Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg
1937/38
Bronze
32×27,5x15,5 cm
Im Gussrand zweifach gestempelt "MADE IN GERMANY"
Annette Seeler, Käthe Kollwitz, Die Plastik, Werkverzeichnis, Köln 2016,
Buchholz Gallery, New York
Wohl Washington Irving Gallery, New York
Slg. Janet und Benjamin Margolin, erworben 1960-70er Jahre, durch Erbschaft an
Slg. Susan Warmflash (bis 2014)
Galerie St. Etienne, New York, dort 2014 erworben von
Privatsammlung, Toronto
New York 1938, Buchholz Gallery, Kaethe Kollwitz, Sculpture & Drawings
New York 1941, Buchholz Gallery, Kaethe Kollwitz
Köln 2016, Käthe Kollwitz Museum, Gussgeschichte(n), Käthe Kollwitz, das plastische Werk in Gips, Stucco, Bronze und Zink
Toronto 2019, Art Gallery of Ontario, Becoming Käthe Kollwitz
Hervorragender Guss mit sehr schöner, bräunlicher Patina. Minime Gebrauchsspuren
Die 1937/38 entstandene Plastik "Abschiedwinkende Soldatenfrauen" gehört zu einer Serie kleinerer Figurengruppen, die Käthe Kollwitz in den letzten Jahren ihres Lebens schuf. Die Bronze zeigt mehrere Frauenfiguren mit Kindern, die einem unsichtbaren Zug oder fortgehenden Soldaten hinterherwinken. Ihre Bewegungen wirken zurückhaltend und fast eingefroren, und doch durchzieht die Gruppe eine starke emotionale Spannung. Die Körper sind leicht geduckt, die Gesten wirken tastend zwischen Hoffnung, Abschiedsschmerz und Ohnmacht. Kollwitz verzichtet bewusst auf jede idealisierende Darstellung. Stattdessen verleiht sie dem Moment des Verlusts eine stille, aber eindringliche Ausdruckskraft.
Die raue Oberfläche, die vereinfachten Formen und die enge Gruppierung der Figuren schaffen eine skulpturale Geschlossenheit, die keine überflüssigen Details zulässt. Die rückwärtige Perspektive der winkenden Frauen lässt den Betrachter selbst in die Rolle des Fortgehenden schlüpfen - ein gestalterischer Kunstgriff, der aus der Szene eine persönliche Erfahrung macht.
Der vorliegende Guss ohne Giesserstempel, aber mit dem doppelten Stempel "MADE IN GERMANY", ist nach Annette Seeler ein Indiz dafür, dass das Exemplar vom Kunstgiessermeister Willy Geisler in Berlin gegossen wurde und bereits vor 1945 in die USA gelangte. Dies geschah wohl 1938 zur Kollwitz-Ausstellung in der Buchholz Gallery in New York. Der Galerist Curt Valentin setzte sich sehr für das Werk der Künstlerin ein. Auf einer zeitgenössischen Fotografie ist die Arbeit denn auch in der Galerie zu sehen. Nach 1941 verliert sich die Spur der Bronze; sie taucht erst wieder in den 1960er- und 1970er-Jahren in den USA auf. Dass die Bronze schon Ende der 1930er-Jahre in New York gezeigt wurde, belegt die frühe Rezeption in den USA.
"Abschiedwinkende Soldatenfrauen" ist nicht nur eine Darstellung des Abschieds, sondern auch ein Mahnmal für die Zurückgebliebenen, für all jene, die nicht kämpfen, aber dennoch vom Krieg gezeichnet werden. Angesichts der Atmosphäre der späten 1930er-Jahre, in denen sich Deutschland erneut auf einen Krieg zubewegte, ist die Arbeit auch ein stiller Protest. Kollwitz zeigt nicht Heldentum, sondern Trauer und Verlust.
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