Auktion 291, Los 182: Pablo Picasso: 103 Linolschnitte 11.9.2026
In seinem äusserst umfangreichen grafischen Œuvre nehmen die hauptsächlich zwischen 1958 und 1965 in zwei Phasen entstandenen «Linos» eigentlich einen kleinen, aber ungemein bedeutenden Teil ein. Von den Linolschnitten, die Picasso schuf, wurden einige nur als einzelne Probedrucke hergestellt, viele jedoch schliess- lich in einer Auflage von 50 Exemplaren von der Gale- rie Louise Leiris in Paris herausgegeben. In kaumeinem anderen Medium verband Picasso technische Innova- tion, malerisches Denken und gestalterische Freiheit auf vergleichbareWeise. Was als Experiment mit einem bis dahin eher unscheinbaren Druckverfahren begann, entwickelte sich zu einemder originellsten Beiträge zur Druckgrafik des 20. Jahrhunderts. Seit 1948 hielt sich Picasso regelmässig in Vallauris auf, wo er zunächst vor allemmit der Keramik arbeitete. Dort lernte er den Drucker Hidalgo Arnéra kennen, dessen Atelier die Plakate für die Keramikausstellungen in Val- lauris druckte. Wahrscheinlich waren es gerade diese Arbeiten, die Picassos Aufmerksamkeit auf das Lino- leum als Drucktechnik lenkten. Das preiswerte, leicht zu bearbeitende Material war in der Plakatgestaltung seit Langem verbreitet, galt innerhalb der freien Kunst jedoch kaum als anspruchsvolles grafisches Medium. Picasso erkannte rasch dessen künstlerischeMöglich- keiten. Das weiche, homogene Linoleum erlaubte ein unmittelbares Arbeiten und bot im Gegensatz zum Holzschnitt keinerlei Einschränkung durch eine natür- liche Maserung. Linien konnten mit grosser Freiheit geführt, zugleich aber auch feinste Details präzise her- ausgearbeitet werden. Hidalgo Arnéra erinnerte sich später, Picasso habe dasMaterial behandelt, «als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht». Die ersten Linolschnitte entstanden noch nach dem traditionellen Verfahren, bei dem für jede Farbe eine eigene Druckplatte benötigt wurde. DieseMethodewar technisch aufwendig und schränkte die spontane Arbeitsweise des Künstlers erheblich ein. Den entschei- denden Anstoss zu einer neuen Lösung gab Hidalgo Arnéra. Er schlug Picasso vor, sämtliche Farben nach- einander von einer Linoleumplatte zu drucken. Picasso erkannte sofort das schöpferische Potenzial dieses sogenannten Eliminations- oder Reduktionsverfahrens und entwickelte es innerhalb kürzester Zeit zu einer bis dahin ungekannten Vollendung. Ausgangspunkt ist eine einzelne Platte, die zunächst in der hellsten Farbe gedruckt wird. Anschliessend schneidet der Künstler jene Partien heraus, welche diesen Farbton behalten sollen, bevor die nächste – meist dunklere – Farbe darüber gedruckt wird. Dieser Vorgang wiederholt sich bis zum letzten Druckgang, der häufig in Schwarz erfolgt. Mit jedem Schnitt ver- ändert sich die Platte unwiderruflich; ein früherer Zustand lässt sich nicht mehr herstellen. Gerade diese Endgültigkeit verlangte ein aussergewöhnliches Vor- Within Picasso’s vast graphic oeuvre, his linocuts, mainly created in two phases between 1958 and 1965, occupy a small yet incredibly significant place. While a fewwere only produced as individual trial proofs, many were ultimately published by the Parisian gallery Louise Leiris in an edition of 50 prints. Hardly any other medium saw Picasso combine technical innovation, painterly thinking and creative freedom to such an extent. What began as an experiment with a previously unremarkable printing process evolved into one of themost distinctive contributions to 20th-century printmaking. From1948onwards, Picasso regularly stayed inVallauris, where he primarily worked with ceramics. There, he met the printer HidalgoArnéra, whose studiowas responsible for printing the posters for the ceramics exhibitions in Vallauris. It is quite likely that it was theseworks that drew Picasso’s attention to linoleum as a printing technique. This inexpensive and easy-to-work-with material had long been popular in poster design, but was not consid- ered a demanding graphic medium within the fine arts. Picasso soon recognised its creative potential. Unlike in woodcut, the soft, uniformmaterial of the linocut allowed for an immediate working process with no limitations in terms of texture. Lines could be cut with great freedom, while it was also possible towork precise details. Hidalgo Arnéra later recalled that Picasso treated the material ‘as if he’d done nothing else all his life’. Jacqueline au bandeau de face. Mougins, 17. Februar 1962. Baer 1303/III/B/a (v. b). Bloch 1069. Farblinolschnitt auf Velin Arches mit Wasserzeichen. 63,8×52,8 cm, Druckstock; 75,3×62 cm, Blatt- grösse. Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert «Picasso», links nummeriert «45/50». In tadelloser Erhaltung Portrait de 1962. Baer Archesmit Blattgröss links num
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