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Pistoia 1901 - 1980 Viareggio
1949, Guss 1953
Bronze, farbig gefasst
Ca. 40,5x33x16,5 cm
Auf der Basis mit dem Künstlermonogramm "M.M". Auf der Unterseite mit dem Giesserstempel "FONDERIA ARTISTICA BATTAGLIA & CO".
Fondazione Marino Marini (Hrsg.), Marino Marini, Catalogue Raisonné of the Sculptures, Mailand 1998,
Patrick Waldberg, Herbert Read und Gualtieri di San Lazzaro, Marino Marini, Complete Works, New York 1970,
Privatsammlung Grossbritannien
Slg. Eric Estorick, New York
Privatsammlung, New York
The Grosvenor Gallery, London
Europäische Privatsammlung, 1999 erworben
Auktion Sotheby's, London, 16. Oktober 2006, Los 8
Auktion Sotheby's, New York, 7. November 2007, Los 49, dort erworben von
Privatsammlung Norwegen, durch Erbschaft an
Europäische Privatsammlung
Minime Abreibungen. In sehr gutem Erhaltungszustand
Marino Marinis frühe plastische Arbeiten können als neoklassisch bezeichnet werden. Ein klassisch-antiker Typus, der später immer wieder aufgegriffen wird, ist das "Reiterstandbild", das den Herrscher in Siegerpose auf seinem Pferd zeigt. Ab Mitte der 1930er-Jahre lässt sich dieses Motiv im Œuvre des Künstlers nachweisen. Von 1943 bis 1947 begibt er sich mit seiner Frau Marina ins Exil in die Schweiz. Dort trifft er sich unter anderem mit Alberto Giacometti, Fritz Wotruba, Otto Bänninger, Hermann Haller oder Germaine Richier; die Begegnungen mit diesen Kunstschaffenden beeinflussen seinen Stil nachhaltig. Und so sind es vor allem die Arbeiten, die nach seinem Tessiner Exil entstehen, die in der Bildhauerei nach dem Zweiten Weltkrieg ikonisch werden. Die Werkgruppen der "Cavalli" (Pferde) und der "Cavalieri" (Reiter) werden bildprägend für die Kunstgeschichte. Es sind keine Herrscherbilder mehr, sondern Symbiosen von Mensch und Pferd, wobei nach Marini der Mensch die "Vertikale" und das Pferd die "Horizontale" betont. Die unvergleichlichen Plastiken oszillieren häufig zwischen der sachlichen Gegenständlichkeit in Richtung expressiver Abstraktion. Marini versucht, den Spannungsbogen des Gleichgewichts zu definieren. Es gibt eher fröhlich anmutende Reiter, wie im vorliegenden Fall, oder Figuren mit bewusst gesetzten Verstümmelungen.
Immer wieder wird eine Plastik aus der Edition überarbeitet. Mit aufwändigen Ziselierungen, Ritzungen ins Wachsmodell oder nachträglich gesetzten Farbakzenten schafft Marini so aus der Auflage heraus wunderbare "Einzelstücke". Der vorliegende "Piccolo cavaliere" scheint eine Variante zwischen den sechs Versionen in Bronze (Catalogue Raisonné 326) und den vier bekannten Keramikgüssen (Catalogue Raisonné 325) einzunehmen. Im vorliegenden Fall wurde die Bronze gegenüber den beiden Auflagegüssen sehr stark überarbeitet, das Pferd etwa hat ein Ohr erhalten. Man kann auch das Fell des Pferdes, die Decke oder das Brusthaar des Reiters förmlich spüren. Marini bemalte die Plastik schliesslich von Hand in Orange- und Gelbtönen sowie vereinzelten blauen Sprenkeln. Die Plastik entstand 1949 in Gips und wurde in sechs Bronzen gegossen. Es handelt sich um eine kompakte und äusserst ausdrucksstarke Arbeit, die den ständigen Veränderungs- und Gestaltungswillen des Künstlers zeigt.
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