Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg
1923
Holzschnitt, mit schwarzer Tusche und mit Deckweiss überarbeitet
55,5x44,7 cm, Blattgrösse
Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert "Käthe Kollwitz", links bezeichnet "I Zust.". Rückseitig bezeichnet "nicht verkfl."
Knesebeck 201/I (v. V), das dort erwähnte Exemplar
Aus dem Nachlass der Künstlerin 1990 erworben von
Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin
Privatsammlung Deutschland
Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999,
Berlin 1978, Galerie Pels-Leusden, Käthe Kollwitz. Pastelle, Zeichnungen, Graphiken und Plastiken aus vier bedeutenden Sammlungen und eigenem Besitz,
Wolfsburg 1992, Kunstverein, Käthe Kollwitz. Zeichnungen, Druckgraphik, Bronzen. Aus Anlass des 125. Geburtstages, reprod. pag. 70
Sehr schöner Druck auf dickem, weichem, rauhem Japan. Mit einem wohl beim Druck entstandenen Einriss, der später restauriert wurde. In sehr guter Gesamterhaltung
In einem wohl 1924/1925 geschriebenen Brief an Arthur Bonus, der einen Einführungstext für die Publikation "Käthe-Kollwitz-Werk" vorbereitete, schrieb Käthe Kollwitz: "Sie sprechen von der Kriegsfolge und schlagen vor, das Blatt, wo die Frau mit den Kindern ins Wasser geht, mit hineinzunehmen. Es geht deswegen nicht, weil dieses Blatt (im letzten Winter) vom Propyläen-Verlag erworben ist, der es einzeln herausbringen will. […] Die Frau mit den Kindern ist in Tannenholz geschnitten, die eigentümliche Faserung druckt mit und gibt den gebrochenen, streifigen Schwarzton. Der Stock hält nicht viele Abzüge aus." Die Folge "Sieben Holzschnitte zum Krieg" wurde in einer Auflage von hundert Abzügen herausgeben, so dass die Tannenholzplatte nicht in Frage kam
In den letzten Fassungen des Holzschnitts trägt die Mutter ein Kind auf dem Rücken und zieht ein weiteres hinter sich her. Im hier angebotenen Blatt hingegen befindet sich ein weiteres Kind vor der Mutter, mit erstarrtem Blick und offenen Mund. Es ist in Deckweiss auf das gedruckte Schwarz gemalt, ebenso wie weitere Elemente in Deckweiss und Tusche auf dem Druck zu sehen sind. Es ist die typische Arbeitsweise der Künstlerin, sich durch verschiedener Zustände und Überarbeitungen an die definitive Fassung heranzutasten. Sie hat das dritte Kind schliesslich nicht ins Holz geschnitten und lässt damit die Mutter faktisch alleine vorangehen, das Kind hinter ihrem Rücken schreit; die unausweichliche Dynamik der Szene wird so extrem akzentuiert. Während im vorliegenden I. Zustand der Raum hinter den Figuren noch nicht vollständig weiss gehalten ist, wird dies bei den späteren Abzügen der Fall sein
Eine unglaublich dramatische Darstellung aus dem graphischen Werk des Künstlerin
