Münchenbuchsee bei Bern 1879 - 1940 Muralto
1924. Werknummer 1924.153
Aquarell und Tusche auf Papier auf Karton aufgezogen
17,9x28,6 cm, Darstellung; 19,7x28,6 cm, Darstellung inklusive der aquarellierten Randstreifen oben und unten; 25,9x34,7 cm, Unterlagekarton
Unten links in der Darstellung vom Künstler in Tusche signiert "Klee", darunter auf der Unterlage innerhalb des horizontalen in Rot aquarellierten Randstreifens mit der Werknummer und betitelt "1924 153, Schnecke"
Paul Klee Stiftung, Catalogue raisonné, Band 4, Werke 1923-1926, Bern 2000,
Alfred Flechtheim, Düsseldorf/Berlin/Paris/London (ab 1928)
Slg. Lily Klee, Bern (1940-1945)
Galerie Rosengart, Luzern (1945)
Slg. Walter und Helene Hassler-Christen, Schaffhausen (1945-1966)
Privatbesitz USA
Dauerleihgabe im MASI Lugano bis 2024
Privatbesitz USA
Carl Einstein, Die Kunst des 20. Jahrhunderts, Berlin 1926, Tf. XXIX, dort datiert 1923
Carl Einstein, Die Kunst des 20. Jahrhunderts, Berlin 1928, Tf. XXV, dort datiert 1923
Carl Einstein, Die Kunst des 20. Jahrhunderts, Berlin 1931, Tf. XXX, dort datiert 1923
Georg Schmidt, Paul Klee, Zehn Farbenlichtdrucke nach Aquarellen und Temperablätter, Basel 1948, Tf. V
Will Grohmann, Paul Klee, Genf/Stuttgart 1954,
Werner Haftmann/Carola Giedion-Welcker/Will Grohmann/Werner Schmalenbach/Georg Schmidt, Im Zwischenreich, Aquarelle und Zeichnungen von Paul Klee, Köln 1957,
Max Huggler, Die Kunsttheorie von Paul Klee, in: Festschrift Hans R. Hahnloser, Basel/Stuttgart 1961,
Richard Verdi, Klee and Nature, London 1984,
Jürgen Glaesemer, Paul Klee, Handzeichnungen II, 1921-1936, Bern 1984
Hans Hartmann, Die Spirale im bildnerischen Denken von Paul Klee, Basel 1985,
Sara Lynn Henry, Paul Klee's Pictorial Mechanics from Physics to the Picture Plane, in: Pantheon 47. Jg., 1989,
Carl Einstein, Die Kunst des 20. Jahrhunderts, Berlin 1996, Tf. XXX
Heike Fuhlbrügge, Wendepunkte und Schwellenzeichen, Das Spiralmotiv im Werk von Paul Klee und Joseph Beuys, in: Paul Klee trifft Joseph Beuys, Ein Fetzen Gemeinschaft, Ostfildern-Ruit 2000,
Charles W. Haxthausen, Zwischen Darstellung und Parodie, Klees "auratische" Bilder, in: Paul Klee, Kunst und Karriere, Beiträge des Internationalen Symposiums in Bern, Bern 2000,
Otto Pöggeler, Bild und Technik, Heidegger, Klee und die Moderne Kunst, München 2002,
Martin Schieder, Der Kritiker ist für die Kunst, Will Grohmann und die Moderne, 1914-1968, in: Regula Krähenbühl, Avantgarden im Fokus der Kunstkritik, Eine Hommage an Carola Giedion-Welcker, Zürich 2011,
Paul Klee, New York 2013,
Wolfgang Kersten/Osamu Okuda/Marie Kakinuma, Der moderne Künstler als Selbstverwalter und Kurator - Paul Klees "Sonderklasse", Köln 2014,
Stefan Frey, "Unverkäuflich für die Nachlasssammlung bestimmt Klee", Anmerkungen zur Regelung des künstlerischen Nachlasses Paul Klee von 1940 bis 1952, in: Paul Klee - Sonderklasse, unverkäuflich, Köln 2015,
Stefan Frey, Dokumentation zu den "Sonderklasse"-Blättern..., in: Paul Klee - Sonderklasse, unverkäuflich, Köln 2015,
Osamu Okuda, [Kommentar zu] 140 Schnecke 1924.153, in: Paul Klee - Sonderklasse, unverkäuflich, Köln 2015,
Rainer Lawicki, Ein Auge welches sieht, das andere, welches fühlt, Sehen und Weltanschauung bei Carl Einstein und Paul Klee, in: Historiografie der Moderne, Carl Einstein, Paul Klee, Robert Walser und die wechselseitige Erhellung der Künste, Paderborn 2016,
Osamu Okuda, Nach der Einteilung der neueren Kunstgeschichte..., Paul Klees Verhältnis zu Carl Einstein im Kontext des Surrealismus, in: Paul Klee und die Surrealisten, Berlin 2016,
Sylvia Wölfle, [Bildkommentare], in: Paul Klee, Zwischen Himmel und Erde, Bilderwelten von Paul Klee, Lindau 2017,
München 1925, Galerie Neue Kunst Hans Goltz, Paul Klee. Zweite Gesamtausstellung, 1920-1925,
