Cateau 1869 - 1954 Nizza
1947
Album mit 20 farbigen Pochoirs auf Velin Arches mit Wasserzeichen, Impressum und Abbildungsverzeichnis in losen Bogen, in kartoniertem Originalumschlag mit 2 Etiketten
67x33 cm, Umschlag
Im Impressum vom Künstler in Bleistift signiert "H. Matisse" und mit der Nummer "87" als eines von 100 Exemplaren ausgewiesen
Claude Duthuit/Françoise Garnaud, Henri Matisse, Catalogue raisonné des ouvrages illustrés, Paris 1988,
Privatsammlung Schweden seit 1947, durch Erbschaft an
Internationale Privatsammlung
Die Mappe leicht gebräunt, mit minimen Wasserflecken. Die Pochoirs teilweise leicht gebräunt und stockfleckig. Die weisse Blatthälfte bei 4 einseitigen Pochoirs abgeschnitten. Insgesamt in guter Erhaltung
Henri Matisse gestaltete das Jazz-Album während des Krieges - es war seine erste Arbeit in der Technik der bemalten "Papiers découpés". Das Album vereint exklusiv die 20 Pochoirs aus "Jazz" und erschien als eigenständige Auflage neben der Buchfassung. Der Verleger Tériade, eigentlich Stratis Eleftheriadis (1897-1983), hatte Matisse bereits ab 1940 für ein Buch über die Farbe gewinnen wollen. 1943 begann Matisse tatsächlich mit den ersten Tafeln, den beiden Werken "Le Clown" und "Le Toboggan", die ursprünglich als Studien für Léonide Massines Ballett "L'Étrange Farandole" gedacht waren. Zwischen 1943 und 1944 arbeitete er an den zwanzig Tafeln, die durch das Ausschneiden von Formen aus mit Gouache bemaltem Papier entstanden. Die Motive beschwören die Welt der Kindheit, den Zirkus und Volksmärchen herauf, verbunden mit Erinnerungen an Lagunen in Ozeanien. Die gedruckte Suite wurde am 30. September 1947 vollendet.
Der Titel "Jazz" verweist nicht nur auf den Rhythmus der Komposition, sondern auch auf die mitunter schrillen Akkorde reiner Farbe sowie auf das Gefühl der Improvisation, das das gesamte Werk durchzieht. Diese musikalische Analogie war für Matisse zentral. Die Bildtafeln funktionieren wie visuelle Improvisationen, vergleichbar mit den rhythmischen Verschiebungen im Jazz.
Matisse verbrachte viele Monate damit, die beste Reproduktionstechnik für seine Papierschnitte zu finden. Schliesslich entschied er sich für das Pochoir-Verfahren, das mit denselben Linel-Gouachen ausgeführt wurde, die er auch für die Originale verwendet hatte. Ein Mitarbeiter bei Tériade, der Kolorist Edmond Vairel (1903-1973), führte die Drucke aus. Die Gegenüberstellung der Maquette mit dem gedruckten Buch macht deutlich, wie anspruchsvoll dieser Übertragungsprozess war. Matisse selbst war der Meinung, dass in manchen Fällen die gedruckten Buchtafeln seinen originalen Papierschnitten überlegen waren, in anderen Fällen war es umgekehrt. Diese Einschätzung zeigt, dass er das Pochoir-Verfahren nicht als blosse Reproduktionstechnik verstand, sondern als eigenständigen künstlerischen Übersetzungsprozess, der dem Original in Qualität ebenbürtig oder sogar überlegen sein konnte.
"Jazz" markiert einen zentralen Moment in Matisses Spätwerk, in dem die Technik des Papierschnitts zur eigenständigen künstlerischen Sprache wurde. Das Werk gilt als Höhepunkt der Künstlerbuchtradition des 20. Jahrhunderts und dokumentiert Matisses innovative Verbindung von Farbe, Form und Buchgestaltung.
| Schweiz | CHF | 170 |
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