1907, vielleicht Ende 1906
Schwarze Kohle auf Velin
32x24,7 cm
Oben rechts vom Künstler in Bleistift signiert "Picasso". Rückseitig nochmals signiert "Picasso"
Nicht bei Zervos
Echtheitsbestätigung von Maya Widmaier Picasso, datiert vom 17. Januar 1995, liegt vor
Galerie Louise Leiris, Paris, Inv.-Nr. 17620, Photo-Nr. 64975
Galerie Rosengart, Luzern, Inv.-Nr. 3904
Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 25. Juni 1999,
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Karlsruhe 1996, Picasso, Zeichner des Menschen,
Bern 2001/2002, Kunstmuseum, Picasso und die Schweiz,
Madrid 2003, Fundación Juan March, Espíritu de modernidad: de Goya a Giacometti, Obra sobre papel de la colección Kornfeld,
Tübingen 2005, Bordell und Boudoir, Schauplätze der Moderne, Cézanne, Degas, Toulouse-Lautrec, Picasso,
Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Das Papier minim gebräunt und mit Lichtrand. Mit kleinem Einriss im linken unteren Rand. In sehr schönem Erhaltungszustand
Die kraftvolle Kohlezeichnung aus dem Jahr 1906 zählt zu den wichtigen Vorstudien für Pablo Picassos epochales Gemälde "Les Demoiselles d'Avignon" von 1907 (Zervos Bd. 2, Nr. 18). Sie entstand entweder in der Zeit seines Aufenthalts in Gósol oder danach in Paris. Die Zeichnung zeigt einen stehenden weiblichen Akt frontal mit erhobenen Armen - eine Haltung, die später eine der fünf Figuren der "Demoiselles" prägt. Die Zeichnung ist ein spannendes Dokument der Suche nach einer neuen Bildsprache, die sich schliesslich in der Radikalität des Gemäldes manifestierte.
Die Körperhaltung der Frau ist frontal, ihre erhobenen Arme rahmen das Gesicht, das hier noch naturalistische Züge trägt. Der Körper wirkt massig und fast skulptural - ein deutliches Zeichen von Picassos Auseinandersetzung mit iberischer und afrikanischer Kunst, die ihn ab 1906 und seit seinem Aufenthalt in Gósol zunehmend prägte. Zugleich ist die Zeichnung durchzogen von Spuren des Überarbeitens, Korrigierens und Verdichtens. Der Strich changiert zwischen energisch und zögerlich, Linien überlagern sich.
In dieser Zeichnung zeigt sich Picassos Umdenken. Er wollte sich vom idealisierten weiblichen Akt der westlichen Tradition lösen und eine direkte, physische Präsenz des Körpers schaffen. Die Figur ist nicht erotisiert, sondern monumental dargestellt und richtet den Blick mit ungewohnter Direktheit an die Betrachtenden. Im Unterschied zu den sanften Modellen früherer Schaffensphasen wird die Frau hier zur Figur der Macht, zur Projektionsfläche kultureller und künstlerischer Umbrüche.
Die Kohlezeichnung markiert eine entscheidende Etappe in Picassos Arbeit am revolutionären Formenvokabular von "Les Demoiselles d'Avignon" und dokumentiert nicht nur eine ikonographische Entwicklung, sondern macht auch den geistigen Umschwung eindrücklich sichtbar.
| Schweiz | CHF | 130 |
| Europa | CHF | 200 |
| USA | CHF | 250 |
| Übersee | CHF | 255 |
