1653
Kaltnadel auf Bütten ohne Wasserzeichen
39,4x46 cm, Blattgrösse
The New Hollstein (Hinterding/Rutgers) 274/IV (v. V) (dieses Blatt erwähnt)
White/Boon 78/IV (v. V)
Wohl Slg. Bischof John Moore (1646-1714), Norwich und Ely
1714 von König George I. mit der Bibliothek des Bischofs erworben und 1715 verschenkt an die
Cambridge University Library (Lugt 2475). Nach der Überführung der Bibliothekssammlung an das
Fitzwilliam Museum, Cambridge, dort als "Doublette" ausgeschieden
Auktion Sotheby’s, London, April 1878, Los 119
Slg. Samuel Spencer (1847-1906). Von seinem Urenkel verkauft an
Privatsammlung, USA
C. G. Boerner, Katalog "Fine Prints", Düsseldorf/New York 1998
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern (erworben 1999)
Ein in jeder Hinsicht prachtvoller Abzug von Rembrandts graphischem Hauptwerk. Die durch die intensive Kaltnadelarbeit bewirkte samtige Oberflächenqualität des Blattes hat sich wunderbar erhalten. Umlaufend mit einem ca. 5 mm breiten Papierrand.
Auf der Rückseite lassen sich Spuren einer vertikalen Mittelfalte sowie eine leicht diagonal verlaufende horizontale Falte entlang des oberen Blattrandes ausmachen. Diese sind allerdings von vorne nicht zu erkennen (die horizontale bestenfalls in schärfstem Streiflicht). Sichtbar sind weiterhin einige alte Tintenflecke und eine frühe Kreide-Paraphe.
Die seltene Kombination von Druckqualität und exzellentem, gänzlich unbehandeltem Erhaltungszustand machen diesen Abdruck auch über die Welt der Graphik hinaus zu einem Werk von grösster Importanz
Die in Kaltnadeltechnik ausgeführte Graphik "Die drei Kreuze" konkurriert im Format mit Gemälden. Rembrandt überarbeitete sie nach Vollendung des III. Zustands mit einer Radikalität, die in der gesamten Geschichte der Druckgraphik keinen Vergleich hat. Die ersten drei Zustände zeigen einen Kalvarienberg, auf dem viele Figuren in Licht getaucht und benennbar sind. Da sich die Kaltnadel schnell abnutzte, überarbeitete Rembrandt die Komposition im IV. Zustand mit elementarer Gewalt. Zwischen beiden Zuständen liegt keine lange Pause, vielmehr folgen sie unmittelbar aufeinander, was erst in der jüngeren Forschung aufgrund der Wasserzeichen der Papiere bestätigt werden konnte. Rembrandt schliff die Platte weitgehend ab und veränderte die ursprüngliche Konzeption grundlegend, wobei allerdings die Kreuze mit Jesus und dem Schächer zu seiner Rechten erhalten blieben. Durch kräftige Schraffuren tauchte er den ganzen Hügel nunmehr weitgehend in tiefes Dunkel. Auffallend ist die Hinzufügung eines Reiters, der sich auf die Medaille Antonio Pisanellos bezieht, die das Reiterbildnis Gian Francesco Gonzagas zeigt. Der Reiter wurde mit Pontius Pilatus zu identifizieren versucht, was insofern plausibel ist, als der lange Stab in den Händen des Reiters auf die Pilatus-Darstellung in Rembrandts "Ecce homo" vorausweist.
Rembrandts "Drei Kreuze", eine technische Meisterleistung und inhaltlich einzigartig, sind ein Meilenstein in der Geschichte der Druckgraphik und darüber hinaus in der Geschichte der abendländischen Kunst überhaupt.
Konvolut
Beigabe: Antonio Pisanello. Medaille des Gian Francesco Gonzaga. Um 1440. Moderner Abguss in Bronze
| Schweiz | CHF | 150 |
| Europa | CHF | 250 |
| USA | CHF | 320 |
| Übersee | CHF | 325 |
