1920. Werknummer 1920.223
Nadelzeichnung in dunkelblau aquarelliertem Grund, auf Whatman-Papier, auf Karton aufgezogen
13,2x26,5 cm, Darstellung inkl. Schrift; 18,4x32,5 cm, Unterlagekarton
Oben links in der Ecke (schwer lesbar) vom Künstler in Tusche signiert "Klee". Auf der Unterlage, mit einer Tuschfläche eingefasst, unten in der Mitte in Tusche mit der Werknummer "1920/223"
Paul Klee Stiftung, Catalogue raisonné, Bd. 3, Werke 1919-1922, Bern 1999,
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig auf der Unterlage mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Maria-Christina Metzler, Paul Klee, Münchenbuchsee bei Bern 1879-1940 Muralto-Locarno, in: Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld, Wien 2008/2009,
München 1979/1980, Städtische Galerie im Lenbachhaus, Paul Klee, Das Frühwerk 1883-1922,
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Andros 1993, Museum of Modern Art, Basil & Elise Goulandris Foundation, Paul Klee,
Davos 1998/1999, Kirchner Museum, Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Bedburg-Hau 2000, Museum Schloss Moyland, Paul Klee trifft Joseph Beuys,
Madrid 2003, Fundación Juan March, Espíritu de modernidad: de Goya a Giacometti, Obra sobre papel de la colección Kornfeld,
Brühl 2006/2007, Max Ernst Museum, In Augenhöhe, Paul Klee,
Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Aufgezogen auf Unterlagekarton. Das Papier in der Mitte mit einer Knickfalte. Im linken Rand mit einer kleinen Fläche in anderem Blauton. Die Unterlage mit Atelierspuren und etwas berieben im linken Rand. Rückseitig mit Spuren einer alten Montierung. In sehr guter Erhaltung
Im Sommer 1905 begann Klee, geschwärzte Glasplatten als Bildträger zu verwenden und diese mit einer Nadel zu bearbeiten. So fand er eine neue Möglichkeit des bildnerischen Ausdrucks: die "Ritzzeichnung". In seinem Tagebuch beschrieb er das neue Verfahren wie folgt: "Das Mittel ist also nicht mehr der schwarze Strich, sondern der weisse. Die helle Energie auf nächtlichem Grund entspricht sehr schön dem Wort "es werde Licht". So gleite ich sachte hinüber in die neue Welt der Tonalitäten." Fortan finden sich immer wieder Ritzzeichnungen in seinem Œuvre. Er färbte eine Fläche monochrom ein und ritzte mit einer Nadel eine Zeichnung in die Farbe.
Die Komposition von "Städtebild" aus dem Jahr 1920 ist rasterartig aufgebaut. Durch die Reisen nach Nordafrika (1914) und immer wieder nach Italien entwickelte Klee einen besonderen, archaischen Städtetypus in seinem Schaffen. Dabei ging es ihm nie darum, die Wirklichkeit zu illustrieren. Er verstand die Stadt vielmehr als vielfältige Metapher, etwa um die Darstellung des Unbewussten umzusetzen. Häuser, Dächer, Strassen und Plätze sind auch hier als geometrische Felder angeordnet, die sich zu einem Mosaik verdichten.
Das Jahr 1920 war für Klee ein Jahr der Konsolidierung, nachdem er als Meister an das Bauhaus in Weimar berufen worden war. "Städtebild" spiegelt diesen Übergang wider. Es zeigt die zunehmende Integration von Ordnung und Emotion, Konstruktion und Poesie. Die Stadt wird hier nicht nur "gebaut", sie wird förmlich "empfunden".
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