1933/1934
Farbholzschnitt auf Japan, farbiger Druck von 2 Stöcken in Schwarz (Zeichnungsstock), Rot, Blau, und Gelb. In Orig.-Rahmen
49,9x35,4 cm, Druckstock; 55x39,7 cm, Blattgrösse
Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert "E L Kirchner", links bezeichnet "Handdruck" und in der Mitte betitelt "Farbentanz"
Günther Gercken, Ernst Ludwig Kirchner, Kritisches Werkverzeichnis der Druckgraphik, Bern 2021, Bd. VI, 1727/III/2, dort erwähntes Exemplar
Slg. Lise Gujer, Davos Sertig
Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b
Eberhard W. Kornfeld, Ernst Ludwig Kirchner, Nachzeichnung seines Lebens, Bern 1979,
Hans Delfs (Hrsg.), Ernst Ludwig Kirchner, Der gesamte Briefwechsel, Zürich 2010
Christoph Krekel/Heide Skowranek, "Wisst ihr nicht dass das Genie keine Theorie braucht", Kirchner und die Farbenlehre, in: Ausstellungskatalog: Keiner hat diese Farben wie ich. Kirchner malt, Davos, Kirchner Museum, 2011,
Basel/Hovikodden 1975/1977, Kunstmuseum/Henie-Onstad-Kunstsenter, Meisterwerke der Graphik von 1400 bis zur Gegenwart,
Basel 1979/1980, Kunstmuseum, Ernst Ludwig Kirchner,
Salzburg/Winterthur 1984/1985, Rupertinum/Kunstmuseum, Von Goya bis Warhol, Meisterwerke der Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts aus einer Schweizer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld],
Riehen 1989, Berowergut, E. L. Kirchner in der Schweiz (1917-1938),
Davos 1998/1999, Kirchner Museum, Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld,
Davos/Essen 1999/2000, Kirchner Museum / Museum Folkwang, Das Innere Bild, "Farben sind die Freude des Lebens",
Bern 2001, Galerie Kornfeld, Ernst Ludwig Kirchner, Ölbilder, Aquarelle, Graphik, Zeichnungen, Wirkereien,
Salzburg 2009/2010, Museum der Moderne, Ernst Ludwig Kirchner,
Darmstadt 2011, Kunsthalle, Faszination Kirchner,
München 2014, Pinakothek der Moderne, Farbenmensch Kirchner,
Im Papier leicht gebräunt, mit Lichtrand am äussersten Blattrand und Randmarkierungen in Bleistift. In der rechten unteren Ecke mit minimem Papierverlust, unten rechts mit minimem Griffknick. Am Blattrand mittig links in der Darstellung und in der Mitte mit feinen Papierverletzungen, an diesen Stellen ist das Papier ausgedünnt, rückseitig stellenweise restauriert. Rückseitig mit Spuren einer alten Montierung. In guter und farbfrischer Gesamterhaltung. In einem vom Künstler mehrfarbig gefasstem Profilrahmen.
Der Holzschnitt steht im Zusammenhang mit der geplanten Ausmalung des Festsaals im Neubau des Museum Folkwang in Essen, die aus politischen Gründen nicht realisiert wurde. Bereits 1925 begann Kirchner, sich intensiv mit einem Konzept zu befassen. Das Thema ist die Zerlegung des weissen Sonnenlichts in die drei reinen Spektralfarben Rot, Gelb und Blau. Die Tänzerinnen symbolisieren das farbige Licht und damit auch Rhythmus und Musikalität der Farben. Kirchner schreibt am 24. Juni 1934 im Brief an den Sammler Carl Hagemann (1867–1940): "Ich male eben die beiden grossen Entwürfe für den Essener Festsaal fertig […]. Ich sende Ihnen einen Farbholzschnitt nach dem Entwurf, damit Sie sehen, wie ich mir die Sache dachte." (Delfs 2989). Bei dem im Brief von Kirchner erwähnten Farbholzschnitt handelt es sich um ein weiteres seltenes Exemplar, das sich heute in der Sammlung des Städel Museums, Frankfurt am Main, befindet. Nebst dem vorliegenden Blatt entstanden in den Jahren 1933/34 weitere technisch und künstlerisch hochstehende Holzschnitte wie "Kopf Dr. Bauer" (Gercken 1725), "Drei Akte im Walde" (Gercken 1728) oder auch "Waldfriedhof am Abend" (Gercken 1729). Sie gehören zu den bedeutendsten Leistungen im gesamten graphischen Schaffen Kirchners und bilden einen Höhepunkt der Davoser Jahre. "Farbentanz" ist einer der schönsten Farbholzschnitte aus der Spätzeit, in der Kirchners Formenwelt, sicher auch unter dem Einfluss Picassos, noch einmal eine Wandlung und Weiterentwicklung erfährt.
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