1831 Ins 1910
1863
Öl auf Leinwand
46,5x38 cm
Unten rechts vom Künstler signiert und datiert "Anker / 1863"
Sandor Kuthy/Therese Bhattacharya-Stettler, Albert Anker, Werkkatalog der Gemälde und Ölstudien, Basel 1995,
Slg. Alexandre-Auguste Hirsch, Paris
Privatsammlung Zürich (1984)
Auktion Galerie Jürg Stuker, Bern, 22. November 1991, Los 3008
Privatsammlung Schweiz
Doubliert. Kleine Restaurierungen und Übermalungen vor allem oberhalb des rechten Auges der Dargestellten. Insgesamt in guter Erhaltung
Albert Anker verbrachte den Winter 1854 erstmals in Paris. Ab 1865 hielt er sich regelmässig mit seiner Familie während der Wintermonate in der französischen Metropole auf. In der lebendigen Pariser Kunstszene entstanden nicht nur jene Werke, die seinen Ruf als herausragender Vertreter des Bauernrealismus begründeten, sondern auch seine Porträts der bürgerlichen Noblesse. Diese Salonbildnisse zeigen stilistische Parallelen zu zeitgenössischen Malern wie Édouard Manet und verdeutlichen Ankers Offenheit gegenüber internationalen Kunstrichtungen. Zu Beginn seiner Laufbahn als Künstler besuchte Anker die Malschule des Waadtländer Malers Charles Gleyre (1806-1874), der später zahlreiche bedeutende Vertreter des französischen Impressionismus, darunter Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir, unterrichtete. Enge Verbindungen bestanden zudem zum Maler Alexandre-Auguste Hirsch (1833-1912), dem ehemaligen Besitzer des vorliegenden Frauenporträts und langjährigen Freund Ankers. Obwohl Anker heute vor allem für seine Darstellungen von Kindern und älteren Menschen aus seinem Heimatdorf Ins bekannt ist, umfasst sein Œuvre ebenso eine Vielzahl Porträts des gehobenen Bürgertums sowie Bildnisse anonymer Modelle. Das vorliegende Bildnis entstand wohl unter dem Eindruck der Italienreise, die Albert Anker im Herbst 1861 gemeinsam mit seinem Studienfreund, dem elsässischen Maler François Ehrmann (1833-1910), unternahm.
Unser Frauenkopf offenbart eindrücklich die besondere Qualität von Ankers Porträtkunst. Mit Sensibilität und sorgfältiger Beobachtungsgabe erfasst der Berner Maler die Individualität seines Modells. Das leicht herabgerutschte Oberteil des Kleides legt die rechte Schulter der Dargestellten frei und verleiht der Komposition eine subtile Koketterie. Zugleich strahlt die natürliche und ungezwungene Haltung der jungen Frau eine stille Intimität aus.
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