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  • Kunst aus sechs Jahrhunderten

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    Marino Marini

    Pistoia 1901 - 1980 Viareggio

    195   

    Piccolo cavaliere

    Schätzpreis CHF 500'000 *
      EUR 535'000 *
    13.09.2024
    Versandkosten

    1949, Guss 1953

    Bronze, farbig gefasst

    Ca. 40,5x33x16,5 cm

    Auf der Basis mit dem Künstlermonogramm "M.M". Auf der Unterseite mit dem Giesserstempel "FONDERIA ARTISTICA BATTAGLIA & CO".

    Werkverzeichnis

    Fondazione Marino Marini (Hrsg.), Marino Marini, Catalogue Raisonné of the Sculptures, Mailand 1998, Nr. 325/326

    Patrick Waldberg, Herbert Read und Gualtieri di San Lazzaro, Marino Marini, Complete Works, New York 1970, Nr. 251/251a

    Provenienz

    Privatsammlung Grossbritannien

    Slg. Eric Estorick, New York

    Privatsammlung, New York

    The Grosvenor Gallery, London

    Europäische Privatsammlung, 1999 erworben

    Auktion Sotheby's, London, 16. Oktober 2006, Los 8

    Auktion Sotheby's, New York, 7. November 2007, Los 49, dort erworben von

    Privatsammlung Norwegen, durch Erbschaft an

    Europäische Privatsammlung

    Zustand

    Minime Abreibungen. In sehr gutem Erhaltungszustand

    Erläuterungen

    Marino Marinis frühe plastische Arbeiten können als neoklassisch bezeichnet werden. Ein klassisch-antiker Typus, der später immer wieder aufgegriffen wird, ist das "Reiterstandbild", das den Herrscher in Siegerpose auf seinem Pferd zeigt. Ab Mitte der 1930er-Jahre lässt sich dieses Motiv im Œuvre des Künstlers nachweisen. Von 1943 bis 1947 begibt er sich mit seiner Frau Marina ins Exil in die Schweiz. Dort trifft er sich unter anderem mit Alberto Giacometti, Fritz Wotruba, Otto Bänninger, Hermann Haller oder Germaine Richier; die Begegnungen mit diesen Kunstschaffenden beeinflussen seinen Stil nachhaltig. Und so sind es vor allem die Arbeiten, die nach seinem Tessiner Exil entstehen, die in der Bildhauerei nach dem Zweiten Weltkrieg ikonisch werden. Die Werkgruppen der "Cavalli" (Pferde) und der "Cavalieri" (Reiter) werden bildprägend für die Kunstgeschichte. Es sind keine Herrscherbilder mehr, sondern Symbiosen von Mensch und Pferd, wobei nach Marini der Mensch die "Vertikale" und das Pferd die "Horizontale" betont. Die unvergleichlichen Plastiken oszillieren häufig zwischen der sachlichen Gegenständlichkeit in Richtung expressiver Abstraktion. Marini versucht, den Spannungsbogen des Gleichgewichts zu definieren. Es gibt eher fröhlich anmutende Reiter, wie im vorliegenden Fall, oder Figuren mit bewusst gesetzten Verstümmelungen.

    Immer wieder wird eine Plastik aus der Edition überarbeitet. Mit aufwändigen Ziselierungen, Ritzungen ins Wachsmodell oder nachträglich gesetzten Farbakzenten schafft Marini so aus der Auflage heraus wunderbare "Einzelstücke". Der vorliegende "Piccolo cavaliere" scheint eine Variante zwischen den sechs Versionen in Bronze (Catalogue Raisonné 326) und den vier bekannten Keramikgüssen (Catalogue Raisonné 325) einzunehmen. Im vorliegenden Fall wurde die Bronze gegenüber den beiden Auflagegüssen sehr stark überarbeitet, das Pferd etwa hat ein Ohr erhalten. Man kann auch das Fell des Pferdes, die Decke oder das Brusthaar des Reiters förmlich spüren. Marini bemalte die Plastik schliesslich von Hand in Orange- und Gelbtönen sowie vereinzelten blauen Sprenkeln. Die Plastik entstand 1949 in Gips und wurde in sechs Bronzen gegossen. Es handelt sich um eine kompakte und äusserst ausdrucksstarke Arbeit, die den ständigen Veränderungs- und Gestaltungswillen des Künstlers zeigt.


     
     
     
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