Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg
Ausrufzeit 10.09.2026,
circa 18:50 Uhr (CET)
(+/- 30 Min.)
1922/1923
Tusche, Kohle und weisse Kreide auf Papier
46,5x49,1 cm, Darstellung; 81,5x53 cm, Blattgrösse
Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert "Käthe Kollwitz", darunter vermutlich von der Künstlerin in Kohle bezeichnet "Die Überlebenden"
Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980,
Slg. Julius Freund, Berlin, durch Erbschaft an
Slg. Gisèle Freund, Buenos Aires, versteigert bei
Auktion Fischer, Luzern, 21. März 1942, Los 152, dort erworben von
Privatsammlung Zürich, versteigert bei
Auktion Germann, Zürich, 12. November 1996, Los 48, dort erworben von
Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin
Louise Diel, Käthe Kollwitz, Mutter und Kind, Berlin 1928,
Fritz Schmalenbach (Hrsg.), Käthe Kollwitz, Dreiundachtzig Wiedergaben, Zürich 1949, Tafel 61
Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999,
Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. von Martin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005,
Bern 1946, Kunstmuseum, Gedächtnisausstellung Käthe Kollwitz,
Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen,
Mit vereinzelten Reissnagellöchern. Das Papier unten gefaltet, mit vereinzelten Falten. Links eine alt restaurierte Stelle im Blattrand, in der Faltung unten ein Papierverlust. Minimer Lichtrand. Rückseitig Spuren alter Montierungen
Käthe Kollwitz schreibt im November/Dezember 1922 in ihr Tagebuch: "Jetzt kommen andere graphische Arbeiten, das Plakat gegen den Krieg für den internationalen Gewerkschaftsbund." Entstanden ist das Plakat "Die Überlebenden - Krieg dem Kriege!", das zunächst in 1000 Exemplaren mit deutscher, schwedischer, dänischer und holländischer Aufschrift gedruckt wurde (vgl. Knesebeck 197).
Die klare, stark reduzierte Formensprache zeigt den Einfluss des Holzschnitts, dem sich Kollwitz seit dem Ende des Ersten Weltkriegs intensiv zugewandt hatte. In Holzschnitt entstanden auch die sieben Blätter der Folge "Krieg". So erstaunt es nicht, dass sich Kollwitz kompositorisch an einen Holzschnitt anlehnt, als sie das Plakat in Lithografie erarbeitet. Grosse schwarze Flächen, markante Konturen und die Konzentration auf wenige expressive Gesichter verdichten die Aussage des Plakats zu einer unmittelbaren visuellen Anklage gegen Krieg und soziale Not.
Mit dem Titel "Die Überlebenden" verweist Kollwitz nicht nur auf das physische Überleben nach Krieg und Entbehrung, sondern auch auf die seelischen Folgen der Katastrophe. Die Kinder erscheinen als verletzte und zugleich hoffnungstragende Generation einer zerstörten Nachkriegswelt. Kollwitz schrieb in einem Brief an Beate Bonus-Jeep, was sie zeigen wollte: "Eltern, Witwen, Blinde, um sie herum die Kinder mit ihren angstvoll fragenden, ratlosen Augen und den blassen Gesichtern." Kollwitz arbeitete an mehreren Vorstudien. Die hier angebotene, grosse Tuschemalerei nimmt die spätere Plakatkomposition in grossen Teilen vorweg. Im Plakat werden die Hände der Mutter stärker ausgearbeitet, und die Kinder, die rechts und links der Mutter nur angedeutet sind, nehmen einen wichtigeren Platz ein. "Die Überlebenden" verbindet soziale Anklage, humanistische Haltung und pazifistische Botschaft auf eindringliche Weise und zählt zu den wichtigsten pazifistisch-politischen Arbeiten der Künstlerin.
Es wurde eine gütliche Einigung mit den Nachkommen von Julius Freund getroffen. Die Zeichnung ist frei von jeglichen Ansprüchen und kann ohne Einschränkungen verkauft werden.
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