Løten 1863 - 1944 Oslo
1890-1892
Tusche mit minimen Weisshöhungen auf festem, beigem Velin
23,5x30,2 cm
Unten rechts vom Künstler in Tusche signiert "E Munch"
Im Online Catalogue Raisonné des Munch Museums, Oslo, unter der Inventarnummer PE.T.00139 registriert
Im Umfeld von Rolf Stenersen angekauft für
Privatsammlung Norwegen, 1965 durch Erbschaft an
Privatsammlung Norwegen
Hans-Martin Flaaten, Skrik som ikon og dikt, in: Edvard Munchs Livsfrise, en rekonstruksjon av utstillingen hos Blomqvist 1918, Ausstellungskatalog Munch-Museet, Oslo 2002,
Blatt mit minimen Wasserflecken. Am oberen Bildrand und rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr schöner Erhaltung
Åsgårdstrand nimmt innerhalb von Edvard Munchs Werk eine herausragende Stellung ein. Seit seinem ersten Aufenthalt im Sommer 1885 entwickelte sich der kleine Küstenort am Oslofjord zu einem der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Inspiration. Im Jahr 1898 erwarb Munch dort ein eigenes Haus, das ihm über viele Jahre hinweg während der Sommermonate als Wohn- und Arbeitsort diente und bis heute als Munchs Haus erhalten geblieben ist. Die besondere Atmosphäre des Ortes prägte sein Schaffen nachhaltig und machte Åsgårdstrand zu einer der bedeutendsten Landschaften seines gesamten Œuvres.
Die charakteristische Küstenlandschaft mit ihren sanft geschwungenen Uferlinien, den alten Gärten, den hellen nordischen Sommernächten und dem ruhigen Wasser kehrt in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und druckgrafischen Arbeiten immer wieder. Viele der bekanntesten Kompositionen des Lebensfrieses haben hier ihren landschaftlichen Ursprung oder wurden von den Eindrücken des Ortes wesentlich beeinflusst. Åsgårdstrand wurde für Munch weit mehr als ein realer Schauplatz: Der Küstenort entwickelte sich zu einem symbolischen Erinnerungsraum, in dem persönliche Erlebnisse, Naturbeobachtung und existenzielle Fragestellungen zu einer unverwechselbaren Bildsprache verschmelzen.
Wiederkehrende Elemente wie der geschwungene Küstenverlauf, die spiegelnde Wasserfläche, die Baumgruppen oder das diffuse Licht der nordischen Sommernächte erscheinen in immer neuen Zusammenhängen und verleihen seinen Werken eine zeitlose, symbolische Dimension. Gerade diese Verbindung von konkreter Landschaft und emotionaler Verdichtung macht Åsgårdstrand zu einem der prägenden Schauplätze von Munchs künstlerischer Auseinandersetzung mit Liebe, Sehnsucht, Einsamkeit, Vergänglichkeit und Tod.
Das vorliegende, frühe Blatt zeigt in der Technik eines Schwarzaquarells rechts ein Haus mit beleuchtetem Fenster. Vor den Betrachtenden öffnet sich der Bildraum in die Leere und auf das Wasser. Meisterhaft setzte Munch mit sehr verdünnter weisser Farbe Akzente wie Sterne oder seine typische Reflexion des Mondlichts auf dem Wasser. Eine wunderbare Arbeit vom Beginn der 1890er-Jahre.
| Schweiz | CHF | 130 |
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