Auktion 286 : 100 Ausgewählte Kunstwerke 12.09.2025
1935. Öl auf Leinwand. 85×122 cm. Oben rechts vom Künstler in die Ölfarbe eingeritzt «EL KIRCHNER / K», rückseitig signiert und bezeichnet «E.L. Kirchner/Davos/Bern/Münsterplatz». Auf demoriginalenChassis, in der alten Nagelung. Mit leichten Druckstellen vom Keilrahmen. In sehr guter und farb frischer Erhaltung. Schätzung CHF 425000 * Werkverzeichnis Donald E. Gordon, Ernst Ludwig Kirchner, Mit einem kritischen Katalog sämt- licher Gemälde, München 1968, Nr. 980 Provenienz Nachlass des Künstlers, bei Erna Kirchner, Davos, vor 1945 erworben von Slg. Eberhard Grisebach-Spengler, Jena/Zürich (1880–1945), durch Erb- schaften an Privatsammlung Deutschland (seit 2006) Literatur Gerd Presler, Ernst Ludwig Kirchner, Die Skizzenbücher, Karlsruhe/Davos 1996 Hans Delfs (Hrsg.), Ernst Ludwig Kirchner, Der gesamte Briefwechsel, Zürich 2010 Ausstellungen Düsseldorf 1960, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Ernst Ludwig Kirchner, Gedächtnisausstellung zum 80. Geburtstag, Kat. Nr. 104 Berlin/Zürich 1979/1980, Neue Nationalgalerie/Kunsthaus, Ernst Ludwig Kirchner, Kat. Nr. 404 Anlässlich seiner Ausstellung in der Kunsthalle Bern 1933 hielt sich Kirchner mehrfach in Bern auf. Schon während dieser Aufenthalte entstanden zahlreiche farbige Arbeiten in der Altstadt, vor allem auf dem Münsterplatz und am Zeit- glockenturm. In einem Brief vom 4. August 1935 an Erwin Friedrich Baumann (1890–1980, Schweizer Bildhauer und Architekt) erwähnt Kirchner das vorliegende Werk «Münsterplatz in Bern» und stellt es anhand einer kleinen Skizze dar. Er schreibt: «Es ist heute so dunkel, dass ich nicht malen kann, schade, ich hätte so gern meinen Münsterplatz in Bern vollendet. Eine architektonisch schöne Sache ist dieser Platz mit dem Reiterdenkmal. Ich machte über 30 Zeichnungen dazu, ehe ich so weit war, ihn malen zu können. […].» (aus Delfs 2993). Gewisse im Brief erwähnte Skizzen finden sich in einem der Skizzenbücher aus dem Jahr 1935 (Presler Skb 174, S. 2, S. 21–24). Weiter stellt Kirchner dasselbe Motiv schon 1934 im Holzschnitt «Münsterplatz in Bern (mit Mosesbrunnen und Erlach-Denkmal)» (Gercken 1754) dar. Das im Zentrum des Ölgemäldes dar- gestellte Reiterstandbild porträtiert Rudolf von Erlach (1299–1360), Sieger der Schlacht bei Laupen im Jahr 1339, und wurde 1849 von Joseph Simon Volmar (1796–1865) entworfen. Seit Juli 1969 hat es seinen neuen, heutigen Platz an der Grabenpromenade vis-à-vis des Stadttheaters. Im August 1935 verkaufte Kirchner eine weitere, etwa gleich grosse Ansicht von Bernmit demTitel «Bernmit Münster» (Gordon 979) an den Basler Sammler Dr. Carlo Bosshart in Riehen. Das hier zum Verkauf angebotene Werk blieb im Besitz des Künstlers bis zu seinemTod im Jahr 1938 undwurde erst 1945 durch seine Lebenspartnerin Erna Schilling verkauft. 143 Ernst Ludwig Kirchner Aschaffenburg 1880–1938 Davos Münsterplatz in Bern
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