Auktion 286 : 100 Ausgewählte Kunstwerke 12.09.2025
1914. Öl auf Leinwand. 42×41 cm. Unten rechts vomKünstler datiert und signiert «1914 F. Hodler», rückseitig auf Leinwand betitelt «Portrait de Valentine Godé- Darel». Auf dem originalen Chassis, in einer modernen Nagelung. Durch den Rahmen an den Rändernminimberieben. In farbfrischer und sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 350000 Werkverzeichnis Oskar Bätschmann/Paul Müller, Ferdinand Hodler, Catalogue raisonné der Gemälde, Band 2, Die Bildnisse, Zürich 2012, Nr. 922 Provenienz Slg. Hans Leemann-Geymüller, Arlesheim Auktion Galerie Bollag, Zürich, 20. Juni 1941, Los 74, dort betitelt «Frauenbild- nis 1914» Auktion Galerie Fischer, Luzern, 25. Oktober 1941, Los 1416, dort betitelt «Bild- nis der Mme Darel», dort erworben von Privatsammlung Schweiz, durch Erbschaft an Privatsammlung Schweiz Literatur Carl Albert Loosli, Ferdinand Hodler, Leben, Werk, und Nachlass, GK, Bd.4, Bern 1921–1924, Nr. 267, dort betitelt «Bildnis von Frau Darel (Linksprofil), 1914» Werner Y. Müller, Die Kunst Ferdinand Hodlers, Gesamtdarstellung, Bd. 2, Reife und Spätwerk 1895–1918, Zürich 1941, Nr. 200 Hans Mühlestein/Georg Schmidt, Ferdinand Hodler 1853–1918, Sein Leben und sein Werk, Erlenbach-Zürich 1942, S. 485 Ausstellungen Genf 1918, Galerie Moos, Exposition Ferdinand Hodler, Kat. Nr. 118 oder Kat. Nr. 119, beide dort betitelt «Tête de Française de profil», mit Stempel auf Keilrahmen und mit blauem Stift bezeichnet Zürich/St. Gallen/München/Bern 1976/1977, Kunsthaus/HistorischesMuseum/ Museum Villa Stuck/Kunstmuseum, Ein Maler vor Liebe und Tod, Ferdinand Hodler und Valentine Godé-Darel, Ein Werkzyklus 1908–1915, Kat. Nr. 97 Luzern 2010, Kunstmuseum, Hodler, Amiet, Giacometti, Werke aus Innerschwei- zer Sammlungen, kein Katalog Das Gemälde zeigt Hodlers Geliebte ValentineGodé-Darel (1873–1915). Hodler begegnete Valentine 1908 in Genf, nachdem sie kurz zuvor von Paris dorthin übersiedelt war. 1913 gebar sie ihm die Tochter Paulette (1913–1999) und erkrankte kurz nach der Geburt an Krebs. Nach einem Zwist besuchte Hodler seine Geliebte zwischen Juni und November 1914 nicht mehr, wie sich Anna Schmidli, die Haushälterin Godé-Darels, erinnerte. Der letzte datierte Besuch scheint der am 7. Juni 1914 im Carnet festgehaltene gewesen zu sein. Dieser Unterbruch und die Tatsache, dass Godé-Darel ab September 1914 ans Bett gefesselt war und es nicht mehr verlassen konnte, legen den Schluss nahe, dass Hodler die drei Bildnisse (Bätschmann/Müller Nr. 922–924), die sie angekleidet und frisiert zeigen, kurz vor der ersten Operation Ende Februar oder kurz vor dem zweiten Eingriff Ende Mai 1914 gemalt hat. Nebst seiner Frau Berthe war Valentine eines seiner Hauptmodelle. Für Hodler vereinigte Valentine das Sinnliche und Ideelle und überbrückte so seine Kluft zwischen Leben und Kunst. Obwohl die Dargestellte hier eine ähnliche Pose wie in ihrem Bildnis von 1912 (Bätschmann/Müller Nr. 893) einnimmt, betonen doch kleine Unterschiede im vorliegenden Werk augenfällig ganz andere charakteristische Eigenheiten der Person: Hodler unterlässt es, die Drehung des Kopfes ins Profil bei gleichzeitiger Rückenansicht mit Falten im Nacken- bereich zu betonen. Dadurch erhält die Figur eine etwas steife Haltung, die ihr zusammen mit dem zusammengekniffenen Mund und dem gesenkten Blick ein stolzes, unnahbares Aussehen verleiht. Die aufgetürmten Haare unter streichen diesen Eindruck; auf allen anderen Zeichnungen undGemälden trägt Godé-Darel ihr Haar am Hinterkopf zu einem Chignon hochgesteckt. 138 Ferdinand Hodler Bern 1853–1918 Genf Bildnis Valentine Godé-Darel
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