Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg
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1907
Kohle und Kreide, zum Teil gewischt, mit Höhungen in weisser Kreide auf MBM-Bütten
48,9x40,8 cm
Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert "Kollwitz"
Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980,
Slg. Werner Trautscholdt, am 7. Oktober 1949 versteigert bei
Auktion Gutekunst & Klipstein, Bern, dort am 2. Mai 1950 verkauft an
Slg. Dr. Walter Krieg, versteigert bei
Auktion Gutekunst & Klipstein, Bern, 7. November 1952, Los 2, dort erworben von
Slg. Prof. Gustav Stein, Köln
Galerie Pels-Leusden, Berlin, dort 1990 erworben von
Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin
Konrad Weinmeyer, Käthe Kollwitz zu ihrem 50. Geburtstag, in: Kunst für Alle, 32. Jahrgang, München Juli 1917,
Eduard Trier, Zeichner des XX. Jahrhunderts, Berlin 1956,
Gutekunst & Klipstein, Bern, 1950, Lagerkatalog 47,
Uwe Schneede, Käthe Kollwitz, Das zeichnerische Werk, München 1981,
Tom Fecht, Käthe Kollwitz, Das farbige Werk, Berlin 1987,
Catherine Krahmer, Käthe Kollwitz, Tenero 1992,
Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999,
Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. von Martin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005,
Düsseldorf 1967, Städtische Kunsthalle/Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Kunst des 20. Jahrhunderts aus rheinischwestfälischem Privatbesitz, Malerei, Plastik, Handzeichnungen,
Stuttgart 1967, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, Die Zeichnerin Käthe Kollwitz, Ausstellung zum 100. Geburtstag,
Berlin 1967, Akademie der Künste in Verbindung mit den Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett und Nationalgalerie, Käthe Kollwitz und ihre Zeitgenossen, Ausstellung zum 100. Geburtstag von Käthe Kollwitz,
Stellenbosch 1969, Rembrandt van Rijn Foundation, Ernst Barlach - Käthe Kollwitz,
Berlin 1978, Galerie Pels-Leusden, Käthe Kollwitz, Pastelle, Zeichnungen, Graphiken und Plastiken aus vier bedeutenden Sammlungen und eigenem Besitz,
Hamburg/Zürich 1980/1981, Kunstverein/Kunsthaus, Käthe Kollwitz, Die Zeichnerin,
Höchst 1985, Jahrhunderthalle, Käthe Kollwitz, Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderer Sammlungen, Kat. 9
Berlin 1987, Elefanten Press Galerie, Käthe Kollwitz, Das farbige Werk,
Bergamo 1993, Palazzo della Ragione, Käthe Kollwitz,
Berlin 1995, Käthe-Kollwitz-Museum, Schmerz und Schuld, Eine motivgeschichtliche Betrachtung,
Bielefeld 1999, Kunsthalle, Käthe Kollwitz, Das Bild der Frau,
Bremen 2000, Paula Modersohn-Becker-Museum, Blickwechsel, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker,
Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz,
Köln 2010/2011, Käthe Kollwitz Museum, Paris bezauberte mich - Käthe Kollwitz und die französische Moderne, nicht im Katalog abgebildet
Vic-sur-Seille 2012, Musée départemental Georges de La Tour, Käthe Kollwitz, La vérité des sens,
Berlin 2014, Käthe-Kollwitz-Museum, Mahnung und Verlockung,
Bis 2014 als Dauerleihgabe im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin
Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen,
Mit vereinzelten Reissnagellöchern. Minimer Lichtrand. Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung
Nachdem sie mit "Ein Weberaufstand" schon einmal ein historisches Ereignis in ihrer Kunst aufgegriffen hatte, arbeitete Käthe Kollwitz in den Jahren 1901 bis 1908 an ihrem zweiten Druckzyklus, dem siebenteiligen "Bauernkrieg". Die Künstlerin bearbeitete darin den gewaltsamen Aufstand der Bauern gegen die Unterdrückung und Gesetzlosigkeit in den Jahren 1524/1525. Für das liberal-sozialistische Umfeld von Kollwitz bedeutete die vom Historiker und Theologen Wilhelm Zimmermann verfasste Geschichte des "Grossen Deutschen Bauernkrieges" keine ferne Vergangenheit, sondern hatte vielmehr aktuelle Relevanz; es ging darum, auf die Probleme des Proletariats aufmerksam zu machen.
Wie immer entstanden im Vorfeld der Auflagendrucke viele Zwischenzustände: Sogar andere Themen wurden umgesetzt und erprobt, die dann nicht in die Folge aufgenommen wurden. Im sechsten Blatt des Zyklus richtet sich der Blick nicht mehr auf den eigentlichen Kampf, sondern auf dessen Folgen. Der Aufstand ist beendet, die Gewalt vorüber, zurück bleibt das Feld der Toten. Wie bereits im Weberzyklus verzichtet Kollwitz bewusst auf die direkte Darstellung der Kampfhandlungen oder der gegnerischen Kräfte. Stattdessen konzentriert sie sich auf das menschliche Leid und die Trauer der Hinterbliebenen.
Bereits 1903 entstanden erste Entwürfe zu diesem Thema. Die Künstlerin entwickelte zuerst das Thema der Pietà als mögliches Motiv (vgl. Knesebeck 77 und Los 910), entschied sich aber schliesslich für eine andere Darstellung (Knesebeck 100). Im Licht einer Laterne entdeckt eine Mutter ihren gefallenen Sohn unter zahllosen Leichen. Gerade diese Konzentration auf den emotionalen Moment verleiht dem Blatt seine aussergewöhnliche Wirkung. Die vorliegende Zeichnung ist die wohl am besten ausgearbeitete Vorarbeit für das Auflageblatt (vgl. auch Los 912). Eindrücklich versteht es die Künstlerin, den Blick der Betrachtenden dem Schein der Laterne folgen zu lassen. Das Blatt fasst die Ereignisse des Zyklus nicht nur zusammen, sondern verdichtet sie zu einer eindringlichen Aussage über Krieg, Verlust und menschliches Leiden.
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