Allschwil 1915 - 1972 Ropraz
1955
Öl auf Leinwand
100x81 cm
Unten links auf dem Spruchband signiert und datiert "Ricco 55", mit dem Ankerzeichen
Wasmer G 1955.06
Berner Weihnachtsausstellung 1955, dort für CHF 1200 erworben von
Slg. Viktor Kleinert, Bremgarten bei Bern, durch Erbschaft an
Privatsammlung Schweiz
Basel 1955, Kunsthalle, 9 Berner Künstler, Serge Brignoni, Tonio Ciolina, Guy Dessauges, Franz Fedier, Max von Mühlenen, Hermann Plattner, Hans Schwarzenbach, Otto Tschumi, Ricco Wassmer,
Bern 1955, Kunsthalle, Weihnachtsausstellung bernischer Maler und Bildhauer,
Zürich 1960, Kunstsalon Wolfsberg, Cuno Amiet, M. Campigli, Ricco,
Thun 1961, Städtische Kunstsammlung der Stadt Thun, Der Surrealismus und ähnliche Strömungen in der Schweiz, Kat
Bern 1969b, Kunsthalle, Ricco, M.C. Escher,
Aarau 1988, Aargauer Kunsthaus, Ricco 1915-1972, S. 24-26
Bern 2002, Kunstmuseum, Ricco, Inszenierte Wirklichkeiten,
Auf dem originalen Keilrahmen. In tadelloser Erhaltung
Das vorliegende Werk zeigt eine vielschichtige Atelierszene, in der ein geflügelter Engel - entlehnt aus Caravaggios "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" - Geige spielend das Atelier des Künstlers zum Leben erweckt. Auf dem Spruchband sind die Namen "Benozzo / Hieronymus / Caravagi / Louis" verzeichnet, womit Ricco, eigentlich Erich Wassmer, die vier Hauptquellen seiner Bildwelt benennt. Im Zentrum steht der Bauernjunge Jean Baudet mit Kunstrosen, der als Modell für die nachfolgende Werkgruppe diente. Zu seinen Füssen ist eine Piratenszene aus Ambroise Louis Garnerays "Affaire du cutter L'Écureuil de Grenville" eingefügt, flankiert von Fantasiegestalten nach Hieronymus Boschs "Garten der Lüste". In der rechten Bildhälfte erscheinen höfische Knappen aus Benozzo Gozzolis "Zug der Heiligen Drei Könige", mit denen Wassmer den Kamin seines Schlafzimmers im Château de Bompré dekorierte; darunter sind das Schloss selbst sowie sein Citroën zu erkennen. Der Papagei Joujou und die Terrierhündin Cléo vervollständigen die intime Szenerie.
Die Komposition ist zugleich Rechenschaft und Programm: Wassmer hat sich selbst als winzige Figur links unten, unter dem anatomischen Torso am Boden kauernd, ins Bild gesetzt, während seine Freundin Jane vor der grossen Gipshand nach ihm Ausschau hält. Diese selbstironische Geste verweist auf den Tagtraum-Charakter des Ganzen, in dem Erinnerung, Vorbild und Projektion untrennbar ineinandergreifen. Das Gemälde ist so als eine Art malerisches Selbstgespräch zu verstehen, das die Summe des bisherigen Schaffens mit dem Ausblick auf Kommendes verbindet.
"Das Bildnis" gehört zu den thematisch dichtesten und kunsthistorisch anspielungsreichsten Werken Riccos und nimmt im Œuvre des Berner Künstlers eine singuläre Stellung ein.
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