1904. Werknummer 1904.10 (Januar 1904)
Radierung auf Kupfer auf festem Velin
14,6x15,8 cm, facettierte Platte; 16,1x21 cm, Blattgrösse
Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert und mit der Werknummer "Paul Klee 1904.10", unten links bezeichnet "Komiker I Kupfer. nur 2 Abzüge / Platte zerstört"
Eberhard W. Kornfeld, Verzeichnis des graphischen Werkes von Paul Klee, Bern 2005,
Slg. Heinrich Stinnes 1867-1932, Lugt 4436
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Lugano 2013, Museo d'Arte, Paul Klee, Fausto Melotti,
Bern 2015/2016, Zentrum Paul Klee, Klee in Bern 3, ohne Kat.
Mit ganz leicht gebräuntem unteren Rand. Ein sehr schöner Druck in gutem Erhaltungszustand
Paul Klees frühe Radierung "Der Komiker" gehört zu den graphischen Arbeiten, in denen sich seine lebenslange Auseinandersetzung mit Identität, Maskierung und gesellschaftlicher Rolle erstmals deutlich zeigt. Das hier angebotene Blatt entstand 1904, als Klee noch am Beginn seines künstlerischen Weges stand, aber bereits seine charakteristische Handschrift entwickelt hatte: ein feines Gespür für Ironie, Introspektion und formale Reduktion. Sicherlich inspirierten ihn dabei Besuche im Münchner Kupferstichkabinett, wo er etwa Werke von William Blake oder Francisco de Goya studierte.
In der Darstellung begegnet uns eine clowneske Figur mit übertriebener Mimik. Die Figur trägt eine Maske, die förmlich mit dem Kopf verbunden scheint. Mit Maske wirkt der Komiker lustig, ohne Maske jedoch verloren, vielleicht sogar traurig. Dieses Spannungsverhältnis spiegelt Klees Interesse an der menschlichen Psyche und der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft wider. Klee selbst sah in der Komik nicht nur Unterhaltung, sondern auch eine Möglichkeit, Wahrheit zu offenbaren - über sich selbst und die Welt.
"Der Komiker" darf somit als früher Hinweis auf Klees späteres Verständnis der Kunst gelesen werden: als ein ständiges Spiel mit Erscheinung und Bedeutung sowie als Ausdruck des Äusseren und des Inneren. Hinter der vermeintlichen Leichtigkeit der Darstellung verbirgt sich eine leise Melancholie. Das Thema des Komikers schien ihn länger zu faszinieren. 1903 schuf er eine erste Version (I. Fassung "A"), 1904 folgte die hier angebotene I. Fassung "B". Von letzterer Fassung sind bloss drei Abzüge bekannt (auch, wenn Klee mit Bleistift schrieb "nur 2 Abzüge / Platte zerstört"). Zwei Drucke befinden sich in Museen, das hier vorliegende Blatt ist das einzige, das noch in Privatbesitz ist. Das Blatt gilt als eine der grössten Seltenheiten im graphischen Œuvre des Künstlers. Noch im selben Jahr schuf er schliesslich "Der Komiker" in der II. Fassung, die in einer Gesamtauflage von 100 Abzügen gedruckt wurde.
| Schweiz | CHF | 130 |
| Europa | CHF | 200 |
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| Übersee | CHF | 255 |
