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    Käthe Kollwitz : Selbstbildnis am Fenster, Um 1900
    Käthe Kollwitz : Selbstbildnis am Fenster, Um 1900
    Käthe Kollwitz : 907 Selbstbildnis am Fenster
    Käthe Kollwitz : 907 Selbstbildnis am Fenster
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    Käthe Kollwitz : 907 Selbstbildnis am Fenster
    Käthe Kollwitz : 907 Selbstbildnis am Fenster
    Käthe Kollwitz : 907 Selbstbildnis am Fenster

    Käthe Kollwitz

    Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg

    907   

    Selbstbildnis am Fenster

    Schätzpreis CHF 600'000 *

    Ausrufzeit 10.09.2026,
    circa 18:35 Uhr (CET)
    (+/- 30 Min.)

    Versandkosten

    Um 1900

    Tusche und Aquarell auf Bütten Richard de Bas

    56,8x43,9 cm

    Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert und bezeichnet "Käthe Kollwitz / zu "das Leben""

    Werkverzeichnis

    Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 165

    Provenienz

    Slg. Alexander von der Becke, München

    Alice Adam, Chicago

    Slg. David S. und Cheryl C. Tartakoff, Oak Park

    Prof. David Tartakoff, Oak Park, versteigert bei

    Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 19. Juni 2015, Los 101, dort erworben von

    Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin

    Literatur

    Otto Nagel, Die Selbstbildnisse der Käthe Kollwitz, Berlin 1965, Tafel 22

    Brigitte Birnbaum, Tintarolo, Berlin o. J. [1977], S. 16

    Ausstellungen

    München 1967, Verlag A. von der Becke und Sohn, Käthe Kollwitz, Handzeichnungen und graphische Seltenheiten. Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag, Kat. Nr. 8

    Stuttgart 1967, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, Die Zeichnerin Käthe Kollwitz, Ausstellung zum 100. Geburtstag, Kat. Nr. 18

    Chicago 1985, Alice Adam Ltd., New Acquisitions, German Master Prints and Drawings, Kat. Nr. 13

    Berlin 1987, Elefanten Press Galerie, Käthe Kollwitz, Das farbige Werk, Kat. Nr. 12

    Washington D.C. 1992, National Gallery of Art, Käthe Kollwitz, deutsche Ausgabe Katalog, 1993, S. 110

    Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 67

    Zustand

    Papierrand unregelmässig. Rückseitig Spuren alter Montierungen. Minimer Lichtrand. Farbfrisch und in sehr guter Erhaltung

    Erläuterungen

    Das farbige Selbstbildnis am Fenster nimmt eine besondere Stellung im Schaffen von Käthe Kollwitz ein. Während die Künstlerin heute vor allem für ihre eindringlichen schwarz-weissen Radierungen, Lithografien und Holzschnitte bekannt ist, offenbart dieses Werk eine seltene Auseinandersetzung mit Farbe und atmosphärischer Lichtwirkung. Gerade dadurch gewinnt das Blatt eine stille Intensität, die sich deutlich von der oft existenziellen Dramatik ihrer bekannteren Selbstbildnisse unterscheidet.

    Entstanden ist die Arbeit vermutlich um 1900, vielleicht um 1903/04, einer Phase künstlerischer Neuorientierung, in der sich Kollwitz verstärkt mit Fragen von Licht, Volumen und plastischer Wirkung auseinandersetzt. In diesen Jahren experimentiert sie intensiv mit farbiger Lithografie und entwickelt ein wachsendes Interesse an skulpturaler Gestaltung. Während eines Aufenthaltes in Paris besucht sie 1904 die renommierte Académie Julian, wo sie sich mit den Grundlagen der Plastik beschäftigt. Gerade die sensible Modellierung des Gesichts und die körperhafte Präsenz der Figur lassen diese Beschäftigung deutlich erkennen.

    Das Motiv des Selbstbildnisses begleitet Kollwitz während ihres gesamten künstlerischen Lebens. Kaum eine andere Künstlerin ihrer Zeit hat das eigene Gesicht mit vergleichbarer Konsequenz als Ort der Selbstbefragung genutzt. In zahlreichen Zeichnungen, Druckgrafiken und sogar plastischen Arbeiten untersucht sie Alter, Müdigkeit, Zweifel und innere Spannung.

    Das "Selbstbildnis am Fenster" zeigt eine ungewöhnlich zurückhaltende und kontemplative Seite. Die Künstlerin erscheint nicht als leidende oder kämpferische Figur, sondern in einem Moment stiller Konzentration und innerer Sammlung. Das Fenster, angedeutet mit dem zur Seite geschobenen Vorhang, übernimmt dabei eine symbolische Funktion. Es trennt Innen- und Aussenraum und verweist zugleich auf das Verhältnis zwischen persönlicher Erfahrung und Weltbeobachtung. Das einfallende Licht modelliert das Profil weich und erzeugt subtile Übergänge zwischen Figur und Umgebung. Anders als in ihren grafischen Arbeiten, die häufig stark von Hell-Dunkel-Kontrasten geprägt sind, arbeitet Kollwitz hier mit zurückgenommenen Farbtönen und fein abgestuften Übergängen. Die Farbigkeit bleibt gedämpft und dient weniger dekorativen Zwecken als der emotionalen Verdichtung des Bildraums.

    Kunsthistorisch steht das Werk an der Schnittstelle zwischen realistischer Beobachtung und psychologischer Verdichtung. Obwohl Kollwitz dem Expressionismus nahestand, bewahrte sie stets eine starke Bindung an die menschliche Figur und an die genaue Beobachtung innerer Zustände. Im "Selbstbildnis am Fenster" verbindet sich diese psychologische Präzision mit einer bemerkenswert sensiblen Lichtbehandlung. Gerade die Reduktion äusserer Effekte verleiht dem Bild seine nachhaltige Wirkung.

    Das Werk gehört zu jenen seltenen Selbstbildnissen, in denen Kollwitz nicht primär die Härte des Daseins thematisiert, sondern einen stillen, beinahe meditativen Moment sichtbar macht. Dadurch zählt es zu den poetischsten und zugleich persönlichsten Darstellungen innerhalb ihres gesamten Œuvres.


     
     
     
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    Bei den mit (*) bezeichneten Losen sind Zuschlagspreis sowie Aufgeld mehrwertsteuerpflichtig.

    KORNFELD
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