1921-1922
Pinsel in Tusche, mit Deckweiss gehöht und korrigiert, auf Kupferdruckpapier
52,6x34,3 cm
Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert und bezeichnet "Käthe Kollwitz / Zeichnung zu Wittwe / Folge Krieg"
Werner Timm/Otto Nagel (Hrsg.), Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Œuvre-Katalog, Stuttgart 1980,
Slg. Erich Cohn, New York
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig auf der Unterlage mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Herbert Bittner, Kaethe Kollwitz, Drawings, New York/London 1959,
Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Gingins/Vevey 1994, Fondation Neumann/Musée Jenisch, Käthe Kollwitz,
Berlin 1995, Käthe-Kollwitz-Museum, Käthe Kollwitz, Schmerz und Schuld,
Davos 1998/1999, Kirchner Museum, Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Köln 2001, Käthe Kollwitz Museum, "Seitdem ich in Holz schneide lockt da vieles", Der Holzschnitt bei Käthe Kollwitz
Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Zürich 2023, Kunsthaus Zürich, Stellung beziehen, Käthe Kollwitz,
Aus drei zusammengesetzten Papieren, mit Reissnagellöchern in den Ecken und teilweise in den Rändern. Das Papier etwas gewellt und minim gebräunt mit Lichtrand. Rückseitig mit Spuren einer alten Montierung
"Ich habe immer versucht, den Krieg zu gestalten. Ich konnte es nie fassen. Jetzt endlich habe ich eine Folge von Holzschnitten fertiggemacht, die einigermassen das sagen, was ich sagen wollte. […]. Diese Blätter sollen in alle Welt wandern und sollen allen Menschen sagen: so war es – das haben wir alle getragen durch diese unaussprechlich schweren Jahre." Das schrieb Käthe Kollwitz im Oktober 1922 in einem Brief an Romain Rolland. Nachdem ihr jüngerer Sohn Peter als Freiwilliger am 22. Oktober 1914 gefallen war, setzte sich Käthe Kollwitz sehr intensiv mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Folgen auseinander. Ihre Trauer und diese schmerzhafte Erfahrung führten zu einer eindrücklichen Aufarbeitung des Kriegstraumas, die in der siebenteiligen Holzschnittfolge "Krieg" kulminierte. Die Folge erschien schliesslich 1923 als Mappe im Verlag Emil Richter in Dresden in verschiedenen Auflagen. Wie immer standen vor der graphischen Umsetzung Vorarbeiten in verschiedenen Techniken an. Kollwitz entwickelte die Motive zuerst auch im Tiefdruck und in der Lithographie, wählte dann aber den Holzschnitt für die Folge aus.
Von "Die Witwe I" (Knesebeck 175), dem vierten Blatt der Reihe, sind vier Vorarbeiten bekannt, darunter die hier angebotene. Sie stellt die am besten ausgearbeitete Variante dar und ist dem Holzschnitt der Auflage am ähnlichsten. Die Künstlerin erprobt die Hell-Dunkel-Wirkung mittels Tusche und Weisshöhungen. Eindrücklich tastet sie sich an das optimale Verhältnis der hellen und dunklen Flächen heran, die danach in die Holzplatte geschnitten werden. "Ich bin mit der Holzschnittfolge zum Krieg fast fertig. […] Kein Mensch wird mutmassen, dass diese 7 Holzstöcke mittlerer Grösse eine langjährige Arbeit in sich schliessen und doch ist es so. Es steckt darin die Auseinandersetzung mit dem Stück Leben, das die Jahre 1914–1918 umfassen, und diese vier Jahre waren schwer zu fassen.", Zitat aus "Briefe der Freundschaft". Man spürt im Blatt die bedrückende Ohnmacht einer Schwangeren, die ihren Partner und den Vater ihres ungeborenen Kindes im Krieg für immer verloren hat.
| Schweiz | CHF | 150 |
| Europa | CHF | 250 |
| USA | CHF | 320 |
| Übersee | CHF | 325 |
