1918
Holzschnitt und Farblithographie auf Velin
49,8x42,9 cm, Darstellung; 63,1x52,9 cm, Blattgrösse
Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert "Edv. Munch"
Gerd Woll, Edvard Munch, The Complete Graphic Works, Oslo 2012,
Slg. N. Freuchen, Oslo, versteigert bei
Auktion Kornfeld und Klipstein, Bern, 14. Juni 1974, Los 778, dort erworben von
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Basel/Hovikodden 1975/1977, Kunstmuseum/Henie-Onstad-Kunstsenter, Meisterwerke der Graphik von 1800 bis zur Gegenwart,
Salzburg/Winterthur 1984/1985, Rupertinum/Kunstmuseum, Von Goya bis Warhol, Meisterwerke der Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts aus einer Schweizer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Basel 1985, Kunstmuseum, Edvard Munch - Sein Werk in Schweizer Sammlungen,
Riehen 2003, Fondation Beyeler, Expressiv!,
Ingelheim 2022, Kunstforum, Edvard Munch, Meisterblätter,
Mit jeweils einem Reissnagelloch in der Mitte des oberen und unteren Randes der Darstellung, womöglich im Druckprozess entstanden. Weitere Reissnagellöcher in allen vier Ecken des Blattes. Im oberen und unteren rechten Rand minimale Papierverdünnung von einer alten Montierung. Rückseitig mit Atelierspuren und Resten alter Montierungen. Prachtvoller Druck, farbfrisch und in sehr guter Erhaltung
Ab 1901 befasst sich Edvard Munch mit dem Thema "Mädchen auf der Brücke". Bis 1940 entstehen zwölf Gemälde und fünf Graphiken. Darauf sind drei Mädchen oder Frauen zu sehen, die am Geländer des Piers in Åsgårdstrand, am Ende des Oslofjordes, stehen. Das noch heute existierende Anwesen Kjøsterudgården mit den grossen Linden kommt auch in anderen Werken Munchs vor.
Die Brücke bzw. der Pier fungiert als symbolischer Raum des Übergangs und der Zwiespältigkeit zwischen Vergangenheit und Zukunft, Innen- und Aussenwelt sowie Bewusstsein und Unbewusstem. Die Mädchen scheinen in einem Moment der Reflexion zu verharren, was die Stimmung der Isolation und des inneren Nachdenkens verstärkt. Anders als bei den Gemälden ist die Ansicht auf dem Holzschnitt seitenverkehrt dargestellt.
Auch das vorliegende 1918 entstandene Blatt zeichnet sich technisch durch eine sorgfältige Schichtung der Farbflächen aus, die in mehreren Druckdurchgängen auf das Papier gebracht wurden. Dabei hat Munch die Textur des Holzes und den Druckprozess bewusst in seine Bildgestaltung integriert, was der Oberfläche eine lebendige Struktur und Authentizität verleiht. Das Werk verbindet technische Meisterschaft mit einer tiefen emotionalen Resonanz. "Mädchen auf der Brücke" ist ein beeindruckendes Beispiel für Munchs Fähigkeit, durch die Kombination von Farbe, Linie und Symbolik existenzielle Stimmungen einzufangen und zeitlos zu vermitteln. Es ist eine Arbeit, die sowohl die traditionelle Bildsprache als auch die innovative Nutzung der Drucktechnik vereint und so einen wichtigen Platz im Œuvre Edvard Munchs einnimmt. Ein seltenes Blatt mit Holzschnitt in Blau und vier lithographischen Zinkplatten in Grün, Gelb, Rot und Dunkelblau.
| Schweiz | CHF | 150 |
| Europa | CHF | 250 |
| USA | CHF | 320 |
| Übersee | CHF | 325 |
