Aschaffenburg 1880 - 1938 Davos
1920 (recto) - 1919 (verso)
Öl auf Leinwand
120,5x120,5 cm
Unten rechts in Feder in Tusche bezeichnet "E. L. Kirchner."
Donald E. Gordon, Ernst Ludwig Kirchner, Mit einem kritischen Katalog sämtlicher Gemälde, Cambridge 1968,
Direkt vom Künstler an Helene Spengler-Holsboer, Davos (1921-1943), durch Erbschaft an
Charlotte Grisebach-Spengler, Jena/Zürich (1943-1975), durch Erbschaften an
Privatsammlung Schweiz (seit 2006)
Inge Herold/Ulrike Lorenz/Thorsten Sadowsky (Hrsg.), Der doppelte Kirchner. Die zwei Seiten der Leinwand, Köln 2015, pag. 164 D 100 recto/verso reprod.
Düsseldorf 1960, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Ernst Ludwig Kirchner, Gedächtnisausstellung zum 80. Geburtstag,
Berlin/München/Köln/Zürich 1979-1980, Nationalgalerie/Haus der Kunst/Museum Ludwig/Kunsthaus, Ernst Ludwig Kirchner 1880-1938,
Auf dem originalen Chassis, in einer alten Nagelung. Am rechten Rand mittig mit einer minimen Druckstelle. In sehr guter und farbfrischer Erhaltung. Im Orig.-Rahmen des Künstlers, mit Atelier- und Gebrauchsspuren
Das Gemälde kann gemäss den Fotografie-Alben Kirchners ins Jahr 1920 datiert werden und gelangte ein Jahr später 1921 in den Besitz von Helene Spengler-Holsboer (1869-1943). Sie war die Ehefrau von Dr. Lucius Spengler (1858-1923), welcher sich in Kirchners ersten Davoser Jahren als Arzt um ihn kümmerte. Auf dem Werk dargestellt ist wohl Spenglers älteste Tochter Lotte (1890-1975) mit zwei Knaben, wobei der eine ihr ältester Sohn Lothar (1910-1989) sein könnte. Die drei Personen sind städtisch gekleidet, die Verwendung von Sekundärfarben wie Grün, Orange und Violett erinnern an Werke aus der frühen Berliner Stilphase. Sie sind auf einem Spaziergang in der Davoser Bergwelt. Auf den Sommerwiesen hat die Frau sich einen kleinen Enzianstrauss gepflückt. In Kirchners graphischem Werk findet sich eine Radierung mit demselben Sujet aus dem Jahre 1921 (Gercken 1226 "Frau mit zwei Knaben"). Auf der Rückseite des Gemäldes findet sich ein Werk aus dem vorhergehenden Jahr 1919. Hier stellt Kirchner eine Berglandschaft oberhalb der Stafelalp dar, im Vordergrund mit einem Hirten auf einem Pfad, welcher über eine kleine Brücke über einen Bergbach zu den Alphütten führt. Von 1917-1921 wohnte Kirchner während den Sommermonaten in einer Alphütte auf dieser Alp oberhalb von Davos. Die Vorder- wie auch die Rückseite sind beide sehr farbintensive Werke und sind nun seit mehr als hundert Jahren erstmals auf dem Markt
