Um 1957
Gips, in Ocker gefasst
40,5x16,1x9,8 cm
Echtheitsbestätigung des Comité Giacometti, Paris, datiert vom Oktober 2017, liegt vor.
Der Gips ist im Online Werkverzeichnis der Fondation Alberto et Annette Giacometti unter der Nummer AGD 3797 registriert
Direkt beim Künstler erworben von
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern
Bern 1959, Klipstein & Kornfeld, Alberto Giacometti,
Bern 2017, Galerie Kornfeld, Alberto Giacometti,
Mit Arbeitsspuren des Künstlers, minim bestossen im Bereich der Unterkante. In sehr guter Gesamterhaltung
Eine der Büsten, die Eberhard W. Kornfeld im Anschluss an die vielbeachtete Sommerausstellung der Galerie Klipstein & Kornfeld 1959 in Bern in Zusammenarbeit mit Alberto Giacometti giessen liess, war "Buste sur socle" aus dem Jahr 1957. Anders als bei den Büsten aus den Jahren 1950/1951 verzerrt Giacometti das Porträt nun in die Höhe. Spannend ist auch der vermeintliche Sockel, der mit dem Körper zu verschmelzen scheint und ihm dadurch eine eigenartige Überhöhung verleiht. Durch die Verzerrung verändert sich das Verhältnis von Kopf und Körper zueinander. Giacometti hinterfragt damit den gängigen Wahrnehmungsprozess: Der Blick kann sich nicht am Rumpf festhalten, sondern wird automatisch zum Kopf und zu den Augen geführt. Obwohl die Schmalheit des Kopfes in der Vorderansicht betont und somit verfremdet wird, sind die wesentlichen Merkmale der Identität seines Bruders Diego immer präsent und leicht zu erkennen: der kraftvolle Blick der weit geöffneten Augen, die markante, leicht nach oben gebogene Nase, die vollen Lippen, die hohe, von einem Haarkranz gekrönte Stirn.
Aufgrund der "Entfernungen" innerhalb des Gesichts, also vom Kinn und der Nase über die Augen bis hin zum Scheitel, muss der Betrachter seinen Blick ständig neu fokussieren. Da die Frontalansicht von Natur aus dominanter ist, verlieh Giacometti dem Profil zusätzlich mehr Gewicht, indem er den Kopf abflachte. Je nachdem, ob die Plastik frontal oder von der Seite betrachtet wird, schafft es der Künstler, faktisch zwei unterschiedliche Gesichter beziehungsweise psychologische Zustände Diegos zu zeigen. Damit erreicht er auch in der Plastik seinen Anspruch einer möglichst ganzheitlichen Darstellung eines Motivs. Die Plastik wurde später bei Pastori in Genf in Bronze gegossen, den Gips behielt Eberhard Kornfeld für seine Privatsammlung.
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