1868
Lithographie auf Chine collé auf Velin
33,3x43,4 cm, Chine collé; 49,2x65,2 cm, Blattgrösse
Unten mittig in typographischer Schrift bezeichnet "Imp. Lemercier & Cie, Paris."
Harris 54/II
Moreau-Nélaton 70/II
Guérin 73/II
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Salzburg/Winterthur 1984/1985, Rupertinum/Kunstmuseum, Von Goya bis Warhol, Meisterwerke der Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts aus einer Schweizer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Blatt mit leichten Griff- und Atelierspuren und etwas gewellt. Am oberen Rand ausserhalb der Darstellung ein sauber hinterlegter Einriss sowie eine kreisförmige, nicht auffällige Linie. Rückseitig Montierungsreste. In sehr guter Erhaltung
Die Einsetzung von Maximilian Ferdinand von Habsburg, Erzherzog von Österreich und Bruder des Kaisers Franz Josef, als Kaiser von Mexiko war in den frühen sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Europa ein Politikum. Mit starker französischer Unterstützung konnte Maximilian 1864 in Mexiko-Stadt inthronisiert werden, sah sich aber grossen innenpolitischen Schwierigkeiten gegenüber und musste sich der republikanischen Bewegung unter Juárez erwehren. Frankreich unter Napoleon III. entzog Maximilian zunehmend die Unterstützung, was zu seiner Niederlage und schliesslich zu seiner Erschiessung zusammen mit seinen mexikanischen Generälen Tomás Mejía und Miguel Miramón am 19. Juni 1867 in Querétaro führte.
Noch 1867 begann Manet mit der Verarbeitung dieses brisanten Themas und schuf eine Skizze (Rouart-Wildenstein 124, heute in Boston), eine erste Fassung eines grossen Ölbildnisses (Rouart-Wildenstein 125, heute in Kopenhagen), eine zweite Fassung (Rouart-Wildenstein 126, nur noch teilweise erhalten, heute in London) und die endgültige Fassung (Rouart-Wildenstein 127, heute in Mannheim). Gleich darauf, wahrscheinlich in den ersten Wochen 1868, schuf Manet die vorliegende Lithographie, die frei nach der endgültigen Fassung konzipiert wurde und sicherlich im Atelier von Lemercier entstand. Eine geplante Auflage scheiterte an der Einsprache der Zensur. Um Repressalien gegen sein Atelier zu verhindern, bat Lemercier Manet um die Erlaubnis, den Stein abzuschleifen. In einem Brief an Lemercier vom 20. oder 27. Februar 1869 wies Manet dieses Ansinnen zurück und verlangte die Herausgabe sowie die Überbringung des Steins in sein Atelier. In diesem Brief ist von vier Probedrucken die Rede, drei davon gingen an Manet zurück. Dort verblieb der Stein bis zu Manets Tod im Jahr 1883. Ein Jahr später veranlasste die Witwe Manets eine Auflage von 100 Drucken und betraute wiederum das Atelier Lemercier mit dem Auftrag. Die ganze Auflage mit der Adresse.
| Schweiz | CHF | 170 |
| Europa | CHF | 270 |
| USA | CHF | 360 |
| Übersee | CHF | 380 |
