1905. Werknummer 1905.36 (März 1905)
Radierung auf Zink auf festem Velin (Kupferdruckpapier)
25,7x18,7 cm, Einfassungslinie; 27,1x19,8 cm, facettierte Platte; 41,5x31,6 cm, Blattgrösse
Unten rechts innerhalb des Plattenrandes vom Künstler in Bleistift signiert "Paul Klee"; unten rechts in der Platte mit gestochenem Monogramm und bezeichnet "P.K. Bern März 05" und darüber "Greiser Phönix (Inv. 9)"
Eberhard W. Kornfeld, Verzeichnis des graphischen Werkes von Paul Klee, Bern 2005,
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913
Basel/Hovikodden 1975/1977, Kunstmuseum/Henie-Onstad-Kunstsenter, Meisterwerke der Graphik von 1800 bis zur Gegenwart,
Salzburg/Winterthur 1984/1985, Rupertinum/Kunstmuseum, Von Goya bis Warhol, Meisterwerke der Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts aus einer Schweizer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld], Kat. Nr. 247.
Jena 1999, Stadtmuseum Göhre, Paul Klee in Jena,
Rom 2004, Complesso del Vittoriano, Paul Klee,
Ulm 2009, Ulmer Museum, Paul Klee und die Romantik,
Blatt mit leichten Griff- und Atelierspuren, etwas berieben, im oberen und unteren Rand vereinzelte Reissnagellöcher. Rückseitig Montierungsreste. In sehr guter Erhaltung
Der Phönix ist ein legendäres Fabelwesen, das seit tausenden von Jahren in den Kulturen rund um den Erdball eine grosse symbolische Bedeutung hat. Die aus der Asche seiner Vorgänger auferstandene mystische Vogelgestalt steht seit der Spätantike als Symbol für Unsterblichkeit und Wiedergeburt. Im Christentum ist sie zudem ein Sinnbild der Auferstehung. Der Phönix steht darüber hinaus für höchste Schönheit und Anmut und wurde beispielsweise in China von der Kaiserfamilie als Symbol der Kaiserin verwendet. Man sagt, der Phönix erscheine nur in Friedenszeiten und ein Bild von ihm weise auf bevorstehendes Glück hin. Das macht ihn zu einem hoffnungsvollen Symbol.
Klees "Greiser Phoenix" von 1905 wurde hingegen als "surrealistischer Vorposten" gewertet, wie Klee in einem seiner Tagebucheinträge in späteren Jahren festhielt. Im Entstehungsjahr des Blattes, am 20. März 1905, schrieb Klee in sein Tagebuch ""Der greise Phoenix" wird die Idealisten wiederum ebenso wenig befriedigen, wie meine vorangehenden Erfindungen. Aber man bedenke sein Alter = nahezu 500! Was muss ihm in der langen Zeit alles zugestossen sein. ... Obwohl Ovid nicht dazu passt, ist dort manches Hübsche über diesen Vogel zu lesen (Metamorphose XV 393 f.). Mir ist lieber er wird nicht gewaltsam verbrannt, da bin ich mit Ovid eins. Zum ersten Mal gedruckt Montag, den 20. März. ..."Tagebucheintrag 602 [Zahn 1920]:". Die Kreuzung von Realismus und Fabel ergibt die komische Wirkung. Der Ausdruck ist nicht ohne Tragik und der Gedanke, dass dieses Fabelwesen mit seiner fünfhundertjährigen Periodizität nun bald zur Parthenogenese schreiten wird, eröffnet ausserdem keine heiteren Perspektiven. Die vorliegende Radierung "im strengen Stil" mit der Klee vollkommen neue Wege einschlug und dem graphischen Schaffen nach 1900 grossartige neue Impulse verlieh, entstand in der Zeitspanne zwischen Juli 1903 und März 1905. Die in diesen Jahren gefertigten Radierungen nannte Klee "Inventionen".
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