Königsberg 1867 - 1945 Moritzburg
Vor Juni 1902
Kohle- und Kreidezeichnung
51,5x35,3 cm
Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert "Kollwitz"
Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980,
Alexander von der Becke, Berlin
Privatsammlung Schweiz
München 1967, Galerie A. von der Becke und Sohn, Käthe Kollwitz, Handzeichnungen und graphische Seltenheiten, Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag,
Auf Bütten, in tadelloser Erhaltung
Wie bei ihrem ersten graphischen Zyklus "Ein Weberaufstand" arbeitet Käthe Kollwitz auch beim "Bauernkrieg" mit einem historischen Ereignis. Ausgangspunkt dürfte die 1843 erschienene Publikation des Theologen und Historikers Wilhelm Zimmermann über den grossen deutschen Bauernkrieg von 1524/1525 sein, auf die sich sozialdemokratische Kreise im 19. Jahrhundert gerne beziehen. Für Käthe Kollwitz und ihr liberal-sozialistisches Umfeld widerspiegeln die Schilderungen eine grosse Aktualität. Anfänglich plant die Künstlerin den Zyklus als farbige Lithographien (vgl. die erste Fassung in Lithographie "Bewaffnung in einem Gewölbe", Knesebeck 65, dort datiert "vor Juni 1902"). Als sie 1904 durch Vermittlung von Max Lehrs, dem Direktor des Dresdner Kupferstich-Kabinetts, von der "Verbindung für historische Kunst" beauftragt wird, die Werke als Jahresgabe für die Vereinigung zu schaffen, führt sie die Graphiken als Radierungen aus (vgl. Radierung Blatt 4 der Folge "Bauernkrieg", Knesebeck 96, dort datiert "vor Mitte Juni 1906"). 1907 wird ihr für die meisterhaft geschaffenen und gedruckten sieben Blätter (Knesebeck 70, 88, 96, 99, 100, 101, 102) des Bauernkriegs als erste Frau noch vor der Fertigstellung der Serie der von Max Klinger begründete "Villa-Romana-Preis" verliehen
Wichtige Vorzeichnung für die erste Fassung in Lithographie, die den Schaffensprozess der Künstlerin eindrücklich aufzeigt
