Løten 1863 - 1944 Oslo
1896
Farbholzschnitt auf festem, bräunlichem Papier
54,3x38,2 cm, Druckstock; 65x49,3 cm, Blattgrösse
Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert "Edv. Munch"
Gerd Woll, Edvard Munch, The Complete Graphic Works, Oslo 2012,
Slg. Prof. Dr. Curt Glaser (1879-1943), Berlin, versteigert bei
Auktion Max Perl, Berlin, 19. Mai 1933, Los 1121, dort erworben von
Slg. Arnold Budczies, Berlin, rückseitig mit dem Sammlerstempel
Frankfurt am Main 1952, Städelsches Kunstinstitut, Edvard Munch, Graphik,
Florenz 1964, Palazzo Strozzi, L'Espressionismo, pittura, scultura, architettura,
Bremen 1970, Kunsthalle, Edvard Munch, Druckgraphik, Auswahl aus einer bremischen Privatsammlung,
Hamburg 2006, Kunsthalle, Edvard Munch, "... aus dem modernen Seelenleben",
Farbfrisch und in besonders schöner Erhaltung
Der Holzschnitt "Männerkopf in Frauenhaar" zählt zu den symbolisch dichtesten und zugleich verstörendsten Werken in Edvard Munchs druckgraphischem Œuvre. In der Darstellung schmiegt sich ein männlicher Kopf in ein wogendes Feld aus offenem Frauenhaar, das das Bildfeld dominiert. Der Mann scheint darin gefangen, umhüllt, fast erdrückt.
Die ikonologische Verwendung von Haar als Symbol weiblicher Sexualität und Macht knüpft an ältere Bildtraditionen an, etwa an die biblische Figur Delilah oder an die Femme fatale im Fin de Siècle. Das Haar ist hier nicht nur Ornament, sondern aktive Kraft. Es hält, fesselt und scheint zu verschlingen. Der Mann wirkt dabei zugleich erlöst und verloren. In seinem passiven Ausdruck liegt ein Moment der Hingabe.
Technisch zeigt "Männerkopf in Frauenhaar" Munchs innovativen Umgang mit dem Holzschnitt. Das Motiv wurde in separaten Platten geschnitten - eine für den Kopf, eine für das Haar - und in verschiedenen Farbvarianten gedruckt. Diese Methode erlaubte es Munch, mit Farbkontrasten und Oberflächenstruktur zu experimentieren. Die Maserung des Holzes tritt deutlich hervor und verleiht der Fläche eine bewegte Textur, die das Haar gleichsam lebendig macht.
Dieses Bild wird zu einem existenziellen Gleichnis. Der Mensch, hineingezogen in das Andere, verliert sich in der Liebe, im Begehren, im Bild. Es ist eines der radikalsten Werke Munchs, in dem Begehren, Nähe und Selbstverlust untrennbar ineinandergreifen.
In mehreren Farben bei Lassally in Berlin gedruckt, der Männerkopf ohne Tonplatte hinterlegt.
Es wurde eine gütliche Einigung mit den Erben nach Curt Glaser, vertreten durch die Berliner Kanzlei "S+N Rechtsanwälte", getroffen. Der aktuelle Verkauf erfolgt mit dem Einverständnis der Erben nach Curt Glaser und ist daher frei von jeglichen Ansprüchen. Die gütliche Einigung wurde in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste vermerkt.
| Schweiz | CHF | 170 |
| Europa | CHF | 270 |
| USA | CHF | 360 |
| Übersee | CHF | 380 |
