1871 New York 1956
1918
Aquarell über Federzeichnung in Tusche
24x30,5 cm
Unten links vom Künstler in Feder in Tusche signiert "Feininger", rechts datiert "1918"
Expertise von Achim Moeller, The Lyonel Feininger Project LLC, New York, datiert vom 6. November 2014, liegt in Kopie vor
Feininger Archiv Nr. 1296-11-06-14
Privatsammlung Deutschland
Auf cremefarbenem Bütten, das Papier gebräunt, in den Rändern mit Reissnagellöchern, mit einzelnen Fleckchen. In sauberer Erhaltung
Für den Deutschamerikaner Lyonel Feininger boten die Städtchen an der Ostsee oder das verträumte Weimarer Umland in Thüringen eine perfekte Kulisse für seine künstlerischen Erkundungen. Es waren die kleinstädtischen Idyllen mit ihren Kirchen und im wahrsten Sinne des Wortes pittoresken Dorfkernen - wie etwa in Gelmeroda, Niedergrunstedt, Possendorf, Vollersroda, Zottelstedt oder eben Taubach -, die ihm ideale Motive boten. Zu Beginn staffierte er die Ansichten dieser Orte noch mit seinen typischen Figuren aus (wie beim hier angebotenen Blatt), später realisierte er die Werke nur noch als reine, fast ins Abstrakte tendierende Architekturansichten
Gegenüber Alfred Kubin meinte er einmal, dass es in diesen "gottverlassenen Nestern" Kirchtürme gebe, die ungemein mystisch seien. In Taubach ist es die wuchtige, evangelische Kirche St. Ursula, die er im zweifarbigen Aquarell besonders darstellt. Den dunkelvioletten Himmel grenzt er von den feinen, hellblauen Konturen des Städtchens gekonnt ab. Eine Figur mit dem typischen Feininger-Hut spaziert von der Kirche weg, die Bäume vor der Kirche halten die beiden "Welten" von Himmel und Erde wie eine Klammer zusammen
Ein eindrückliches Aquarell, entstanden kurz bevor er als erster Meister von Walter Gropius ans Bauhaus nach Weimar berufen wurde
