Kronach 1472 - 1553 Weimar
1506
Holzschnitt auf Bütten mit Wasserzeichen "Hohe Krone"
37,7x27,2 cm, Blattgrösse
Hollstein 83/II (v. III)
Geisberg/Strauss 597
Slg. Peter Lely (1618-1680), London, Lugt 2092
Ganz ausgezeichneter Frühdruck. Durchweg zwar leicht gebräunt und mit Altersspuren, dafür aber gänzlich unberührt erhalten. Vereinzelte alte Tintenflecke unten rechts, kaum störend. Umlaufend auf der Einfassungslinie beschnitten
Cranach stellt den Heiligen vor allem als monumentale Verkörperung des "miles christianus" dar. Dennoch wird die Rahmenhandlung in winzigen, in der bewegten Landschaftszeichnung kaum wahrnehmbaren Szenen im Hintergrund recht ausführlich gemäss der "Legenda Aurea" geschildert: Rechts bindet der vom Pferd gestiegene Ritter den Drachen mit dem Gürtel der Königstochter, die etwas oberhalb des Geschehens neben einem Schaf kniet. Die Lanze hat er an den Baum gelehnt, an den auch das Pferd gebunden ist. In dem sich zwischen Körper und rechtem Arm der grossen Standfigur öffnenden Durchblick erkennt man die den Drachen mit sich führende Prinzessin, während am linken Bildrand nahezu ganz im Wald verborgen der Heilige mit emporgehobener Lanze weiterreitet.
Georg diente zahlreichen Ritterorden als Schutzheiliger, namentlich dem von Kaiser Friedrich III. 1468/69 gestifteten Georgs-Ritterorden, dem Maximilian 1493 eine St. Georgs-Bruderschaft und 1503 eine St. Georgs-Gesellschaft angliederte. Im Jahr 1503 erliess der Kaiser angesichts der Türkengefahr einen Aufruf zum Kreuzzug. Die häufigen Georg-Darstellungen jener Zeit müssen im Zusammenhang dieser Wiederbelebung der Ritterordens-Idee gesehen werden.
Der von Hollstein beschriebene I. Zustand, bei der die Tinktur des (linken) Kurwappens im unteren Wappenfeld zu sehen ist, ist ein Unikum in München. Auch von diesem II. Zustand lassen sich kaum mehr als 9 oder 10 Exemplare nachweisen. In späteren Nachdrucken ist der obere Teil des Kurwappens gänzlich ausgebrochen.
Das Exemplar ist ungewöhnlich in seiner Unberührtheit und einer bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Provenienz.
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