Løten 1863 - 1944 Oslo
1896
Mezzotinto auf Arches-Bütten mit Wasserzeichen
29,7x23,5 cm, Plattenkante; 44,5x30,8 cm, Blattgrösse
Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert und datiert "E Munch 1896"
Gerd Woll, Edvard Munch, The Complete Graphic Works, Oslo 2012,
Slg. Prof. Dr. Curt Glaser (1879-1943), Berlin, versteigert bei
Auktion Max Perl, Berlin, 19. Mai 1933, Los 1123, dort erworben von
Slg. Arnold Budczies, Berlin, rückseitig mit dem Sammlerstempel
Bremen 1970, Kunsthalle, Edvard Munch, Druckgraphik, Auswahl aus einer bremischen Privatsammlung,
Alle Blattecken mit Spuren alter Montierungen. Die untere rechte Ecke ergänzt. Oben ein Querfalz im Papier. Am oberen Rand kleiner hinterlegter Einriss. Minimer Lichtrand und Gebrauchsspuren. Die Rückseite leicht im Papier gebräunt. Besonders schöner Druck in sehr schöner Gesamterhaltung
Edvard Munchs Aufenthalt in Paris im Jahr 1896 fiel in eine Phase intensiver druckgraphischer Experimente. In der französischen Hauptstadt begegnete Munch einer avantgardistischen Kunstszene, die seine Bildsprache nachhaltig beeinflusste. Gleichzeitig hatte er dort Zugang zu modernsten Druckwerkstätten. Drucker wie Auguste Clot oder Alfred Porcabœuf vermittelten ihm neue druckgraphische Möglichkeiten.
So entstanden etwa im Atelier Alfred Salmon, das damals von Alfred Porcabœuf geleitet wurde, acht Schabkunstblätter (Mezzotinten). Dieses Druckverfahren gilt als eines der aufwändigsten überhaupt: Zunächst werden die Zinkplatten mit Aquatinta vorbereitet und anschliessend mit dem Wiegemesser so lange bearbeitet, bis sich ein dichtes, gleichmässiges Raster bildet. Dieses erzeugt im Druck eine flächig-samtene Struktur mit weichen Übergängen. Die Schabkunst wurde bereits im 17. Jahrhundert entwickelt, vor allem zur Wiedergabe einer malerischen Wirkung.
Genau dieser malerische Aspekt der Druckgraphik wird Munch fasziniert haben. Er nutzte die Qualitäten des Druckes gezielt, um Atmosphäre und emotionale Dichte zu erzeugen. Dabei schuf er jeweils nur wenige Exemplare mit von Druck zu Druck abweichender Farbgebung. Die Abzüge waren aller Wahrscheinlichkeit nach Eigendrucke bzw. von ihm selbst eingefärbte Platten. Blätter in Mezzotinto gehören zu Munchs seltensten und begehrtesten Graphiken überhaupt.
Das seltene Mezzotinto "Badende Knaben" greift eine Szene auf, die bereits in Munchs Gemälden und Zeichnungen der 1880er-Jahre angelegt war. Zu sehen sind Jünglinge am Wasser, in Bewegung, teils stehend, teils im Begriff ins Wasser zu gehen. Die Szene spielt in der Natur, vermutlich an einem norwegischen Fjord. Bei Munch ist der Blick nie rein dokumentarisch oder idyllisch: Die Körper bleiben schemenhaft, flüchtig und wirken fast traumartig.
Typisch für die Schabkunst sind die samtige Tiefe des dunklen Schwarz-Grüns und der weiche Übergang zwischen Hell und Dunkel. Munch nutzt diese Qualitäten meisterhaft, um den Bildraum aufzulösen. "Badende Knaben" ist ein Bild des Übergangs zwischen Kindheit und Jugend, Natur und Kultur, Körper und Geist. Obwohl das Blatt in Paris entstand, verweist es inhaltlich stark auf Munchs norwegische Herkunft und auf seine frühe Auseinandersetzung mit Fragen der Identität, Männlichkeit und Vergänglichkeit.
Es entstanden wohl nur acht mehrfarbige Exemplare. Das vorliegende Blatt zeichnet sich durch seine satte Farbigkeit aus und ist besonders schön.
Es wurde eine gütliche Einigung mit den Erben nach Curt Glaser, vertreten durch die Berliner Kanzlei "S+N Rechtsanwälte", getroffen. Der aktuelle Verkauf erfolgt mit dem Einverständnis der Erben nach Curt Glaser und ist daher frei von jeglichen Ansprüchen. Die gütliche Einigung wurde in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste vermerkt.
| Schweiz | CHF | 130 |
| Europa | CHF | 200 |
| USA | CHF | 250 |
| Übersee | CHF | 255 |
