1904. Werknummer 1904.11 (Dezember 1904)
Radierung auf Zink auf festem Velin (Kupferdruckpapier)
15,9x15,9 cm, facettierte Platte; 13,6x12,6 cm, Einfassungslinie; 41x31,5 cm (unregelmässig), Blattgrösse
Unten rechts innerhalb des Plattenrandes in Bleistift signiert "Klee", links mit der Werknummer "1904.11", darunter nummeriert "11/30"; unten rechts in der Platte mit gestochenem Monogramm und bezeichnet "PK. Bern / Dez 04 / Inv. Nr 7."
Eberhard W. Kornfeld, Verzeichnis des graphischen Werkes von Paul Klee, Bern 2005,
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Salzburg/Winterthur 1984/1985, Rupertinum/Kunstmuseum, Von Goya bis Warhol, Meisterwerke der Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Jena 1999, Stadtmuseum, Paul Klee in Jena,
Paris 2016, Centre Georges Pompidou, Paul Klee, L’ironie à l’oeuvre,
Blatt mit Griff- und Atelierspuren, minimal gebräunt und leicht fleckig, im oberen Rand an den Ecken je ein Reissnagelloch. In sehr guter Erhaltung
Der übertriebene Glaube an die Monarchie und deren Auswüchse mag Paul Klee zu dieser Arbeit inspiriert haben. Der erste Titel dieses Blattes lautete denn auch "Allertiefste Devotion", später kamen auch andere Titel wie "Ein Ulan versinkt vor der Krone" in Betracht, bis sich Klee schliesslich für "Ein Mann versinkt vor der Krone" entschied. Dargestellt ist nicht die bayerische Krone, sondern die Krone des 1904 seit rund hundert Jahren nicht mehr existierenden "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation".
Die Gestalt des unbekleideten Mannes in tiefgebückter Haltung wurde ins Bizarre übersteigert, wie es literarisch in den Werken des deutschen Schriftstellers Christian Morgenstern mit wunderbaren Worten beschrieben wurde. Dessen groteske Lyrik hatte einen direkten Einfluss auf Klee. Visuell wurde Klee massgeblich durch das graphische Œuvre von Alfred Kubin inspiriert. Beiden Künstlern war gemeinsam, dass sie die Übertreibung als Überhöhung oder die Untertreibung als bewusste Bagatellisierung bis ins Lächerliche oder Absurde führen konnten. Mit diesem frühen Blatt aus dem Jahr 1904 ist Klee ein grossartiges Zeugnis einer bildgegenständlichen Satire gelungen.
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