Borgonovo 1901 - 1966 Chur
1954/1955
Bronze
29x16,7x13,6 cm
Am Sockel rückseitig rechts mit der geritzten Signatur "Alberto Giacometti" und der gestanzten Nummer "2/6". Seitlich unten rechts bezeichnet "Susse Fondeur Paris"
Auf der Innenseite ein Etikett der Kunsthalle Bern mit der Nummer "0678" und ein Etikett des französischen Zolls
Echtheitsbestätigung des Comité Giacometti, Paris, datiert vom November 2018, liegt vor
Die Bronze ist im Online Werkverzeichnis der Fondation Annette et Alberto Giacometti unter der Nummer AGD 4059 registriert
Alberto Giacometti
Galerie Maeght, Paris, 1955
Slg. Franz Meyer sen., Zürich, Dezember 1957, durch Erbschaft an
Privatsammlung Schweiz
Bern 1956, Kunsthalle, Alberto Giacometti/Marius Borgeaud, ausser Katalog, mit Etikett
Schöner, tadelloser Guss mit dunkelbrauner Patina
Die kraftvolle und expressive Bronzebüste, deren Gips sich in der Alberto Giacometti-Stiftung befindet, zeigt eines der wichtigsten und berühmtesten Modelle von Alberto Giacometti: seinen um ein Jahr jüngeren Bruder Diego (1902-1985).
Die mit der Nummer 2/6 versehene Plastik wurde 1955 gegossen und weist die charakteristische und nuancierte Patina der zu Lebzeiten des Künstlers entstandenen Güsse auf. Lediglich zwei weitere Güsse sind bis jetzt in den Archiven der Stiftung verzeichnet.
Diego diente bereits 1914 als Modell für die allererste Skulptur des Künstlers und blieb eines seiner häufigsten Modelle. Am Ende der 1920er-Jahre war Diego als Atelierassistent tätig und überwachte unter anderem wesentliche technische Aspekte bei der Herstellung der Plastiken, darunter deren Guss und Patinierung. Die zwei jungen Schweizer teilten sich in Paris in jenen Jahren ein gemeinsames Bildhaueratelier, in dem Diego Gipsabgüsse und patinierte Bronzen anfertigte und ab 1935 auch regelmässig für seinen älteren Bruder Modell stand. Als Modell, das ständig betrachtet, untersucht, modelliert und gemalt wurde, wurde Diego zum Medium und Fundament der Modellstudien, die Alberto in den 1950er-Jahren vermehrt durchführte.
Lange nach seinen formalen Experimenten im Rahmen der Pariser Avantgarde und den Landschaften mit langen und schlanken Figuren, deren einzigartige Ästhetik ihm weltweiten Ruhm einbrachte, kehrte Alberto Giacometti zu einer seiner intensivsten künstlerischen Leidenschaften zurück: Er modellierte Köpfe, die der wahrgenommenen Realität so nahe wie möglich kommen sollten, wobei er die unmittelbare Begegnung mit dem lebenden Wesen bevorzugte.
Die massiv modellierte Büste dient als Sockel, aus dem das filigrane Gesicht hervorgeht, als wäre es auf einem Podest platziert. Alberto Giacometti knetete und formte unermüdlich den Ton mit seinen Fingern und bemühte sich, das Wesen seines Modells einzufangen, dessen Blick die Tiefe seiner Seele vermittelt und das Gefühl einer unmittelbaren Präsenz wiedergibt. Durch die beharrliche Rückkehr des Künstlers zum gleichen Modell stellte Alberto seine Suche nach dem Wesen und den Grenzen künstlerischer Darstellung im dreidimensionalen Raum in den Vordergrund. "Seine Porträts sind nicht einfach nur Darstellungen von Individuen. Sie sind Zeugnisse von dem Ringen des Künstlers, eine unergründliche menschliche Präsenz zu begreifen und auszudrücken." (aus: Ausstellungskatalog, London, National Portrait Gallery, Giacometti. Pure Presence, 2015, S. 15-16).
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