100. Geburtstag von Käthe Kollwitz,
Berlin 1988, Käthe-Kollwitz-Museum, Käthe Kollwitz und Paul Holz, Zeichnungen und Graphiken zur europäischen Literatur,
Hannover/Regensburg 1990, Wilhelm-Busch-Museum/Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Käthe Kollwitz, Druckgraphik, Handzeichnungen, Plastik,
Berlin 1995, Käthe-Kollwitz-Museum, Schmerz und Schuld, Eine motivgeschichtliche Betrachtung,
Rotterdam 1995, Chabot Museum, Käthe Kollwitz, Tekeningen, grafiek, sculpturen,
Köln 1999, Käthe Kollwitz Museum, Käthe Kollwitz – Die trauernden Eltern. Ein Mahnmal für den Frieden,
Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz,
Berlin/Passau 2011, Käthe-Kollwitz-Museum/Museum Moderner Kunst Wörlen, Käthe Kollwitz, Bildhauerin aus Leidenschaft,
Köln 2016, Käthe Kollwitz Museum, Gussgeschichte(n) - Das plastische Werk von Käthe Kollwitz. Katalog zur Ausstellung: Annette Seeler, Käthe Kollwitz: Die Plastik. Werkverzeichnis, hrsg. vom Käthe Kollwitz Museum Köln, Köln 2016, Abb. 16.3
Berlin 2014, Käthe-Kollwitz-Museum, Mahnung und Verlockung,
Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen,
Mit vereinzelten Reissnagellöchern. Das Blatt mehrfach gefaltet. Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung
Nach der intensiven Beschäftigung mit dem schlesischen Weberaufstand wandte sich Käthe Kollwitz zu Beginn des 20. Jahrhunderts einem weiteren historischen Thema sozialer Erhebung zu: dem Deutschen Bauernkrieg des 16. Jahrhunderts. Zwischen 1901 und 1908 entstand ihr umfangreicher, sieben Blätter umfassender Zyklus "Bauernkrieg", in dem sie die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bauernschaft und feudaler Herrschaft verarbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die historische Rekonstruktion der Ereignisse als vielmehr die allgemeine Erfahrung von Unterdrückung, Aufbegehren und menschlichem Leid.
Für das gesellschaftlich und politisch geprägte Umfeld der Künstlerin besass der Bauernkrieg keineswegs nur historischen Charakter. Die von Wilhelm Zimmermann verfasste Publikation "Geschichte des grossen Bauernkriegs" wurde im liberalen und sozialistischen Milieu des späten 19. Jahrhunderts als Sinnbild fortdauernder sozialer Ungleichheit verstanden. Auch Kollwitz griff das Thema auf, um indirekt auf die Lebensbedingungen und sozialen Konflikte ihrer eigenen Zeit hinzuweisen.
Im sechsten Blatt der Folge richtet sich der Blick nicht mehr auf die Dynamik des Aufstands selbst, sondern auf dessen Folgen. Der Kampf ist vorüber, die Gewalt verstummt, zurück bleibt die erschütternde Realität des Todes. Die Mutter sucht abends im Lichtschein der Laterne ihr totes Kind. Für die Vorarbeit zum Blatt "Schlachtfeld" (vgl. Los 913) hat sich die Künstlerin mit der Darstellung des toten Kindes befasst. Als Modell verwendete sie dafür ihren 1896 geborenen Sohn Peter. Mit schwarzer und weisser Kohle hat sie eine unglaublich dichte Darstellung geschaffen, bei welcher der Kopf von oben beleuchtet wird. Das Motiv wird zum Inbegriff für Trauer und Verzweiflung.
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