Løten 1863 - 1944 Oslo
1895
Kreidelithographie auf festem, gräulichem Velin
44x62,6 cm, Darstellung; 56,5x71,6 cm, Blattgrösse
Mit dem Schabeisen im Stein signiert
Gerd Woll, Edvard Munch, The Complete Graphic Works, Oslo 2012,
Slg. William Cohn (1880-1961), Berlin, dort 1936 erworben von
Slg. Arnold Budczies, Berlin, rückseitig mit dem Sammlerstempel
Frankfurt am Main 1952, Städelsches Kunstinstitut, Edvard Munch, Graphik,
Florenz 1964, Palazzo Strozzi, L'Espressionismo, pittura, scultura, architettura,
Bremen 1970, Kunsthalle, Edvard Munch, Druckgraphik, Auswahl aus einer bremischen Privatsammlung,
Untere linke Ecke ergänzt. An den Blatträndern mehrere hinterlegte Einrisse. Im Papier leichte Verfärbungen, vor allem an den Blatträndern. In guter Erhaltung
Die Lithographie "Tingeltangel“ entstand 1895 in Berlin, während Edvard Munchs prägender Jahre in der deutschen Hauptstadt, die für seine Entwicklung als Druckgraphiker von zentraler Bedeutung waren. In dieser Zeit war Munch tief in die avantgardistische Kunst- und Theaterszene Berlins eingebunden, insbesondere über Kontakte zur Freien Bühne, zu Symbolisten, Literaten und Bohémiens. Der Titel "Tingeltangel", ein umgangssprachlicher Ausdruck für ein einfaches, oft als anrüchig empfundenes Unterhaltungs- oder Varietétheater, verweist dabei nicht nur auf den Ort der Szene, sondern auch auf ihre soziale und psychologische Konnotation.
Im Zentrum ist eine Frau mit erhobenem Bein zu sehen, die einen "Cancan" tanzt. Im Hintergrund sitzen andere Tänzerinnen und schauen verschmitzt in den Raum. Die Bewegung der tanzenden Dame wird durch sich nach oben entwickelnde Konturen des rechten Beins angedeutet. Die Männer in den vorderen Reihen, die von hinten oder im Profil gezeigt werden, wirken distanziert und verfolgen gleichzeitig aufmerksam das Treiben auf der Bühne. Munch nutzt hier die formalen Möglichkeiten der Lithographie ganz gezielt. Die weiche Kreidetechnik erlaubt ihm, zwischen linearen Konturen und flächigen Hell-Dunkel-Verläufen zu changieren. Die Szene wirkt wie eine lebendige Momentaufnahme oder eine Karikatur.
"Tingeltangel" kann als Kommentar zu Munchs wiederkehrendem Thema der Frau als Bühne männlicher Begehren, Ängste und Machtprojektionen gelesen werden. Der Theaterraum wird dabei zum symbolischen Raum innerer Spannungen.
Wohl 1896 von Lassally in Berlin gedruckt.
| Schweiz | CHF | 170 |
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