Um 1956
Aquarell und Gouache auf festem Velin
100,5x68,8 cm
Auf der Rückseite vom Künstler signiert, datiert und bezeichnet "Sam Francis / 1957 New York"
Das vorliegende Werk ist in der Sam Francis Foundation, Glendale, unter der Nummer SF56-162 registriert und im Online Catalogue Raisonné der Arbeiten auf Papier unter der Nummer SFF5.397 eingetragen
Direkt vom Künstler an
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Bern 1991, Galerie Kornfeld, Sam Francis, 40 Years of Friendship, Werke 1945-1990,
Bonn 1993, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Sam Francis,
Ingelheim 1994, Internationale Tage, Altes Rathaus, Paris, Die 50er Jahre,
Paris 1995/1996, Galerie Nationale du Jeu de Paume, Sam Francis, Les Années Parisiennes,
Davos 1998/1999, Kirchner Museum, Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Bern 2006, Kunstmuseum, Sam Francis und Bern,
Papier durch den Farbauftrag leicht gewellt. Die Rückseite im Papier gebräunt, auf der Vorderseite stellenweise leichte Verfärbungen. Schöne, farbfrische Erhaltung
Mitte der 1950er Jahre durchlief Sam Francis eine bedeutende künstlerische Entwicklung, die seinen Stil nachhaltig prägte. Zunächst liess er sich vom amerikanischen Abstrakten Expressionismus und den Einflüssen seiner Pariser Künstlerkollegen inspirieren, begann dann aber seine eigene visuelle Sprache weiter zu entwickeln. Er wandte sich von den monochromen Bildern ab und mutigeren Farbkompositionen zu. In dieser Zeit experimentierte Francis intensiv mit Aquarellfarben, die ihm erlaubten, seine charakteristische Leichtigkeit, Transparenz und Bewegung direkt umzusetzen. Leuchtende Farbflecken platzierte er auf weissen Leinwänden oder Papier, wodurch ein Gefühl von Offenheit entstand.
Die vorliegende Komposition "Blue Above Red" lebt von der Spannung zwischen den Farben, ihrer Leuchtkraft und der Wirkung des leeren Raums dazwischen. Dichte, fast organische Cluster aus Schwarz, Rot, Blau und vereinzelte Grüntöne dominieren das linke Zentrum des Blattes. Diese dunkle, pulsierende Masse scheint sich auszubreiten und gleichzeitig in sich zusammenzufallen - ein visuelles Paradoxon, das typisch für Francis' Malweise ist. Die Farbflächen wirken, als wären sie intuitiv aufgetragen worden, während um sie herum feine Spritzer und fliessende Tropfen das Papier überziehen.
Besonders auffällig ist die Nutzung des Negativraumes. Der weisse Hintergrund ist nicht bloss Leere, sondern integraler Bestandteil der Komposition. Er bietet den Farben Raum zum Atmen und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bewegung und Gestik des Farbauftrags. Die scheinbar unbemalte Fläche wird von Farb-Drippings eingenommen. Die Aquarellfarbe fliesst, verläuft an den Rändern und wirkt dabei spontan und zugleich kontrolliert. Dies ist ein kraftvolles Beispiel für Francis' Fähigkeit Spontaneität mit kompositorischer Kontrolle zu vereinen - ein Balanceakt, den nur wenige Künstler seiner Generation so präzise beherrschten.
| Schweiz | CHF | Individuelle Offerte |
| Europa | CHF | Individuelle Offerte |
| USA | CHF | Individuelle Offerte |
| Übersee | CHF | Individuelle Offerte |
