Münchenbuchsee bei Bern 1879 - 1940 Muralto
1932 - Werknummer 1932.259 (W 19)
Pastell und Aquarell auf graue Grundierung auf Papier auf Karton
33,8x48,1 cm, inkl. doppelte Abschlussstriche; 49x64,8 cm, Unterlage
Unten links und rechts vom Künstler in Feder in Tusche signiert "Klee", unter dem doppelten Abschlusstrich in brauner Tinte mit der Werknummer und dem Titel "1932 W 19 vor dem Auftritt"
Paul Klee Stiftung, Catalogue raisonné, Band 6, Werke 1931-1933, Bern 2002,
Nachlass des Künstlers
Slg. Lily Klee (1940-1946), Bern, dort erworben von
Klee-Gesellschaft (1946-1952), Bern
Slg. Felix Klee, Bern (1953-1990), durch Erbschaft an
Privatsammlung Schweiz
St. Gallen 1955, Kunstverein im Kunstmuseum, Klee, Werke aus dem Familienbesitz,
Amsterdam 1963, Stedelijk Museum, Paul Klee, Tentoonstelling aquarellen,
München 1970, Haus der Kunst, Paul Klee 1879–1940,
Winterthur 1971, Kunstmuseum, Paul Klee und seine Malerfreunde, Die Sammlung Felix Klee,
London 1971, Roland, Browse & Delbanco, Paul Klee, 60 Watercolours from the Collection of Felix Klee (on loan),
Ravensburg 1972, Kreissparkasse, Paul Klee,
Säckingen 1974, Kunstverein Hochrhein e.V., Paul Klee 1879-1940, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgraphik,
Mailand/Bologna 1982, Galleria del Milione/Galleria Marescalchi, Paul Klee, L'annunciazione del segno, Disegni e acquarelli,
Paris 1985, Galerie Karl Flinker, Paul Klee, Les dix dernières années,
Malmö 1991, Konsthall, Paul Klee,
Andros 1993, Museum of Modern Art, Basil & Elise Goulandris Foundation, Paul Klee, ... A Synthesis of Outward Sight and Inward Vision,
Bern 2007, Zentrum Paul Klee, Paul Klee, Überall Theater,
Bern 2013, Zentrum Paul Klee, Paul Klee, Leben und Werk, ohne Katalog
Äusserst farbfrisch, in hervorragender Erhaltung. Mit dabei ist auch der originale, von Klee jeweils bei Pastellen auf die Darstellung gelegte Karton im selben Format wie der Unterlagekarton, auf dem sich ein leichter Abklatsch des Motivs befindet
Im Wintersemester 1931 begann Paul Klee seine Unterrichtstätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf mit einem Kurs über Maltechnik. Er mietete ein möbliertes Zimmer in der Mozartstrasse, später in der Goltsteinstrasse. Da er nur wenige Schüler unterrichtete, hatte er wieder Zeit und Musse, sich vermehrt den eigenen Arbeiten zu widmen.
Mit "Vor dem Auftritt" aus dem Jahr 1932 greift Paul Klee ein Motiv auf, das sein Schaffen seit den frühen Jahren begleitet hatte: das Theater als Sinnbild menschlicher Existenz. Bühne, Maske und Rollenspiel erscheinen bei ihm nicht als Darstellung eines konkreten Geschehens, sondern als Metaphern für die Spannung zwischen innerem Erleben und äusserer Erscheinung. Klee besuchte in Düsseldorf oft Theater- und Opernaufführungen, wie er immer wieder in Briefen an seine Frau Lily bemerkte, etwa im Brief vom 17. April 1932.
Der Titel bezeichnet einen Augenblick des Innehaltens. Nicht der eigentliche Auftritt steht im Mittelpunkt, sondern der Moment unmittelbar davor - jener flüchtige Übergang zwischen Erwartung und Handlung. Das Bild wird damit zu einer Reflexion über Konzentration, Verwandlung und das Verhältnis zwischen Individuum und Rolle. Wie so häufig in seinem Werk eröffnet der Titel einen poetischen Deutungsraum, ohne dessen Bedeutung festzulegen.
Die Komposition lebt von einem fein austarierten Gleichgewicht zwischen Ordnung und Bewegung. Pastellfarbene Felder, lineare Elemente und zeichenhafte Formen verdichten sich zu einem Bildgefüge, dessen Rhythmus an musikalische Strukturen erinnert. Zwei Masken stehen wie Kulissen in einem Theaterraum. Klee verstand Farbe als ein eigenständiges konstruktives Mittel und sprach in diesem Zusammenhang im oben aufgeführten Brief an Lily von "Polyphonie", einem Zusammenklang mehrerer gleichwertiger Bildebenen. Dadurch entsteht eine Atmosphäre stiller Spannung, die den eigentlichen Gegenstand des Werkes bildet: das Unsichtbare vor dem Sichtbaren, die innere Sammlung vor dem öffentlichen Erscheinen.
| Schweiz | CHF | 170 |
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