Borgonovo 1901 - 1966 Chur
1948
Bleistiftzeichnung auf festem Velin
46x34,7 cm
Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert und datiert "Alberto Giacometti / 1948". Daneben dediziert "A Guttuso" und bezeichnet "Parigi 1949"
Echtheitsbestätigung des Comité Giacometti, Paris, datiert vom Dezember 2017, liegt in Kopie vor
Die Zeichnung figuriert im elektronischen Werkverzeichnis der Fondation Alberto et Annette Giacometti unter der Nummer AGD 3856
Geschenk des Künstlers an
Slg. Renato Guttuso, Rom
Privatsammlung, Rom
Auktion Christie's, Paris, 28. März 2019, Los 47
Privatsammlung, Hamburg
Georgio Soavi, Disegni di Giacometti, Mailand/Rom 1973
Oberer Rand unregelmässig. Rückseitig wenige Flecken und Montierungsreste. In sehr guter Erhaltung
Annetta Giacometti-Stampa (1871-1964) wurde in Borgonovo im Bergell geboren. Sie war die Tochter des Lehrers Giovanni Stampa und von Domenica Baldini, die aus einer wohlhabenden Zuckerbäckerfamilie stammte. 1900 heiratete sie den aus Stampa stammenden Kunstmaler Giovanni Giacometti und gebar ein Jahr später ihren ersten Sohn Alberto. Bereits bei ihrem Mann Giovanni stand sie immer wieder Modell und schon bald auch ihrem Sohn Alberto. Das angebotene Blatt zeigt Annetta im fortgeschrittenen Alter von 77 Jahren.
Giacomettis Erfahrungen des Krieges und seiner Folgen spiegelt sich in seinen Skulpturen und in den zahlreichen Porträtzeichnungen wider, die nach 1946 entstanden sind. Er porträtierte seine Familie, die Mutter Annetta, seine Frau Annette und seine Geschwister; aber auch Freunde und Künstlerkollegen. Das vorliegende Blatt ist eines seiner typischen Porträts, die eindrücklich das Momentum des Gegenübers von Künstler und Modell einfangen. Alberto Giacometti begann meistens mit der Augenpartie und entwickelte daraus das Gesicht. Oft liess er Partien bewusst weg, man vermeint förmlich das Sonnenlicht auf der einen Gesichtshälfte zu spüren.
Es ging Giacometti stets um die essenzielle Präsenz des menschlichen Wesens, die er zu erfassen suchte. Die Zeichnungen wurden so zum unaufhörlichen Dialog zwischen dem Sehen und dem Gesehenen, in dem die Form ständig wächst und sich faktisch auflöst. Er konzentrierte sich mit dynamischen, ungehemmten Bleistiftstrichen nicht auf die ihm so vertrauten Merkmale der Modelle, sondern auf die Spannungen, die ihnen Zusammenhalt und Dynamik verleihen. Alberto Giacometti schuf das vorliegende Porträt seiner Mutter 1948 im Haus der Familie oder in seinem Atelier in Stampa. Ein Jahr zuvor hatte er begonnen, schlanke, langgestreckte Figuren in seiner ikonischen, visionären Art zu formen. Das Jahr 1948 war für ihn ein wichtiges Schlüsseljahr: Seine erste grosse Ausstellung wurde in New York von der Pierre Matisse Gallery ausgerichtet. Diese Ausstellung begründete Giacomettis Ruf als einer der führenden Künstler der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Das vorliegende Blatt gehörte dem italienischen Maler Renato Guttuso. Guttuso besuchte häufig Paris und war ein lebenslanger Freund von Picasso, der ihn wohl auch Alberto Giacometti vorstellte. Als Guttuso 1949 Paris besuchte, traf er sich im Umfeld von Picasso auch mit Alberto Giacometti, der ihm dabei wohl die vorliegende, sehr wichtige Zeichnung als Zeichen der künstlerischen Wertschätzung schenkte.
| Schweiz | CHF | 150 |
| Europa | CHF | 250 |
| USA | CHF | 320 |
| Übersee | CHF | 325 |
