Münchenbuchsee bei Bern 1879 - 1940 Muralto
1934. Werknummer 1934.7
Aquarell und Gouache auf Papier
32,2x28,4 cm
Oben links in der Darstellung vom Künstler in Feder in Tinte signiert "Klee", rückseitig unten links in Bleistift bezeichnet mit der Werknummer "1934.7", unten rechts betitelt "Künstliche Symbiose"
Paul Klee Stiftung, Catalogue raisonné, Werke 1934-1938, Bern 2003, Bd. 7,
Daniel-Henry Kahnweiler, Paris (bis 1937)
Karl Nierendorf, Köln/Berlin/New York (1937-1938)
Galka E. Scheyer, Braunschweig/New York/San Francisco/Hollywood (ab 1938)
Earl Stendhal Gallery, Los Angeles
Eugen Victor Thaw & Co., New York
Sidney Berkowitz (bis 1973)
Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 20. Juni 1973, Los 420
Yasuji Hatano, Tokyo (bis 1999)
Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 25. Juni 1999, Los 82, dort erworben von
Privatsammlung, Schweiz, durch Erbschaft an
Privatbesitz, Schweiz
Richard Verdi, Klee and Nature, London 1984, S. 195f.
Christian Rümelin, Klees Umgang mit seinem eigenen Œuvre, in: Paul Klee, Jahre der Meisterschaft 1917-1933, Balingen/München/London/New York 2001, S. 21-37, 218
Zentrum Paul Klee, Bern (Hrsg.), Paul Klee, Leben und Werk, Ostfildern 2012,
Marie Kakinuma, Paul Klees Rezeption im heutigen Japan, in: Vom Japonismus zu Zen, Paul Klee und der Ferne Osten, Bern/Köln/Zürich 2013/2014,
Michael Baumgartner, Work Processes and Retrospection, in: The EY Exhibition - Paul Klee, Making Visible, London 2014,
Prag 1936, Budova Mánesa, Mezinárodní Výstava I.,
Kopenhagen 1937, Den frie Udstillings bygning, Efter-Expressionisme, Abstrakt Kunst, Neoplasticisme, Surrealisme,
San Francisco 1939, Museum of Modern Art, Paul Klee, ohne Kat.
Los Angeles 1940, Stendhal Galleries, Sixty Years Anniversary Exhibition with Recent Works of Paul Klee, ohne Kat.
New York 1941, Nierendorf Gallery, Paul Klee,
Cincinnati 1942, Art Museum, Paintings by Paul Klee and Mobiles and Stabiles by Alexander Calder
Bern 2006/2007, Zentrum Paul Klee, Paul Klee, Melodie und Rhythmus,
Salzburg 2008/2009, Museum der Moderne, Paul Klee, Melodie, Rhythmus, Tanz,
Bern/Köln 2013/2014/2015, Zentrum Paul Klee/Museum für Ostasiatische Kunst, Vom Japonismus zu Zen, Paul Klee und der Ferne Osten,
Bern 2021, Zentrum Paul Klee, Ich will nichts wissen,
Lille 2021/2022, Musée d'art moderne, d'art contemporain et d'art brut,
Das Blatt wurde 1935 vom Künstler von der Kartonunterlage abgelöst und rückseitig beschriftet. Farbfrisch und in sehr guter Erhaltung
In "Künstliche Symbiose" verknüpft Paul Klee auf eindrucksvolle Weise biologische Metaphorik mit bildnerischer Konstruktion. Das Aquarell zeigt vier schemenhafte, organismenähnliche Figuren in einem an den Rändern verzogenen Bildraum. Rechts sind sie organisch rund, links eckig. Die Körper sind durch eine feine, blaue Linie miteinander verbunden. Diese graphisch durchdachte Verbindung wirkt zugleich lebendig und technisch vermittelt, wie der Titel andeutet. Die Komposition wird so zu einer "künstlichen" Beziehung zwischen zwei bzw. vier Einheiten, die ursprünglich nicht zusammengehören.
Das Aquarell stammt aus einer Phase politischer und persönlicher Zäsuren. Nach seiner Tätigkeit am Bauhaus war Paul Klee Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten Ende Januar 1933 zeichnete sich ein verändertes Kunstverständnis ab, was schliesslich zur fristlosen Entlassung des als "politisch unzuverlässig" eingestuften Künstlers am 21. April führte. Ohne Zukunft in Deutschland wurde die Düsseldorfer Wohnung am 23. Dezember 1933 geräumt und das Ehepaar Klee emigrierte noch am selben Tag in die Schweiz. Im Jahr darauf bezogen Klees die Atelierwohnung am Kistlerweg im Berner Elfenauquartier.
Seine Arbeiten aus dieser Zeit sind oft von abstrakter, teils rätselhafter Symbolik geprägt. In "Künstliche Symbiose" lässt sich die fragile Verbindung zwischen Individuen, Systemen oder Lebensformen als metaphorischer Kommentar zu den künstlichen gesellschaftlichen Konstruktionen der Zeit deuten.
Stilistisch ist das Werk typisch für Klees mittlere Phase und gehört zu den sogenannten Mosaikbildern. Diese bestehen aus eng gesetzten Farbfeldern - meist Rechtecken oder Quadraten -, die wie ein rhythmisches Raster das Bild strukturieren. Inspiriert von Musik, Architektur und Natur, erzeugt Klee darin eine Art malerische Polyphonie. Jedes Farbsegment wirkt wie ein Ton in einer Komposition. Die "Mosaiktechnik" erlaubte es ihm, Struktur mit intuitiver Farbigkeit zu verbinden und dabei zwischen mathematischer Klarheit und poetischer Offenheit zu variieren.
Das vorliegende Blatt wurde im Hinblick auf die Ausstellung bei Daniel-Henry Kahnweiler in Paris (zusammen mit zahlreichen anderen Werken) vom Künstler von der Kartonunterlage losgelöst und rückseitig beschriftet. Seit 1935 zirkuliert das Aquarell ohne Kartonunterlage. D.-H. Kahnweiler verdankte die Sendung unter anderem mit der Bemerkung: "Es ist eine wunderschöne Serie und ich danke herzlichst dafür".
| Schweiz | CHF | 130 |
| Europa | CHF | 200 |
| USA | CHF | 250 |
| Übersee | CHF | 255 |