Dresden 1926, Galerie Neue Kunst Fides, Paul Klee,
Paris 1927, Galerie Vavin-Raspail, Paul Klee, 23 aquarelles,
Berlin 1928, Galerie Alfred Flechtheim, Paul Klee,
Dresden 1930, Galerie Neue Kunst Fides, Paul Klee,
Luzern 1945, Galerie Rosengart, Paul Klee zum Gedächtnis,
Basel 1950, Kunstmuseum, Paul Klee. Ausstellung aus Schweizer Privatsammlungen, zum 10. Todestag,
Winterthur 1952, Kunstmuseum, Paul Klee,
La Sarraz 1954, Château La Sarraz, Paul Klee,
Bern 1956, Kunstmuseum, Paul Klee, Ausstellung in Verbindung mit der Paul-Klee-Stiftung,
Hamburg 1956/1957, Kunstverein/Kunsthalle, Paul Klee,
Aarau 1960, Kunsthaus, Jubiläums-Ausstellung aus aargauischem Privatbesitz, I. Teil: Von den Impressionisten bis zur Gegenwart,
Köln 1979, Kunsthalle, Paul Klee, Das Werk der Jahre 1919-1933, Gemälde, Handzeichnungen, Druckgraphik,
Lugano 2001/2002, Museo Cantonale d'Arte, Da Kandinsky a Pollock, la vertigine della non-forma,
Strassburg 2004, Musée d'Art moderne et contemporain, Paul Klee et la nature de l'art. Une dévotion aux petites choses,
Lugano 2004/2005, Museo Cantonale d'Arte, Les enfants terribles, Il linguaggio dell'infanzia nell'arte 1909-2004,
Klagenfurt 2005, Stadtgalerie, Paul Klee, BILDWelten,
Lugano 2007, Museo Cantonale d'Arte, Affinità e complementi, Opere dai musei svizzeri in dialogo con la collezione del Museo Cantonale d'Arte Lugano,
Lugano 2013, Museo Cantonale d'Arte, Klee - Melotti,
Bern/Leipzig 2014/2015, Zentrum Paul Klee/Museum der bildenden Künste, Paul Klee, Sonderklasse, unverkäuflich,
Bern 2016, Zentrum Paul Klee, Paul Klee und die Surrealisten,
Lindau 2017, Stadtmuseum Lindau, Zwischen Himmel und Erde, Bilderwelten von Paul Klee
Mailand 2018/2019, MUDEC - Museo delle Culture, Alle origini dell'arte,
Blatt mit minimen Atelierspuren, Unterlagekarton etwas gebräunt und leicht fleckig mit schwachem Lichtrand. In sehr guter Erhaltung
In seinem Aquarell "Schnecke" von 1924 widmet sich Paul Klee einem auf den ersten Blick unspektakulären Naturmotiv und erschliesst ihm eine tiefere, formale und symbolische Dimension. Die Darstellung einer spiralförmigen Schnecke dient ihm dabei nicht nur als Ausdruck von Naturbeobachtung, sondern auch als visuelles Prinzip, das zwischen Bewegung, Formgesetz und geistigem Sinn vermittelt. So wird die Schnecke zur Metapher für ein universales Entwicklungsmuster, das über die Natur hinaus in die Kosmologie, die Philosophie und die Kunstgeschichte hineinreicht. Klees Interpretation des Motivs geht weit über blosse Illustration hinaus. Die Schnecke bewegt sich langsam, stetig und zentriert – sie ist ein Sinnbild für Wachstum und Selbstbezug, aber auch für ein tiefes Zeitverständnis.
Das Werk entstand während Klees Lehrtätigkeit am Bauhaus in Weimar, wo er sich intensiv mit Formgesetzen, Proportionssystemen und Naturanalogien auseinandersetzte. Die Idee des "Werdens im Raum" war ein zentrales Thema in Klees Lehre am Bauhaus. Dort vermittelte er seinen Schülern, dass Formen nicht nur gebaut, sondern "gewachsen" sein sollten, und dass künstlerische Arbeit analog zu natürlichen Prozessen verlaufe.
"Schnecke" ist ein anschauliches Beispiel für Klees Fähigkeit, Naturformen zu abstrahieren, ohne sie zu entleeren. Die scheinbar spielerische Linienführung birgt ein hohes Mass an konzeptioneller Klarheit. Es gelingt Klee, das fragile Gleichgewicht zwischen Linie und Fläche, Abstraktion und Bedeutung, Bewegung und Ruhe zu halten. Das Motiv der Schnecke erscheint dabei als Träger einer universellen Bildidee, einer Kunst, die nicht belehrt, sondern mit einem zeichnenden Blick arbeitet, der in der Form das Prinzip erkennt.
| Schweiz | CHF | 130 |
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